Oberbayern

Die Wildschweine graben die ganze Wiese um

Wildschwein-Herbst_B
Ludwig Holly
am Freitag, 09.10.2020 - 14:39

Wildschweine sind im Gerede wegen ASP. Doch schon vorher haben die Schwarzkittel erhebliche Schäden angerichtet. Und jeder weiß: Das geht so weiter. Wenn man nichts dagegen unternimmt.

Am Hof der Familie Grasberger in Zellwies bei Königsdorf hat heuer Anfang April eine Wildschweinrotte mit 20 bis 30 Tieren über Nacht auf der hofnahen Wiese auf einer Fläche von rund zwei Hektar beträchtlichen Schaden angerichtet. Jetzt gab es auf ihrem Hof ein Treffen der Initiative „Runder Tisch Jagd“ im nördlichen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Waren und sind Rehwild-Verbissschäden meistens das zentrale Thema auf den Versammlungen, so rücken jetzt auch zunehmend Schwarzwildschäden in den Fokus. Und so wurden bei der Herbstveranstaltung unter dem Thema „Schäden durch Schwarzwild vermeiden und beseitigen“ die wichtigsten Maßnahmen besprochen und diskutiert sowie Erfahrungen ausgetauscht.

Anhand zahlreicher Fotos zeigten die betroffenen Landwirte Franz und Lorenz Grasberger, Vater und Sohn, den Teilnehmern, darunter Johann Killer, Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung (WBV) Wolfratshausen, wie sie ihr Grünland eines Morgens vorfanden.

Bisher hat die Mistgabel gereicht

In der Vergangenheit hatten die Königsdorfer Landwirte auch schon kleinere Schäden, die sie aber immer mit der Mistgabel wieder beseitigen konnten. Doch beim letzten Mal war beträchtlich mehr Aufwand notwendig. Die Schwarzkittel seien besonders scharf auf tierisches Eiweiß wie Engerlinge im Boden, die es in großer Zahl offensichtlich auf der Wiese der Grasbergers gab. „Wenn sie etwas riechen, dann machen sie alles platt. Die graben um, das ist einfach wahnsinnig“, berichtete der 1. Vorsitzende der Jagdgenossenschaft Königsdorf, Hans Hartl.

Die Jagdgenossenschaft war auch der Auftraggeber für die Wiederherstellung der Grünlandfläche. „Wir haben einen Tag lang die herausgerissenen Wiesenstücke von Hand zurückgelegt“, berichtete Lorenz Grasberger, bevor dann durch zweifaches Überfahren mit einer Kreiselegge in Kombination mit einer Scheibenschar-Sämaschine die Fläche eingeebnet und eingesät wurde.

Diesmal ist es teuer geworden

Insgesamt 750 Euro kostete das Sanieren der Fläche, wobei die Kosten für das Saatgut einen beträchtlichen Anteil einnahm. Verwendet wurde die sogenannte „Miesbacher Mischung“ in einer Saatstärke von 25 bis 30 kg/ha.

Die Kosten muss grundsätzlich die Jagdgenossenschaft tragen, die aber im Pachtvertrag diese an den Jagdpächter teilweise oder ganz abwälzen kann. In jedem Fall verbleibt ein hohes Risiko für die Jagdgenossenschaft und den Jagdpächter. Das Schadensrisiko ist mancherorts so groß, dass kaum noch Jagdpächter gefunden werden.

Gegenwehr von Beginn an

Ausführlich diskutiert wurden Möglichkeiten, wie man dieser Plage am besten Herr werden könnte. „Die Sauen müssen sofort bei erster Sichtung bekämpft werden, denn wenn die Rotte erst einmal da ist, dann wird es schwierig“, erklärte Josef Brunner, Kreisgruppenleiter des Jagdverbandes Wolfratshausen.

Walter Schlör, erster Jagdvorstand von Kirchbichl, schlug den Einsatz von Saufängen vor, die aber einige Teilnehmer wegen der Meinung der Öffentlichkeit als problematisch ansehen. Doch das Erlegen der Tiere ist recht schwierig, weil sie sich tagsüber in den unzugänglichen Hochmooren (altbayerisch „Filze“) rund um Königsdorf aufhalten und erst in der Nacht auf die Felder und Wiesen kommen.

Als Maßnahmen und Jagdmethoden wurden etwa revierübergreifende Treibjagden und Kirrung abseits der Grünlandflächen diskutiert. Weiter der Einsatz von Wildkameras und Nachtsichtgeräten.

„Ein Patentrezept für das Erlegen des Schwarzwilds gibt es nicht, es ist die Summe der Maßnahmen, die den Erfolg bringt“, sagte Killer diplomatisch.

„Wenn sie etwas riechen, dann machen sie alles platt. Die graben um, das ist einfach wahnsinnig.“