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Im Wald muss langfristig gedacht werden

Wolfs-Quartett
Dietmar Fund
am Donnerstag, 03.06.2021 - 11:56

Der BBV Mühldorf sucht das Gespräch mit der FDP-Bundestagsabgeordneten Sandra Bubendorfer-Licht und mit Sägewerk-Gesellschafterin Ingrid Obermeier-Osl.

Mühldorf am Inn Auch die privaten Waldbesitzer müssen sich auf den Klimawandel einstellen und die richtigen Baumsorten für die Zukunft auswählen. Für deren Aufzucht brauchen sie die Unterstützung der Jäger gegen den Wildverbiss. Von den anziehenden Holzpreisen infolge der im Frühjahr stark gestiegenen Nachfrage aus den USA und aus China haben sie bislang noch nicht profitiert. Die zum Schutz gegen einen Preisverfall eingeführte Einschlagsbeschränkung für Fichtenholz könnte für sie nachteilig sein.

Diese Themen griffen der Mühldorfer BBV-Kreisobmann Ulrich Niederschweiberer, sein Stellvertreter Gerhard Langreiter und Kreisbäuerin Anna Senftl bei einem Fachgespräch auf. Sie suchten politische Unterstützung bei der FDP-Bundestagsabgeordneten Sandra Bubendorfer-Licht und bei Ingrid Obermeier-Osl, der Vorsitzenden des IHK-Regionalausschusses Altötting-Mühldorf und Vizepräsidentin der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern. Gastgeber Gerhard Langreiter begrüßte die Gäste an seinem Ferkelerzeugerbetrieb.

Wie die Waldbesitzer sich gegen Klimawandel rüsten

Er zeigte ihnen, wie er sich als Besitzer von 7,5 ha Wald auf den Klimawandel einstellt und wie bei ihm Tannenspitzen abgefressen werden. Dagegen wappnet er sich mit Zäunen und mit Schutzmanschetten. Ulrich Niederschweiberer hingegen lehnt Zäune ab, umwickelt Triebe mit Schafwolle und setzt auf eine Zusammenarbeit mit Jägern in Verbindung mit der Wildlenkung durch Zwischenfrüchte.

Schutzmanschette

Beide baten die Bundestagsabgeordnete, einen Wunsch nach Berlin zu übermitteln: Das noch nicht verabschiedete Bundesjagdgesetz solle eine Länder-Öffnungsklausel enthalten. Sie würde es den Ländern erlauben, den heute nur beratenden Jagdbeiräten, die eine Art Runder Tisch mit allen Beteiligten seien, eine Entscheidungsbefugnis zu verleihen.

Der zweite politische Wunsch betraf die Einschlagsbeschränkung für Fichtenholz, die noch bis Oktober 2021 gilt. Gerhard Langreiter sagte zwar, sie treffe die privaten Waldbesitzer eher nicht, weil deren Holzeinschlag schon vor dem Inkrafttreten beendet gewesen sei und bei ihnen der nächste Einschlag frühestens im September anstehe. Ingrid Obermeier-Osl sagte, die Einschlagsbeschränkung müsse generell überarbeitet werden. Ulrich Niederschweiberer formulierte als Wunsch des BBV, der Staat solle gar nicht mehr eingreifen. Er kritisierte, dass politische Maßnahmen oft nur für fünf Jahre konzipiert würden, während die Forstwirtschaft in Zeiträumen von 150 Jahren denke.

Waldumbau aus Sicht der Holzverarbeiter

Bewusst hatten die Kreisobmänner Ingrid Obermeier-Osl auch wegen ihrer Funktion als geschäftsführende Gesellschafterin der Franz Obermeier GmbH eingeladen, um den Waldumbau auch aus der Sicht eines holzverarbeitenden Betriebs zu besprechen. Gerhard Langreiter berichtete von Tannen, Kiefern, Douglasien, Esskastanien, Elsbeeren und Wildkirschen, mit denen er einen Mischwald schaffen möchte. Exoten pflanze er, weil die Schreiner sie bräuchten. „Auf Nadelholz spezialisierte Sägewerke können mit Elsbeere und Buche wenig anfangen“, entgegnete Ingrid Obermeier-Osl. „Die Bau-Buche hat sich noch nicht durchgesetzt.“
Ihr Sägewerk in Schwindegg ist auf Laubhölzer spezialisiert, stellt aber am zweiten Standort in Babensham auch Paletten für Abnehmer aus der Region her. Die werden bislang fast nur aus Fichtenholz gefertigt. Weil aber dessen Preis so stark gestiegen sei, habe sie in den letzten Wochen verstärkt Anfragen nach Buchenholz-Paletten bekommen. Die sind schwerer, was für gewichtskritische Lkw-Transporte ein Nachteil ist. Axel Herold, der erste Einkäufer der Franz Obermeier GmbH, riet den privaten Waldbesitzern dazu, sich auf zwei Hauptbaumarten als „Ertragssorten“ zu konzentrieren und an den Rändern neue Sorten auszuprobieren. Die Fichte werde auch in Zukunft der „Brotbaum“ bleiben. Am schlechtesten sei immer eine großflächige Aufforstung. Die käme für die privaten Waldbesitzer im Landkreis Mühldorf sowieso nicht in Frage, weil sie laut Gerhard Langreiter im Durchschnitt nur zwischen einem und drei ha Wald bewirtschaften.
Obwohl die Abgeordnete und die IHK-Vertreterin auch für den Landkreis Altötting zuständig sind, hat das BBV-Trio aus dem Landkreis Mühldorf die dortigen Kreisobmänner und die Kreisbäuerin nicht mit einbezogen. Dabei sind die dortigen privaten Waldbesitzer mit einem Durchschnittswert von etwas mehr als zwei ha ähnlich klein, wie Dr. Martin Kennel berichtet. Laut dem Bereichsleiter Forsten des AELF in Töging bewirtschaften sie insgesamt rund 10 000 ha Privatwald. Hinzu kommen 4945 ha Waldfläche, die von den Bayerischen Staatsforsten in Altötting und Burghausen bewirtschaftet werden.

Waldverjüngung und Umbau zum Mischwald

Verantwortlich dafür ist der Wasserburger Forstbetriebsleiter Dr. Heinz Utschig. Er möchte in den nächsten 30 bis 40 Jahren rund 2500 ha dieser Waldfläche verjüngen. Für die nächsten zehn Jahre plant er den Umbau zum Mischwald. Danach soll die Fichte, die von alleine aussamt, nur noch 35 % Anteil haben, gefolgt von 31 % Buche, 10 % Edellaubholz, 8 % Douglasie und 7 % Tanne. Zusätzlich sollen zwischen Altötting und Burghausen 2000 bis 5000 neue Baumarten wie Baumhasel, Edelkastanie, Elsbeere oder Robinie gepflanzt werden.
Damit sich der Wildverbiss in Grenzen hält, treffen die Staatsforsten Schutzmaßnahmen: „Eiche muss gezäunt werden, die Tanne wird mit einem Verbissschutzmittel auf der Basis von Schaffett geschützt und Lärche/Douglasie wird mit ein bis zwei Akazienstäben vor dem Verfegen durch den Rehbock geschützt“, teilte Utschig mit. „Große Waldbesitzer wie wir können langfristig anders vorgehen als kleine mit wenig Wald. „Ein privater Waldbesitzer muss ja auf ein gewisses Maß an Festmetern kommen, damit ihm nach dem Holzeinschlag überhaupt jemand sein Holz abholt.“