Versammlung

Der Wald zeigt, ob die Jagd stimmt

ARGE-Jagd-RO_sas
Martina Fischer
am Montag, 09.03.2020 - 14:09

Die Rosenheimer Jagdgenossen sind zufrieden, wie mit den Jägern kooperiert wird.

Westerndorf-St. Peter/Lks. Rosenheim - Eine traditionell unaufgeregte Jahreshauptversammlung erlebte die BBV-Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften im Landkreis Rosenheim. In der Region ist alles weitgehend im Lot.

„Wir haben keine dauerhaft roten Gebiete“, ist ARGE-Vorsitzender Engelbert Fuchs zufrieden. Dabei bezeichnete er die Jagd als unheimlich komplexes Thema. Da aktuell viele Baumarten ausfallen würden, käme es umso mehr darauf an, den Wildbestand auf das richtige Maß zu beschränken.

Er dankte den Jagdvorständen für ihr ehrenamtliches Engagement. „Es ist wichtig, dass wir das in bäuerlicher Hand behalten und das Gesetz ist auf unserer Seite“, sagte Fuchs. Der Wald selbst zeige, ob die Jagd stimme. Das Ziel müsse sein, dass „die Jäger mit den Flächen zufrieden sind und wir mit dem Wald“. Im Kreis Rosenheim laufe es hierbei recht gut.

Verantwortung für die nächsten Generationen

Auch der stellvertretende Landrat Josef Huber konnte „nichts Gravierendes“ monieren. Das Thema „Wald vor Wild“ sei eine Gratwanderung. „Es ist wichtig, dass wir den Wald aufbringen. Wir sind es aber auch den nachfolgenden Generationen schuldig, dass man hin und wieder Wild sieht“, fand Huber. Dabei appellierte er an die Jagdgenossen, in Kooperation mit den Jägern zu bleiben. Diese dürfe man auch nicht überfordern.
Der Waldumbau sei nur zusammen mit den Jägern möglich, war auch der Landtagsabgeordnete Otto Lederer überzeugt. Dabei sah er das „Rosenheimer Modell“ als nach wie vor zukunftsträchtig an – mit einer Schadensregulierung per Pauschalen und gemeinsamem Fokus auf Prävention. „Wald vor Wild“ sei gesetzlich festgelegt mit dem Ziel einer Verjüngung auch ohne Schutz. „Der Waldbesitzer muss den Aufwuchs bestimmen, nicht das Wild“, meinte Lederer. Letzteres habe aber auch seinen Platz. Das Zukunftsziel müssten „Klimawälder“ sein. Dabei könne es jedoch sein, dass die Naturverjüngung nicht ausreiche, sondern spezielle Pflanzungen spezifischer Arten nötig seien und man auch auf Schutzmaßnahmen nicht vollständig verzichten könne.
Für den Waldumbau sind heuer 80 Mio. € an neuen Förderungen eingeplant. „Ich halte das für einen großen Wurf“, befand Forstamtsleiter Marius Benner. Dabei verwies Benner auf Prämien mit 1200 €/ha, Stückzahlungen pro Pflanze von bis zu 3,20 € oder Förderungen für Nistkästen á 20 €.

Schwarzwild ist und bleibt ein Thema

Andreas Oeckl von der Unteren Jagdbehörde informierte zum Hauptthema der vergangenen Jahre: dem Schwarzwild. Obwohl die Jäger hier sehr engagiert seien, würden es immer mehr Sauen. Und das trotz mehr Abschüssen. Im Jahr 2019 seien dies 75 gewesen. Heuer bereits über 100.

Mittlerweile habe es 25 Genehmigungen für die Jagd mit Nachtsichttechnik gegeben. „Aber das ist nicht das Alleinheilmittel“, mahnte Oeckl an. „Dahinter bleiben“ heiße die Devise, zumal die Afrikanische Schweinepest nur noch wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt sei.
Bei der abschließenden Diskussion ging es um Biberschutz versus Vogelschutz, den Vorschlag Jagdpachtverträge nur mehr auf kürzere Zeiten zu beschränken oder gar auf eine Eigenbewirtschaftung umzustellen sowie den Waldumbau mit neuen Baumarten. Benners mahnende Worte zu Letzterem: „Wir stehen nicht mehr vor der Wahl Geld zu verdienen, sondern vor der Frage: Steht da nachher noch irgendetwas?“

Jagdvorsteher für ihr Engagement geehrt

Bei der Versammlung wurden auch wieder langgediente Jagdvorsteher für ihr Engagement geehrt: Thomas Fischbacher (27 Jahre, Jagdgenossenschaft Raubling), Josef Ruhsamer (15 Jahre, Söllhuben), Georg Sachsenhammer (15 Jahre, Kirchensur), Georg Huber (12 Jahre, Hohenthann), Ludwig Käsweber (11 Jahre, Ramerberg) und Josef Zunhammer (11 Jahre, Halfing).