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Die Fachleute von morgen

Mit wachen Augen alles hinterfragen

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Sandra Kalb Portrait 2019
Sandra Kalb
am Dienstag, 18.12.2018 - 14:21

Töginger Land- und Hauswirtschaftsschüler diskutieren über den Wandel der Zeit in ihrer Branche und darüber, wann es wichtig ist, mitzugehen.

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Gesangseinlagen, Filmvorführungen, Wettbewerbe auf der Bühne – die Drittsemester der landwirtschaftlichen Fachschule Töging boten ihrem Publikum von nahezu 300 Personen beim diesjährigen Vortrags- und Diskussionsabend ein kurzweiliges Programm. Unter dem Motto „Wenn ich nicht mit der Zeit gehe – dann gehe ich mit der Zeit“ beschäftigten sich die Studierenden mit dem Früher und Heute ihrer Branche: von der Bildung über die Haushaltsführung bis hin zur Landtechnik. Modernen Methoden dürfe man sich nicht verschließen, war die Aussage von Michael Straubinger, das sei „für jeden Betrieb tödlich“. Doch könne die Technik nur so gut wie der Bediener sein – darin waren sich die jungen Damen und Herren einig. Ebenso darin, dass Bildung Zeit brauche.

Moderne Technik: Art der Arbeit ändert sich

Straubingers Vortrag beschäftigte sich mit den Vor- und Nachteilen der Technik von früher und aktuell. Auch die Auftragsentwicklung von Lohnunternehmern hatten seine Projektgruppenkollegen und er unter die Lupe genommen: Demnach nehmen Gülleausbringung und Pressarbeiten zu, während weniger Pflanzenschutzmittel „auf Lohn“ ausgebracht werden. Die kleineren Betriebe, die das machen ließen, fallen weg und die großen erledigen es selber, erklärte Straubinger. Zum Einsatz von moderner Technik gab er zu bedenken, dass diese dem Betriebsleiter zwar Arbeit abnimmt, dafür aber andere Aufgaben beschert, etwa Wartungs- und Reparaturarbeiten. Aus dem Publikum kam der Ratschlag an die Schüler, bei Neuanschaffungen auch an die ältere Generation zu denken, die damit umgehen können sollte.
Der Landwirtschaftsschüler Thomas Söll stellte die Ergebnisse seiner Arbeitsgruppe zur Bedeutung der landwirtschaftlichen Bildung vor. Die Schüler hatten ihre Eltern befragt. Daraus ging hervor, dass die Ausbildung zum Landwirt zu deren Lehrzeit ein „Ausbildungsberuf mit geringen Anforderungen war“, sie seien breiter gefächert ausgebildet worden, da auch die Höfe auf mehreren Standbeinen standen. So wie die Branche selbst jetzt spezialisierter ist, kann man sich in der heutigen Ausbildung auf seinen Produktionszweig fokussieren. Neues Wissen habe sich früher durch Ausprobieren ergeben, „wenn’s ging, war’s recht“, sagte Söll. Heutzutage jedoch zieht man beispielsweise das Sortenversuchsheft heran, es wird mehr dokumentiert und die Wirtschaftlichkeit der Betriebe steht mehr im Vordergrund. Nur noch kleinere Fehler können heute verziehen werden, so die Aussage des Landwirtschaftsschülers. Was sich nicht verändert hat, ist die Diskussion über das Betriebsgeschehen in der Familie. Und früher wie heute zieht man Wissen aus Fachzeitschriften und aus dem Austausch mit Berufskollegen. Söll’s Fazit: „Bildung ist wichtiger denn je und vermeidet Betriebsblindheit“.

Bildung ist wichtig und braucht viel Zeit

Thomas Mitterberger betrachtete die Bildung aus dem Blickwinkel der Persönlichkeitsentwicklung. Einer Umfrage zufolge seien 67 % der Befragten nicht zufrieden mit der politischen Vertretung der Landwirtschaft. „Wir können nicht warten, bis einer kommt, der sich für uns hinstellt. Wir haben es selbst in der Hand“, sagte Mitterberger. Heutzutage habe man das Glück, als Hofnachfolger länger vom Hof wegbleiben zu können. „Es ist wichtig, dass man die Angebote annimmt“, appellierte der angehende Landwirtschaftsmeister ans Publikum. Schließlich sei die landwirtschaftliche Fachbildung in Bayern fast kostenlos. Und wieder war die Aussage des Abends zu hören: Bildung braucht Zeit.

Die Hauswirtschaftsschülerinnen Franziska Geisberger und Simone Stöckl berichteten, dass die Notwendigkeit des Berufes Hauswirtschaft in der Gesellschaft angezweifelt werde, – obwohl etwa in Kantinen Verpflegungsnotstand herrsche. Und auch der private Haushalt mache sich nicht von alleine, wie in Kochshows oder sozialen Medien vorgegaukelt werde.

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Elena Schwarz und Theresa Schwertfellner befassten sich in ihrer Projektgruppe mit moderner Technik im Haushalt. Ihre Frage ins Publikum nach moderner Haushaltstechnik ergab als ersten Treffer Thermomix, weitere Zwischenrufe benannten Staubsaugerroboter und Dampfreiniger. Die Meisterschülerinnen hatten einen Wettbewerb zwischen Schneebesen, Handrührgerät und dem Themomix im Eischneeschlagen vorbereitet. Eva Kirmeier produzierte mit dem Handrührer den festesten Eischnee – und benötigte dafür am wenigsten Zeit.

Ein munteres Hin und Her gab es zwischen den jungen Damen und Herren beim Thema Hausarbeit. Beginnend mit dem Schlagerhit „Das bisschen Haushalt“, den die angehenden Meisterinnen zum Besten gaben, bis hin zu der Frage der Landwirtschaftsschüler, ob der Thermomix die Hauswirtschaftsschule ersetzen könne, wenn er doch so zeitsparend und arbeitserleichternd sei, wie die Damen vorgestellt hatten. Die Antwort? Ein klares Nein. Die Umfragen der Hauswirtschaftsschülerinnen hatten ergeben, dass die Küchenmaschine für Großhaushalte nicht die ausreichenden Mengen produzieren könne und oft Geschmacksaromen fehlen würden. Aber durch die einfache Maschinenbedienung könnten „Männer mal für ihre Frauen kochen und sich so mehr in den Haushalt einbringen“, spielte Elena Schwarz den Ball zurück.

Persönlichkeitsbildung wird vorangebracht

Mit diesem Thema klang der mittlerweile traditionsreiche Vortrags- und Diskussionsabend aus. Seit 2012 veranstalten die Töginger Fachschüler diese Zusammenkunft. Moderator Stefan Unterblümhuber dankte den betreuenden Lehrern Josef Zieglgänsberger und Anna Wimmer für ihre Unterstützung bei der Vorbereitung. Thomas Mitterberger erkannte, für die Persönlichkeitsbildung „bringt sowas viel“. Behördenleiter Josef Kobler betonte, dass sehr viel Arbeit dahinterstecke, eine solche Veranstaltung auf die Beine zu stellen und zeigte den Schülern seine Anerkennung.