Bürgerentscheid

Windräder im Ebersberger Forst können kommen

Windrad
Philipp Seitz
Philipp Seitz
am Montag, 17.05.2021 - 11:51

Die Planungen für das umstrittene Projekt können nach der Abstimmung weiterverfolgt werden. Kritiker beklagen gravierende Auswirkungen.

München Am Ende war es knapp: Mit 52,74% hat sich eine knappe Mehrheit der Wahlberechtigten für die mögliche Errichtung von fünf Windrädern im Ebersberger Forst ausgesprochen. Wie der Landkreis Ebersberg mitteilte, lag die Wahlbeteiligung bei 61,89 Prozent. Landrat Robert Niedergesäß (CSU) sagte: „Ich bin froh, dass diese mehr als ein Jahrzehnt währende, zum Teil sehr emotionale Diskussion im gesamten Landkreis nun über den Bürgerentscheid zu einem basisdemokratischen Ergebnis geführt hat.“  

Wie das Landratsamt Ebersberg mitteilte, möchte die Green City AG bis zu fünf Windräder im Ebersberger Forst errichten und dabei auch die Bürger am Projekt beteiligen. Vermarktet werden soll der Strom über den regionalen Stromanbieter EBERwerk. Die so erzeugte Energie soll zur Klimaneutralität des Landkreises beitragen. Wie das Bayerische Wirtschaftsministerium informierte, werden die Windenergieanlagen im Ebersberger Forst ein Fünftel aller Haushalte im Kreis Ebersberg mit regenerativer Energie versorgen.

Die Bedenken weiter ernst nehmen

Für Dr. Willie Stiehler, Geschäftsführer der Energieagentur Ebersberg-München, ist die Entscheidung der Bürger eine deutliche Bekräftigung der Landkreisziele und der Weg in die richtige Richtung: „Bis zum Jahr 2030 will der Landkreis frei von fossilen und anderen endlichen Energieträgern sein und damit einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz leisten. Dieses Ziel lässt sich aber nur mit dem Ausbau der Windenergie im gesamten Landkreis erreichen. Die Windräder im Forst müssen jetzt zügig geplant und in den nächsten Jahren konsequent gebaut werden.“

Der BUND Naturschutz zeigte sich in einer Pressemitteilung erfreut über das Votum. Richard Mergner, Landesvorsitzender des BUND Naturschutz, sagte: „Das knappe Ergebnis ist aber auch ein Signal an die CSU für die Abschaffung der 10-H-Abstandsregel. Denn Windenergie im Wald ist ein Notnagel.“ Olaf Rautenberg, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Ebersberg, versicherte, dass der BUND Naturschutz weiter für das Projekt werben wolle: „Nicht alle waren von dem Vorhaben begeistert. Es wird die Aufgabe der nächsten Zeit sein, diese Bedenken ernst zu nehmen.“

Grüne sprechen von Stimmungstest

Bayerns Wirtschafts- und Energieminister Hubert Aiwanger (FW) gab sich erleichtert. Das Ergebnis des Bürgerentscheids wertete Aiwanger als ein „gutes Signal für den Ausbau der Windkraft in Bayern“. Aiwanger sagte: „Das Ergebnis wird neuen Projekten mit sauberer Energie einen Schub geben.“

Das schrieb Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger auf seiner Facebook-Seite:

Thomas von Sarnowski, der Landesvorsitzende der Grünen in Bayern, schrieb auf seiner Facebook-Seite: „Der Bürgerentscheid in Ebersberg ist ein Stimmungstest mit Signalwirkung für ganz Bayern – und das Ergebnis ist klar: Die Bevölkerung ist viel weiter als die Söder-Regierung, die sich an ihre 10H-Regel klammert und Windkraft blockiert.“

So äußerte sich Grünen-Landesvorsitzender Thomas von Sarnowski:

Doch das Projekt ist umstritten. Kritiker des Projektes sprechen hingegen von gravierenden Eingriffen in das Ökosystem. Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) Ebersberg schreibt etwa, dass die Windräder im Forst weitreichende Auswirkungen auf die Vorkommen von Vogel- und Fledermausarten in einem besonders sensiblen Lebensräum hätten. Wirksame Maßnahmen, die Risiken zu minimieren oder Schäden zu kompensieren, seien aus Sicht des LBV bisher nicht aufgezeigt worden.