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Streit um Entnahme

Weiterer Eilantrag gegen Wolfsabschuss

Canis Iupus
Philipp Seitz
am Donnerstag, 20.01.2022 - 14:42

Wie lange darf noch in Oberbayern auf den Wolf geschossen werden? Die Zahl der Eilanträge gegen den freigegebenen Abschuss wächst.

München - In Oberbayern darf derzeit auf einen Problemwolf geschossen werden. Das regelt eine Allgemeinverfügung. Wie lange diese aber Bestand hat ist unklar, denn mehrere Organisationen nehmen die Abschussgenehmigung unter Beschuss. Zwischenzeitlich seien insgesamt zwei Eilanträge mit den dazugehörenden Klagen eingegangen. Die Eilanträge gestellt haben der Bund Naturschutz und die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe. Das teilte das Bayerische Verwaltungsgericht in München dem Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt mit.

Die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe begründete den eingereichten Eilantrag auf der Vereinshomepage damit, dass der zum Abschuss freigegebene Wolf seit dem 20. Dezember 2021 nicht mehr gesichtet worden sei. Damit seien ihm auch keine weiteren Schadensereignisse oder Annäherungen an Siedlungen zugeordnet worden. Die Prognose, dass eine Gefährdung von Menschen durch diesen Wolf wahrscheinlich ist, sei damit "die tatsächliche Grundlage entzogen", schreibt die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe. Ob sich der Wolf überhaupt noch im Geltungsbereich der Allgemeinverfügung aufhalte, sei laut dem Verein "mindestens zweifelhaft".

Gleichzeitig führe die Allgemeinverfügung laut der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe aber dazu, "dass die Gefahr, dass andere Wölfe irrtümlich geschossen werden, zunimmt". In der Allgemeinverfügung stelle die Regierung von Oberbayern selbst fest, schreibt der Verein, dass der Wolf, für den die Allgemeinverfügung gilt, nicht eindeutig identifiziert werden könne. Die Allgemeinverfügung habe damit zur Konsequenz, dass jeder Wolf im Geltungsbereich der Allgemeinverfügung, der von Jagdausübungsberechtigten oder ihnen gleichgestellten Personen gesehen werde, abgeschossen werden könne.

Der Bayerische Bauernverband übte gestern bereits Kritik am Eilantrag des Bund Naturschutzes. Dem Wochenblatt sagte Stefan Köhler, Umweltpräsident des Bayerischen Bauernverbandes: „Mit dem Eilantrag gegen die Entnahme zeigt der Bund Naturschutz, dass er mit der Arbeit der Expertenkommission nicht einverstanden ist. Die vom LfU eingesetzte neutrale Kommission bewertet alle Umstände um die Ereignisse in Südostoberbayern wie Sichtungen oder Risse und kommt dann zu einer Meinung. Diese sollte man akzeptieren und nicht reflexartig beklagen, nur weil es nicht der eigenen Meinung gerecht wird. Mit dieser Klage zeigt der BN, dass er das vorgeschriebene Prozedere des Aktionsplanes Wolf leider nicht akzeptiert und lieber die Gerichte bemüht.“

Die Allgemeinverfügung regelt, wer auf den Wolf schießen darf. Hierzu schreibt die Regierung von Oberbayern: „Zur Entnahme des Wolfes sind nur die im Geltungsbereich der Allgemeinverfügung Jagdausübungsberechtigten und die in diesen Revieren tätigen Forstbediensteten mit Jagdschein, Berufsjäger und Begehungsscheininhaber berechtigt. Um bestmöglich zu gewährleisten, dass tatsächlich der Wolf mit dem Code GW2425m entnommen wird, werden im Fall einer Erlegung eines Wolfs oder eines Totfundes alle Berechtigten umgehend durch das örtliche Landratsamt informiert.“ Weitere Schüsse auf Wölfe seien dann unzulässig, bis eine genetische Überprüfung zweifelsfrei geklärt hat, ob es sich bei dem geschossenen oder gefundenen Tier auch tatsächlich um den Wolf mit der genetischen Kennzeichnung GW2425m handelt.