Waldbesitzer

Die Wälder schreien nach Pflege

WBV-Wolfratshausen
Ludwig Holly
am Dienstag, 20.10.2020 - 09:13

WBV Wolfratshausen hält Rückschau: Die Borkenkäfersituation ist entspannt, für stabilere Wälder müsse man die Waldpflege deutlich verstärken.

Für den Vorsitzenden der WBV Wolfratshausen w.V. Johann Killer war das Jahr 2019 ein verlorenes Jahr für die Waldbesitzer und den Wald. „Durch Trockenheit, Stürme, Borkenkäfer und Schneebruch sind unsere Wälder stark gezeichnet. Die Bewältigung dieser Schäden ließ fast keine Zeit für die dringend notwendige Waldpflege und die niedrigen Holzpreise machen diese zunehmend defizitär“, erklärte Killer bei der Jahresversammlung in Egling-Aufhofen. Trotz Corona kamen 71 Mitglieder zur Versammlung, Ehrengäste waren aus Pandemiegründen nicht eingeladen.
Obwohl er großes Verständnis für die Waldbesitzer hat, die nun schon seit fünf Jahren mit Stürmen, Borkenkäfer und Schneebruch im Dauerstress stehen und sich bei diesen miserablen Holzpreisen kaum noch für die Waldpflege motivieren ließen, appellierte der WBV-Vorsitzende an seine Mitglieder: „Um den Wald zu stabilisieren, müssen wir aber unsere Waldpflege wieder deutlich verstärken.“

Kurzholz am meisten vermarktet

„Die geringeren Aktivitäten der Waldbesitzer spiegelte sich auch in einer reduzierten Holzvermarktung wider“, erklärte WBV-Geschäftsführer Florian Loher. Im Geschäftsjahr 2019 hatte die WBV, damals noch als „Eingetragener Verein“ insgesamt 44 342 fm Holz vermarktet. Der Schwerpunkt lag wie üblich beim Kurzholz, aber auch Lang- und Brennholz wurden in relevanten Mengen abgesetzt.
„Wir sind sehr froh, dass die Waldbesitzer in diesem unattraktiven Marktumfeld nicht mehr Holz einschlagen mussten. Für die WBV und ihre Unternehmer bedeuteten die geringen Holzmengen aber große finanzielle Herausforderungen“, so Loher.
Dennoch war die WBV wieder sehr aktiv: In 37 Fortbildungsveranstaltungen wurden knapp 1000 Waldbesitzer geschult. Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit konnten außerdem ähnlich viele Personen angesprochen werden. Die Mitgliederzahl stieg um 20 Personen auf 1 372 an.

Nach Durststrecke: Preissprung nach oben

Laut Loher kam der Holzmarkt wegen der coronabedingt geschlossenen Grenzen zeitweise fast zum Stillstand, entsprechend hoch war das Überangebot und historisch niedrig wurden die Preise. „Die deutlich reduzierte Holzabnahme durch die Sägewerke führte in Verbindung mit dem riesigen Überangebot an Schadhölzern als Folge von Trockenheit und Käferbefall aus dem In- und Ausland zu historisch niedrigen Holzpreisen. Der Holzmarkt kam fast zum Stillstand“, berichtete Loher. Nach der Versammlung meldet er einen Preissprung um 20 €, damit gebe es 70 € für frisches Holz der Güteklasse BC. Auch die Borkenkäfersituation sei größtenteils entspannt, abgesehen von einzelnen Gebieten mit größeren Schäden.

Forstwege und Rückegassen bewähren sich

„Es hat sich gezeigt, dass gemischte und gut gepflegte Wälder weniger Borkenkäferschäden aufweisen,“ sagt Killer. Durch die konsequent angelegten Forstwege und Rückegassen werde der Käfer schneller entdeckt, aufgearbeitet und aus dem Wald gefahren. „Das bestätigt unseren Weg einer intensiven und professionellen Waldpflege“, so der Vorsitzende

Bei den Ehrungen stand in diesem Jahr auch der WBV-Vorsitzende in der vorderen Reihe. Killer erhielt für seine über 15-jährige engagierte Tätigkeit als Vorstand die WBV-Ehrennadel in Silber. 35 Jahre lang war Josef Pallauf ein zuverlässiger Kassier, dafür erhielt er die Ehrenmitgliedschaft.

Einen detaillierten Überblick über die neuen Fördermöglichkeiten der Naturverjüngung, der Jugendpflege sowie der Pflanzung und Kulturpflege gab WBV-Beratungsförster am Landwirtschaftsamt Holzkirchen und Revierleiter Robert Nörr. Er lobte das hohe Engagement der Waldbesitzer in den vergangenen zwei Jahren in Sachen Waldschutz, wodurch die Borkenkäferschäden effektiv verringert werden konnten.