Jahreshauptversammlung

Im Viertakter-Sog der Begeisterung

JHV BJB Obb_Vorstand
Antonia ReindlAntonia Reindl
am Freitag, 05.11.2021 - 11:49

Die Jungbauernschaft Oberbayern bestätigt die Bezirksvorsitzenden Johannes Groß und Barbara Weindl im Amt. Viele Veranstaltungen sind in Planung.

Grainau/Lks. Garmisch-Partenkirchen Der Motor – natürlich ein Viertakter – läuft bei der oberbayerischen Jungbauernschaft: Still standen die Burschen und Madln in den vergangenen Monaten trotz Corona keineswegs. Die Seminare, wenngleich weniger als gewöhnlich, wurden kurzerhand in den virtuellen Raum verlegt; Bildschirmlächeln statt Händedruck. Aber zur Jahreshauptversammlung, zu der die Jungbauern Oberbayerns sich nun im Seminarhaus in Grainau einfanden, wurde es zum Glück wieder persönlich.

Den Motor der Zukunft miteinander entwickeln

Die Motorenmetapher stammt von Georg Rabl, dem Landesvorsitzenden. Geht es nach ihm, funktioniert die Bayerische Jungbauernschaft (BJB) eben genau wie ein Viertakt-Motor: Die ansteckende Begeisterung der Mitglieder sei wie der Sog, den es zum Ansaugen braucht. Hitzige Debatten glichen der Explosion, die in Bewegung bringt. Gearbeitet werde in Vielfalt und Toleranz, ausgestoßen würden Ideen und konstruktive Kritik. „Lasst’s uns den Motor der Zukunft weiterentwickeln“, lautete Rabls Appell. Die Energie dafür könne man nur gebündelt liefern, ein Dieseltropfen oder ein Sonnenstrahl allein reichten nicht aus.

Dass der Motor auch in der Pandemie weiter lief, beweist eine Rückschau auf vergangene Veranstaltungen, die der Vorstand präsentiert. Von einem Bierseminar ist die Rede, ebenso von einem Wein- und Käsetasting sowie einem Vortrag über Vermarktung und Online-Präsenz – allesamt über Videokonferenzen abgehalten. Auch Exkursionen waren drin, etwa eine Agrarlehrfahrt rund um den Bodensee und ein Ausflug auf die Zugspitze, davon zeugten Fotografien in der Präsentation. Man merke, dass es „kontinuierlich aufwärtsgeht“, freute sich Landesgeschäftsführerin Isabella Karl.

Zu sprechen kamen gleich mehrere Referenten auf die Erweiterung der Jungbauernschule, in der 2021 kein Grundkurs stattfand. Für Angemeldete wurde stattdessen zweimal wöchentlich ein Online-Meeting einberufen. Beim „berühmten Bebauungsplan“ der Jungbauernschule müsse „nur noch eine Stellschraube“ gedreht werden, sagte der Grainauer Bürgermeister Stephan Märkl, der an einen Spatenstich in naher Zukunft glaubt.

Vorstandsspitze bestätigt, Stellvertreter wechseln

Ein Rathauschef könne solche Pläne aber schon „bissl anschieben“, konnte Johannes Groß sich nicht verkneifen, dem das Haus „sehr am Herzen liegt“, wie er sagte. Groß wurde bei den anschließenden Neuwahlen zusammen mit Barbara Weindl als Bezirksvorsitzende bestätigt. Johannes Sing, nun erster Stellvertreter, und Paul Alexander, nun zweiter Stellvertreter, haben ihre Positionen getauscht, während Weindl zwei neue Stellvertreterinnen an ihrer Seite hat: Theresa Stuhlmiller und Verena Stichlmeyer.

Am Ende wagte Groß noch einen Blick in die Zukunft: Geplant sind die Grainauer Junglandwirte-Tagung und die Landesversammlung im November, die Fahrt zur Internationalen Grünen Woche im Januar sowie eine Schulung des AK1 (Arbeitskreis Jugend und Gesellschaft) zum Thema Verschwörungstheorien. Ob wieder Online-Seminare organisiert werden, hänge vom Bedarf ab, meint der Vorsitzende – der Verein wäre jedenfalls gewappnet.

Welche Sorgen hat der Nachwuchs?

Das Wochenblatt hat sich umgehört: Welche Sorgen hat der Nachwuchs?


Franz Baisl (27), betreibt mit den Eltern Schweinehaltung im geschlossenen System in Reischach/Lks. Altötting: „Wir brauchen Zuverlässigkeit von Politik und Handel bei der Umstrukturierung der Schweinehaltung. In den nächsten Jahren stehen gewaltige Veränderungen hinsichtlich Tierwohl vor uns. Diese dürfen durch sinnlose Gesetze und Umweltauflagen nicht blockiert werden. Die Junglandwirte sind bereit für solche Schritte, aber sie brauchen starke Signale, auch vom Verbraucher!“

Johannes Eder (20), Landwirtschaftsmeister in spe am elterlichen Fresseraufzuchtbetrieb in Unterneukirchen/Lks. Altötting: „Es müssen Klarheiten bei den Tierhaltungsstufen für uns Fressererzeuger geschaffen werden. Wenn die Tierhaltungsstufen auch für uns geltend gemacht und die Stufe 3 Standard wird, muss der Großteil von uns in Bayern die Ställe komplett neu- oder umbauen. Ich kenne viele Betriebe, die in den letzten Jahren hohe Investitionen in moderne Warmställe für die Fresseraufzucht getätigt haben. Wenn wir keine zuverlässigen Erlöse für den Mehraufwand bekommen oder geeignete Förderprogramme für Um- und Neubaumaßnahmen, werden einige Betriebe an ihre Existenzgrenze stoßen.“

Franz Eckl (27), betreibt einen Bullenmastbetrieb in Neufahrn/Lks. Freising: „Die Landwirtschaft muss umgebaut werden, es muss Planungssicherheit geben, damit es für kleine und mittlere Betriebe eine Zukunft gibt. Momentan geht es ja, doch wenn man schaut, wie die Zukunft aussieht... Im Idealfall steigen die Produkte preislich an, vielleicht auch mit Hilfe von Zuschüssen von der Regierung. Eigentlich aber braucht es ein starkes Zusammenspiel aus Politik, Handel und  Verbrauchern.“