Versammlung

Der Wolf bleibt ein Dauerthema

Samerberg-Almbauern
Katharina Heinz
am Montag, 18.02.2019 - 10:09

Jahresversammlung der Bezirksalmbauernschaft Samerberg

Samerberg/Lks. Rosenheim Ein aufregendes Jahr haben die Almbauern Samerberg hinter sich. Das zeigte sich bei der Almbauernversammlung im Gasthaus Duftbräu in Samerberg. Für die Almbauernschaft auch weiterhin ein Dauerthema: die drohende Gefahr für das Weidevieh durch den Wolf.

Zur Almbauernversammlung konnte der stellvertretende Bezirksalmbauer Franz Daxlberger zahlreiche Almbauern sowie die Bürgermeister der Gemeinden Nußdorf und Samerberg, Sepp Oberauer und Georg Huber, begrüßen. Letzterer sprach ein Grußwort und sicherte den Almbauern die Unterstützung der Kommune zu. „Das Thema Wolf ist noch nicht ausgestanden“, so Huber. Er hoffe, dass die Gemeinde als Ansprechpartnerin wahrgenommen werde.

Rückblick auf 2018

Der Erste Vorsitzende des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO), Georg Mair, gab einen Rückblick auf das vergangene Jahr. „Von himmelhoch Jauchzen bis todbetrübt war alles dabei“, zog er sein Fazit.
Die Witterung mit viel Schnee in den Hochlagen habe den Almbauern in die Karten gespielt. Denn das Wasser habe man in dem extremen Sommer gut gebrauchen können. „Ab April war eigentlich Hochsommer“, so Mair. Die Trockenheit habe zwar zu einigen Problemen geführt, weil manch einer mit dem Wasserfassl fahren musste. „Insgesamt war es aber teilweise ein sehr guter Almsommer“, so der Vorsitzende. Auch die Entwicklung der Almflächen, die bislang dramatisch zurück gegangen seien, sei jetzt stabil, ebenso die Auftriebszahlen. Dennoch: „Die Almen vertragen nach wie vor mehr Vieh“, betonte er.
Schöne, aber auch traurige Anlässe haben das Jahr der Almbauern geprägt. So ist mit Franz Steindlmüller ein langjähriger Vertreter des Vereins in verschiedenen Führungspositionen verstorben, dem man große Verdienste für die Almbauern zuschreiben kann. Als großen Verlust hat man auch den Tod von Werner Hohenauer vom Landwirtschaftlichen Wochenblatt empfunden, der die Almbauern laut Mair als „äußerst kompetenter Fachjournalist“ begleitet habe. Bereits 2017 war der Bezirks- almbauer Bartholomäus Mayer verstorben. Sein Amt wird seitdem von Stellvertreter Daxlberger ausgeführt.
Zu erheblicher Aufregung hatte im vergangenen Jahr auch eine Ausgabe des „Almbauern“ gesorgt. Man hatte eine Wahlwerbung für die AfD beigelegt, nachdem man auch einen Kandidaten einer anderen Partei für sich werben hatte lassen. Gleiches Recht für alle sei laut Mair der Hintergedanke gewesen, doch die Aktion wurde als politisches Statement missverstanden. Den Vorwurf eines „Rechtsrucks“ wies man zwar daraufhin deutlich zurück, zahlreiche Austritte waren aber dennoch die Folge.
Die Almbauern können auch auf zahlreiche erfreuliche Ereignisse zurückblicken. So waren die Oberbayern mit der Ausrichtung der Internationalen Almwirtschaftstagung in Garmisch beauftragt. Die drei Tage mit Vorträgen und Exkursionen waren laut Mair ein voller Erfolg. Ebenfalls ein schönes Erlebnis: die Hauptalmbegehung in Schliersee Richtung Tegernsee, auf der man sehr viele schöne Almen gesehen habe. Die große politische Beteiligung, unter anderem mit Markus Söder und Ministerin Kaniber nutzten die Almbauern, um auf die Thematik Wolf aufmerksam zu machen. Sie hatten am Wanderweg Zäune aufgestellt, um zu zeigen, wie diese die Landschaft zerschneiden und den Tourismus schädigen würden.
Neben der Düngeverordnung und der neuen Gebietskulisse war der Wolf dann auch das beherrschende Thema des Abends: „Ein Miteinander von Wolf und Weidevieh geht nicht“, so das Resümee von Mair. Die Aussichten sind für die Almbauern allerdings eher düster. Man habe sich beim bayerischen Aktionsplan Wolf, der demnächst vorgestellt wird, intensiv eingebracht, sich auch umfassend informiert. Wolfsfreie Gebiete seien darin nun aber nicht enthalten, lediglich „schützbare“ und „nicht schützbare“ Flächen.
Das Problem: Selbst ein Schutz mit Elektrozaun und Schutzhunden reiche oftmals nicht aus, um den Wolf abzuhalten. Das, so Mair, zeigten Zahlen aus Frankreich, wo die Risse trotz enormer Schutzmaßnahmen stark zunehmen würden. Damit der Wolf sie nicht überwindet oder untergräbt, müssten Zäune mit Stacheldraht versehen sein und einen halben Meter in die Erde reichen. „Das zerschneidet die Landschaft“, so Mair, sei mit dem Tourismus nicht zu vereinbaren.

Schutzhund gibt’s nicht

Ebenso der Einsatz von Weideschutzhunden: Diese müsste ausreichend aggressiv sein, um gegen den Wolf anzugehen – dürften aber keine Gefahr für Wanderer darstellen. So ein Hund müsse laut Experten aber erst gezüchtet werden. Grundsätzlich gelte: Solange der Wolf merke, dass ihm nichts passiert, werde er immer weiter gehen. „Wenn der Wolf kommt und hier Rudel bildet, sieht es so aus, als müssten wir den Leidensweg gehen“, so Mair. Es scheine so, als ob erst Tiere gerissen werden und Almbauern aufgeben müssten, bevor in der Politik jemand reagiere.
Die Neuwahlen, die auf der Tagesordnung standen, waren eher Formsache. Nach dem Tod von Bezirksalmbauer Bartholomäus Mayer galt es, diesen Posten neu zu besetzen. Einstimmig wurde der bisherige Stellvertreter Franz Daxlberger aus Kohlgrub zum Samerberger Bezirksalmbauern gewählt, sein neuer Stellvertreter wurde ebenfalls einstimmig Johann Auer aus Schweibern.