Rinderzucht

Zu wenig Stückzahlen

Alois Albrecht
am Mittwoch, 26.02.2020 - 09:47

Rinderzuchtverband informiert Mitglieder: Gegenwärtige Marktsituation erlaubt es nicht, in Traunstein einen wöchentlichen Markt durchzuführen.

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Traunstein - Im Abstand von einer Woche hielt der Rinderzuchtverband Traunstein Versammlungen in Feldkirchen und Teisendorf, um seine Mitglieder über die Geschehnisse des vergangenen Jahres zu unterrichten. Während sich dabei in Feldkirchen eine recht lebhafte Diskussion über den zeitlichen Abstand der Kälbervermarktung entwickelte, war davon in Teisendorf kaum die Rede.

In Feldkirchen bemängelten einige der Züchter den zeitlichen Abstand der alle zwei Wochen stattfindenden Abholung der Kälber, um sie zum Markt zu bringen. Seit dem durch die Schneelast verursachten Kollaps des Daches der Chiemgauhalle in Traunstein vor fast genau einem Jahr ist der Betrieb der Kälber- und Rindervermarktung für eine Weile etwas aus den Fugen geraten. Der Verband habe, unter diesen Umständen, allerdings das Beste daraus gemacht und trotzdem bald wieder einen geordneten Ablauf sichergestellt beteuerte Zuchtverband Verwalter Bernhard Reiter.
Begrüßt wurden die Mitglieder bei der Versammlung in Feldkirchen von einem Beiratsmitglied des Verbandes, Franz Gumpinger. In Teisendorf oblagen die Begrüßungen dem Beiratsmitglied, Christian Warislohner. Während in Feldkirchen insbesondere Zuchtleiter Dr. Rudolf Maierhofer begrüßt wurde, konnten in Teisendorf sowohl Maierhofer, als auch der Vorsitzende des Verbandes, Hubert Hartl und der 2. Bürgermeister von Teisendorf, Norbert Schader willkommen geheißen werden.
Im Kassenbericht gab in Feldkirchen Zuchtverband Verwalter Bernhard Reiter Auskunft über die finanzielle Lage des Verbandes. In Teisendorf tat dies der Vorsitzende, Hubert Hartl. Beide beteuerten, die Lage des Verbandes sei insgesamt gut. Allerdings seien durch die Sanierung der dem Verband gehörenden Rechenbergalm und die Planungskosten für eine neue Halle die Finanzen des Verbandes ungewöhnlich strapaziert worden.
Bei beiden Versammlungen berichtete Zuchtverband Verwalter Bernhard Reiter über die Geschäfte des Verbandes. Der Preis für Kälber sei in etwa stabil geblieben im vergangenen Jahr, ließ Reiter wissen. Die gegenwärtige Marktsituation erlaube es aber nicht, in Traunstein jede Woche einen Markt stattfinden zu lassen. Wenn nicht genügend Stückzahlen auf den Markt kämen, lohne es sich halt nicht für Händler von weit her zum Markt zu kommen, wenn weniger als 500 Kälber bei den wöchentlichen Auktionen im Angebot seien. Die hiesigen Züchter lägen aber gut im Rennen mit ihren Kälbern und Rindern und erzielten damit unter den gegebenen Umständen sehr akzeptable Preise. In Bayern seien sie sogar kontinuierlich unter den Besten. Das hier verbreitet gezüchtete Fleckvieh sei sehr gefragt und zähle in optimaler Weise, sowohl in der Fleisch- als auch der Milchproduktion zu den besten Rassen. Reiter meinte es solle deshalb daran festgehalten und weiterhin als dominante Rasse in unserer Gegend gezüchtet werden.
Kritisiert wurde sowohl von manchen Bauern als auch Reiter, dass neuerdings einige der Mitglieder ihre Tiere über andere Kanäle, außerhalb des Zuchtverbandes, auf den Markt brächten. „Wir müssen absolut zusammenhalten, um auf dem Markt zu bestehen“, meinten sie. Die Mitglieder müssten sich, trotz der guten Eigenschaften des Fleckviehs, entscheiden, ob sie ihre Kälber in erster Linie für die Verwertung in der Fleisch-, oder der Milchproduktion gebrauchen würden.
Reiter bezeichnete die Abläufe der hier gehaltenen Märkte als gut, trotz des durch den Hallendacheinsturz bedingten, einsteiligen Provisoriums. Als besonderes Service werde zudem das vom Verband durchgeführte Putzen, Abholen und Vorführen des Großviehs angeboten.
Zum Bau einer neuen Halle meinte Reiter, diese sei in der Planung. Vom Verband sei auch schon ein geeigneter Platz dafür gefunden worden. Leider bestünden dazu aber derzeit Bedenken von Einigen der an den Bauplatz angrenzenden Bewohner. Der Verband wolle daher mit weiteren Verhandlungen abwarten, um eventuell die Pläne zu aktualisieren zu können. Er sei aber sicher, es lasse sich ein geeigneter Standort finden und Probleme ließen sich dann, zur Zufriedenheit Aller aus dem Weg räumen.
Im weiteren Verlauf der Versammlungen berichtete der Zuchtwart des Verbandes, Dr. Rudolf Maierhofer, über die genetischen Eigenschaften mehrerer Zuchtbullen. So wurde „Haribo“ erwähnt und weitere waren „Veltliner“, „Mercedes“, „Maybach“, „Volksbank“ und sogar ein „Messias“ war dabei. Maierhofer betonte in seinen Ausführungen, es gebe keinen perfekten Bullen, oder ein perfektes Rind. Lediglich nach Präferenzen, Vor- und Nachteile betreffend, könnten Rinder gezüchtet werden. Allerdings seien schon Fortschritte gemacht worden bei der Verminderung der genetischen Besonderheiten, sagte Maierhofer. Zudem betonte er, über den Jahresverlauf seien am Markt sehr gute Preise zu erzielen. Im Allgemeinen gebe es aber bei einer Versteigerung keine Mischkalkulation, wie es beim Viehhandel üblich sei. Die Preise in der Region meinte Maierhofer, würden ohnehin durch die allgemeinen Preise auf den Kälbermärkten bestimmt. Insgesamt seien die Bauern mit ihrer Zugehörigkeit zum Verband Traunstein aber „gut bedient“.
Bernhard Reiter meinte abschließend, Ziel des Verbandes sei es, den bestmöglichen Service zu bieten und Stückzahlen zu steigern um Krisen überwinden zu können. Die Mitglieder seien in der Vergangenheit zum Verband gestanden und er hoffe sie würden das auch in Zukunft tun. Nur so könne der Verband bestehen und schwierige Zeiten überwinden.