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Schafsrisse

Wildernde Hunde im Ammergebirge

Barbara Höfler
am Donnerstag, 01.09.2022 - 15:00

Weidetierhalter sind skeptisch und gaben selbst Proben in Auftrag. Die Ergebnisse werden Ende der Woche erwartet.

Hund

Wie das Landesamt für Umwelt (LfU) mitgeteilt hat, sollen ein oder mehrere Hunde Verursacher der Risse zahlreicher Schafe in Garmisch und Farchant gewesen sein (das Wochenblatt berichtete). DNA-Analysen des eingesandten Probenmaterials haben demnach sowohl für den Riss am 5. Juli als auch für die Risse vom Wochenende 12./13. August und am 17. August einen Hund identifiziert.

Bei drei der vier Rissproben vom 17. August sei außerdem „von zwei verschiedenen Individuen auszugehen“, also von zwei Hunden. Das Ergebnis der vierten Probe war nicht eindeutig und werde tiefer untersucht. Ausstehend ist noch das Ergebnis vom Riss am 21. August auf der Friederalm im selben Gebiet.

Unter den Weidetierhaltern herrscht mehr Misstrauen als Erleichterung über diese Nachrichten. Ob es wirklich Hunde waren oder doch die jungen Wölfe aus dem benachbarten Tirol, sollen Kontrollproben der Risse zeigen, die die Weidetierhalter bei einem alternativen Forensik-Institut beauftragt haben.

Laut AVO-Vorsitzendem Sepp Glatz sollten die Ergebnisse Ende der Woche vorliegen. Wildernde Hunde sind in jedem Fall weit weniger geschützt als Nutztiere tötende Wölfe. Art. 42 Abs. 1 Bayerisches Jagdgesetz sieht vor, dass zur Ausübung des Jagdschutzes berechtigte Personen wie Revierinhaber wildernde Hunde unter bestimmten Umständen töten dürfen.

Bislang blieb unklar, was die LfU-Ergebnisse jetzt konkret für das Ammergebirge bedeuten.

Die Risse im Juli und August hatten im Ammergebirge dazu geführt, dass die Weidegenossenschaften im Werdenfelser Land ihre Schafe frühzeitig von den Almen trieben. Leere Schafalmen seien „ein riesen-wirtschaftlicher Schaden“, sagte Martin Bartl, Vorsitzender des Landesverbandes Bayerischer Schafhalter dem Wochenblatt.

7,5 % der 6300 Schafhalter Bayerns befänden sich hier im Landkreis Garmisch-Partenkirchen, dem schafreichsten im ganzen Freistaat. In Südtirol sei die Zahl der Schafhalter um 30 bis 50 % eingebrochen, „weil die Almen nicht mehr sicher sind“. Die Entwicklung sieht Bartl „wirklich schmerzlich“ auch auf Garmisch zukommen.