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Wolf: Die Entnahme ist umstritten

Wolf-Bayern
Barbara Höfler
am Freitag, 14.01.2022 - 18:29

Betroffene Weidetierhalter begrüßen die Entscheidung der Regierung von Oberbayern. Doch es gibt auch scharfe Kritik.

München Eine „absolut richtige Entscheidung“ hat es Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) genannt: Wie das Bayerische Landwirtschaftliche Wochenblatt schon vorab mitteilte, hat die Regierung von Oberbayern „aus Gründen der öffentlichen Sicherheit“ die Entnahme des Wolfes mit dem genetischen Code GW2425m zugelassen.

Nebeneinander von Weidetieren und großen Beutegreifern funktioniert nicht

Die Entscheidung wird zunehmend zum Politikum. Während betroffene Weidetierhalter die Genehmigung der Wolfsentnahme begrüßen, erwägt der Bund Naturschutz eine Klage dagegen. Der Traunsteiner Landrat Siegfried Walch (CSU) zeigte sich in einer Mitteilung des Landratsamtes erleichtert. Der Landrat hatte in seiner Funktion als Vorsitzender des Verbands der Forstberechtigten im Chiemgau Mitte November die Entnahme des Wolfes beantragt.

Zur Entscheidung sagte er: „Ein Nebeneinander von Tierhaltung im Freien und Großen Beutegreifern ist schlicht und ergreifend nicht möglich. Besonders dramatisch wird das natürlich im Bereich der Almwirtschaft.“ Es habe sich nun ein Verhalten eines Wolfes gezeigt, das laut dem Landrat deutlich mache: „Der Wolf ist nicht nur ein Problem für die Landwirtschaft, sondern von ihm geht auch eine Gefahr für die Sicherheit aus.“

Schafe müssen weggesperrt werden - das sind die Tiere nicht gewohnt

Franz Angerer, Weidetierhalter aus Marktschellenberg, bei dem am 19. Dezember der Wolf vier Schafe gerissen und zwei weitere bis heute unauffindbar versprengt hat, zeigte sich über die Genehmigung der Entnahme sehr glücklich: „Man denkt bei uns schon an Rudelbildung und wenn der eine Wolf weg ist, wäre es schon ein Rudel weniger, das später auf uns zukommt. Wir telefonieren seit Wochen wegen Herdenschutzzäunen herum. Unsere verblieben Tiere wären um diese Zeit im Freilaufstall, die haben wir eingesperrt. Das tut einem richtig leid, die sind das nicht gewohnt. Wir hoffen, dass wir bis April eine Lösung für den Zaun gefunden haben, damit wir sie rauslassen können.“

Kosten dreimal so hoch wie die Förderung

Die Angerers stehen, wie viele Weidetierhalter in der Region, beim Herdenschutzzaun vor einem unerwarteten Problem: Zwar sagt die Regierung für Weidetierhalter in der Förderkulisse 100% Kostenübernahme für Material und Montage zu. Im buckligen Berggebiet mit Steillage übersteigen die Preise für Herdenschutzzäune die dafür vorgesehenen Kosten aber offenbar drastisch und zwar ums bis zu Dreifache, wie Angerer berichtet. „Das können wir für unsere paar Tiere nicht leisten.“

Bund Naturschutz kann die Entscheidung nicht nachvollziehen

Uwe Friedel, Wolfsbeauftragter beim Bund Naturschutz, kann die Entscheidung der Regierung von Oberbayern hingegen nicht nachvollziehen. „Es wird in der Begründung eine Gefährdung für den Menschen durch den Wolf als Abschussgrund herangezogen. Auch für uns hat die Sicherheit der Menschen oberste Priorität, eine Gefährdungslage können wir nach den uns vorliegenden Unterlagen jedoch nicht erkennen. Wir haben dazu auch Wolfsexperten aus anderen Bundesländern befragt, die unsere Einschätzung teilen. Als Bund Naturschutz werden den Entnahmebescheid daher jetzt eingehend prüfen und erwägen dann eine Klage.“

Eine Alternative zum Abschuss wäre aus Sicht des Bund Naturschutzes, das Monitoring in der Region zu verstärken, zum Beispiel durch den Einsatz von Wolfsspürhunden. So könnte überhaupt der Aufenthaltsort des Wolfes bestimmt werden „und nicht nur dieses Wolfes“, so Friedel, sondern auch des zweiten in der Region nachgewiesenen Wolfes. Auf diese Weise ließe sich dann genauer untersuchen, wie viele Wölfe in dem Gebiet unterwegs sind und ob der gesuchte Wolf mit dem genetischen Code GW2425m tatsächlich verhaltensauffällig sei.