Wiesenmeisterschaft

Wo der Wiesenbocksbart gedeiht

Wiesenmeisterschaft 2021
Barbara Höfler
am Montag, 25.10.2021 - 08:35

Beim Wiesenwettbewerb wird die arten- und blumenreichste landwirtschaftlich genutzte Wiese gesucht. Gefunden wurde sie im Landkreis Mühldorf am Inn.

Neumarkt-Sankt Veit/Lks. Mühldorf am Inn Es stand in den Lokalzeitungen, kam im Radio und sogar im Fernsehen. „Es ist der Wahnsinn“, sagt Maria Kurz. So viel Resonanz haben die Bäuerin und Ehemann Georg nicht erwartet, aber verdient: Die beiden sind offiziell „Wiesenmeister 2021“. Den Titel erhielten sie feierlich in Fichtners Kulturladen in Ramsau.

Wiesenmeisterschaft 2021 Mühldorf Gruppenbild

Beim Wiesenwettbewerb, den der Bund Naturschutz und die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) jedes Jahr in einer anderen Region veranstalten, wird die arten- und blumenreichste landwirtschaftlich genutzte Wiese gesucht. Gefunden wurde sie diesmal im Landkreis Mühldorf am Inn unter 27 Bewerbern bei Maria und Georg Kurz aus Hungeröd bei Neumarkt-St. Veit.

Auch weil die langjährig gepachtete Wiese weiter weg vom Hof liegt, haben die beiden sie schon viele Jahren nur sparsam gemäht. „Meistens erst Mitte Juni“, erzählt Maria Kurz. In der Folge verwandelt sich die Glatthaferwiese jedes Jahr im Frühsommer in ein Blütenmeer. Bei ihrem Besuch fand die Jury die Wiese auf 4 ha „komplett mit einem bunten Teppich an Wiesenblumen von den violetten Glocken- und Wiesenflockenblumen über die Wiesenmargerite bis zu Wiesenbocksbart überzogen“. Auch Trollblumen wurden gesichtet, heißt es in der Jury-Begründung.

Bauer mit Herz und Seele

Nach der Mahd bekommt die Milchviehaufzucht den Aufwuchs. Sicher auch ein preisverdächtiges Raufutter. „Das Heu riecht wie in den Alpen“, sagt Georg Kurz. Als 1. Preis überreichten dem Ehepaar die stellvertretende Landesvorsitzende des Bund Naturschutz Beate Rutkowski und LfL-Präsident Stephan Sedlmayer einen Urlaubsgutschein für ein Biohotel. Dass sie miteinander in den Urlaub fahren werden, „auch wenn wir den Preis nicht gewinnen“, hat Georg Kurz seiner Frau aber schon beim Ausfüllen der Bewerbungsunterlagen versprochen. Es wird der erste Urlaub in 51 Jahren. „Bauer ist man halt mit Herz und Seele, rund um die Uhr“, sagt er.

Den 2. Platz machten Josefine und Matthias Reißaus, die in Oberneukirchen im Vollerwerb einen Mutterkuhbetrieb mit Murnau-Werdenfelser und Wasserbüffel führen und deren „seggenreiche Nasswiese mit (Bach-)Hochstaudenflur“ die Jury beeindruckt hat. Der 3. Platz ging an Milchbauer Sebastian Sonner aus Reichertsheim, der einen Steilhang in Handarbeit mäht, heute die Heimat zahlreicher Wiesenblumen.

Der Wettbewerb möchte die Leistungen engagierter Landwirte für den Erhalt artenreicher Wiesen und Weiden würdigen. Kriterien dabei sind Artenvielfalt, Kulturlandschaftswert, Futterertrag und das landwirtschaftliche Nutzungskonzept.