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WBV Laufen-Berchtesgaden

Den Wald „vernünftig managen“

Den Wald im Griff: (v. l.) Wolfgang Madl (AELF Traunstein), Randolf Schirmer (Amt für Waldgenetik) und WBV-Vorsitzender Franz Käsmeier.
Monika Konnert
am Freitag, 12.08.2022 - 07:12

Michaela Kaniber beim WBV Laufen-Berchtesgaden: Forstministerin kritisiert Green Deal und lobt die Waldbesitzer.

Otting/Lks. Traunstein Stilllegung eines Drittels der Waldfläche? Nicht mit Michaela Kaniber. Was die EU mit ihrem Green Deal fordert, nämlich die Nichtbewirtschaftung einer Waldfläche vom Umfang des kompletten bayerischen Staatswaldes, lehnte die Forstministerin bei der Jahreshauptversammlung der Waldbesitzervereinigung Laufen-Berchtesgaden rundheraus ab.

Zum Wirt nach Otting war Kaniber spontan gekommen, weil sie in ihrem Heimatwahlkreis noch einen anderen Termin hatte. Sie dankte den Waldbesitzern für ihre Arbeit. „Wir wollen dem Klimawandel die Stirn bieten“, sagte sie, „aber nicht mit dreißig Prozent stillgelegter Wälder, sondern mit Waldbesitzern, die ihre Wälder vernünftig und richtig managen“. Der Applaus zeigte, dass die Anwesenden diese Aussage teilen.

Waldumbau als Hauptthema

Zum Thema Klimawandel und Waldumbau referierte anschließend Randolf Schirmer, stellvertretender Leiter des Amtes für Waldgenetik in Teisendorf. Er empfahl die Pflanzung heimischer trockentoleranter Baumarten wie Traubeneiche, Elsbeere oder Speierling sowie die Zumischung bewährter nicht-heimischer Baumarten wie Douglasie, Schwarzkiefer und Roteiche. Weitere nicht-heimische Baumarten wie Zedern und Baumhasel werden laut Schirmer zur Zeit in Praxisanbauten getestet. Insbesondere die Beschaffung von herkunftsgesichertem Saatgut stellt dabei eine Herausforderung dar.

Die WBV um ihren Vorsitzenden Franz Käsmeier verwaltetete 2021 eine Fläche von 15 157 ha Wald. Laut Geschäftsführer Tobias Glück kamen insbesondere durch die Bundeswaldprämie, eine einmalige Förderung von Waldbesitzern, 50 neue Mitglieder zu aktuell 2173 Mitgliedern dazu. Insgesamt wurden rund 25 000 fm Holz vermarktet, davon 17 728 fm Nadelholz, 1873 fm Laubholz und rund 5400 fm Hackschnitzel. Gegenüber dem Vorjahr ist das eine Steigerung von rund 3000 fm.

Bizarr: Weniger Förderung wegen Erfolg

Die Steigerung der Fläche führt allerdings zu einer bizarren Situation: Der WBV wird die Förderung für die Holzprämie gekürzt, weil sie für die stark angewachsene Fläche zu wenig Holz vermarktet. Ziel ist es jetzt, schwerzugängliche und daher nicht bewirtschaftete Flächen vor allem in den Gebirgsgegenden aus der Statistik zu nehmen, da dort kein Holz vermarktet werden kann. So soll die volle Förderung wieder erreicht werden.

Glück berichtete weiter über die erfolgreiche Submission in 2021, auf der die Braut, eine Eiche, erstmals aus dem Bereich der WBV Laufen-Berchtesgaden kam. Insgesamt habe man 178 Pflanzenbestellungen getätigt mit insgesamt 58 000 Pflanzen. Für die Zukunft setzt die Vereinigung sich zum Ziel, die Motorsägenkurse wieder verstärkt anzubieten, die Technisierung bei der Holzaufnahme durch Digitalisierung voranzutreiben und die Zahl der Waldbegänge zu steigern. Tobias Glück bedankte sich bei den für die WBV zuständigen Revierförstern vom AELF Traunstein und bei den elf Waldwarten als „Ansprechpartner vor Ort“, die vor allem mit der Holz-Akquise beauftragt sind.