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Versammlung

Wölfe und Touristen

Grassau
Axel Effner
am Dienstag, 10.12.2019 - 09:16

Diese Themen beschäftigen die Grassauer Almbauern.

Marquartstein/Lks. Traunstein - Das Reizthema Wolf und der Umgang mit wachsendem touristischem Druck und Konflikten in den Almgebieten bildeten die Schwerpunkte bei der Versammlung der Bezirks­almbauernschaft Grassau. Bei den Neuwahlen unter der Leitung von Hans Stöckl, Geschäftsführer des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO), wurden Georg Hacher als Vorsitzender und Wolfgang Lackerschmid als stellvertretender Vorsitzender einstimmig bestätigt.

Marquartsteins Bürgermeister Andreas Scheck verwies in seinem Grußwort auf eine aktuelle Untersuchung des Ökomodells Achental mit einer Umfrage unter 22 Almbauern aus der Region. Diese wurde in Kooperation mit der Universität für Bodenkultur in Wien durchgeführt. Speziell Probleme mit der Wasserversorgung und Konflikte durch die touristische Nutzung und Freizeitsportler auf den Almen spielen darin eine wichtige Rolle.

Für einen „starken Zusammenhalt der Almbauern“ machte sich der neue AVO-Vorsitzende Sepp Glatz stark. Er beleuchtete in kritischen Worten die Themen Bürokratie, Viehtransporte und -preise, die geplante Umschichtung der Agrarsubventionen von der 1. in die 2. Säule sowie Hunde auf der Alm.

Einsatz von Schutzhunden ist problematisch

Aufschlussreiche Einblicke in den Umgang mit Wölfen gab AVO-Geschäftsführer Hans Stöckl in seinem Jahresrückblick. Er berichtete von einer Lehrfahrt des Vereins in das Calanda-Massiv im Schweizer Kanton Graubünden. In dem touristisch wenig erschlossenen Gebiet gebe es zwei Wolfsrudel. Da eine Umzäunung der Schafherden auf den Almen aufgrund der Weitläufigkeit nicht realisierbar ist, behelfen sich die Almbauern dort mit Schutzhunden. Dies verhindere zwar nicht das Reißen einzelner Tiere, aber zumindest größere Verluste. Auch Mutterkuhherden würden durch Herdenschutzhunde bewacht. Deren Anschaffung rechne sich aber nur bei größeren Herden, so Stöckl. Der Einsatz in stark besiedelten und touristisch genutzten Gebieten sei allerdings sehr problematisch.

Bezirksalmbauer Georg Hacher sprach sich dafür aus, künftige Veranstaltungen gemeinsam mit den benachbarten Almbauernvereinigungen in Ruhpolding, Schleching und Reit im Winkl zu planen, dazu Referenten für aktuelle Themen einzuladen und so mehr Interessenten anzusprechen.
Almfachberater Alfons Osenstätter vom AELF in Traunstein berichtete von „eindeutigen Wolfsspuren“ am 25. Januar im Landkreis Traunstein, die per Urinprobe nachgewiesen wurden. Als Ansprechpartner vor Ort für Betroffene und geeignete Verhaltensmaßnahmen gebe es inzwischen bayernweit 140 ehrenamtliche Experten des „Netzwerks Große Beutegreifer“.

In der Diskussion bildete – nach entsprechenden Gerichtsverfahren – die rechtliche Absicherung von Landwirten bei Zwischenfällen mit Rindern auf der Alm ein Schwerpunktthema. Stöckl verwies auf die Notwendigkeit einer Betriebshaftpflichtversicherung und riet, auch Pensionstiere zu versichern. Bergens Bürgermeister Stefan Schneider sah angesichts des „steigenden Freizeitdrucks in den Bergen“ Wanderwege über die kommunale Haftpflichtversicherung abgedeckt. Sepp Glatz riet zur Aufstellung von Warnschildern.