Artenvielfalt

Wildbienen in der Domstadt

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Interview: TU München
am Donnerstag, 02.07.2020 - 10:26

Erste Forschungsergebnisse von Julie Weissmann von der TU München.

TUM: Welches sind die zentralen Erkenntnisse Ihres Projekts?
Weissmann: Zum einen haben wir festgestellt, dass Städte zum Schutz spezialisierter Wildbienenarten beitragen können. Neue Blühflächen für besondere Arten wurden bereits im Jahr der Pflanzung besiedelt. Wildbienengemeinschaften an Obstgewächsen von Apfel bis Zwetschge machen oft mehr als die Hälfte der Blütenbesuche aus und bestehen aus Arten mit verschiedensten Lebensraumansprüchen – das reicht von sozial lebenden Hummeln über bodennistende und kommunal lebende Sand- und Schmalbienen bis zu den stängelnistenden Maskenbienen und hohlraumnistenden Mauerbienen.
TUM: Gab es Überraschendes?
Weissmann: Wir konnten 152 Wildbienenarten für Freising nachweisen, darunter unerwartete Arten wie die Efeu-Seidenbiene und die Blauschwarze Holzbiene. Beide Arten verbreiten sich aktuell Richtung Norden und finden sich auch aufgrund des wärmeren Mikroklimas verhältnismäßig häufig in Städten. Von nur drei Meldungen der Blauschwarzen Holzbiene im Rahmen unserer Mitmach-Aktion stammt eine von einem Grundschulkind im Rahmen einer der von uns angebotenen Exkursionen – jeder kann einen Beitrag zur Wildbienenforschung leisten.
TUM: Es gibt rund 585 in Deutschland beheimatete Wildbienenarten. Hat Freising nun eher viele oder eher wenige Bienenarten für eine Stadt dieser Größe?
Weissmann: Der aktuelle Stand unserer Auswertungen mit bisher rund 150 Arten auf dem Isardamm, Brachflächen, Streuobstwiesen und in Privatgärten in der Stadt weist darauf hin, dass sich in Freising – ähnlich wie in anderen Städten – durchaus artenreiche Standorte finden, die auch zum Teil seltenen und gefährdeten Arten einen Lebensraum bieten.
TUM: Sind diese Ergebnisse auch auf einen anderen Kontext übertragbar?
Weissmann: Unsere Untersuchungen zeigen konkrete Beispiele für das Potenzial von Städten für den gezielten Schutz gefährdeter Arten auf, die auch für andere Städte von Relevanz sein können.
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