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Wolfsmanagement

Wolf: Bund Naturschutz klagt gegen Abschuss

Wolf
Barbara Höfler, Ulrich Graf
am Dienstag, 18.01.2022 - 11:04

Der Bund Naturschutz (BN) in Bayern kündigte gegenüber dem Wochenblatt an, man werde gegen die Allgemeinverfügung zur Entnahme des Wolfes umgehend einen Eilantrag gegen den Sofortvollzug stellen. Anschließend werde man die Klage gegen den Entnahmeantrag nachreichen. Wann dies so weit ist, hängt laut dem Wolfsbeauftragten des Bund Naturschutz Uwe Friedel von der damit beauftragten Anwaltskanzlei ab.

Am zuständigen Münchner Verwaltungsgericht war Stand 12:00 (18.01.2022) noch kein Eilantrag bekannt. Laut einem Sprecher des Gerichts würde den Eilantrag zunächst die 19. Kammer (Artenschutz) prüfen. Je nachdem entscheiden die Richter, ob sie die Veranlassung sehen, die Entnahmegenehmigung vorläufig zu stoppen oder ob bis zur abschließenden Prüfung des Eilverfahrens zunächst kein Stopp ergeht. Fest steht: „Bis das Gericht etwas anderes sagt, gilt die Allgemeinverfügung fort“, so der Gerichtssprecher. Ein Bejagungsstopp ist mit dem Eingang des Eilantrages also nicht automatisch verbunden.

BN sieht keine ausreichende juristische Basis für Entnahme

Der Wolfsbeauftragte des BN, Uwe Friedel, hält die Einschätzung in der Entnahmebegründung, dass aufgrund der wiederholten Annäherung des Wolfes an Siedlungsstrukturen zu befürchten sei, dass Menschen zu Schaden kommen könnten, für falsch. Der Bund Naturschutz betrachtet die Entnahmebegründung deshalb als nicht haltbar. Der von der Regierung Oberbayern genehmigte Abschuss verstoße damit gegen das Bundesnaturschutzgesetz und die EU-Verordnungen, weshalb der BN gegen die Verfügung klage.

Außerdem kritisiert der BN, dass die Regierung von Oberbayern ihre Entscheidung mit Aussagen der Expertenkommission begründe, die am 23. Dezember tagte und mit Vertretern der relevanten Behörden besetzt war. Das dem BN vorliegenden Protokoll enthält aus Sicht des BN aber keine Empfehlung für eine Entnahme.

Ob der Traunsteiner Wolf damit der erste Wolf seit 140 Jahren wird, der mit staatlicher Erlaubnis in Bayern abgeschossen wird, ist damit weiter fraglich.

Weidehalter von der Klage enttäuscht

Josef Glatz, der Vorsitzende des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO), zeigte sich enttäuscht. Hier zeigten sich „die Schwachpunkte im System“, sagte er. „Ein Gutes hat es. Im Januar sind die Tiere noch nicht draußen. Jetzt ist noch ein guter Zeitpunkt, um alles in Ruhe zu klären.“ Unter anderem müsse besprochen werden, wer einen solchen Wolf überhaupt schießt. „Es wird keiner zum Held werden, der das macht“, sagte Glatz, der 2016 für den AVO in der Kommission für die Entnahme des Bärs Bruno saß. Der Jäger, der den Bär letztlich erlegte, blieb bis heute zum Schutz vor Entnahmekritikern anonym.

Hans Stöckl, Geschäftsführer des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO) kann die Klagebegründung nicht verstehen: „Wir sehen den Wolf auf alle Fälle als Gefahr für die gesamte Öffentlichkeit, aber ganz besonders für die Weidetierhalter“, sagte er dem Wochenblatt. Der Wolf habe sich am und im Offenstall gezeigt. „Dem will man als Landwirt nicht begegnen. Wir sehen die Weidetierhalter hier durchaus in Gefahr“, sagte Stöckl.