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Schweinehaltung

Unsicherheit wirkt lähmend

FER Obb-West
Helga Gebendorfer
am Montag, 04.02.2019 - 10:47

Ferkelerzeuger/Schweinemäster im FER Oberbayern-West scheuen Investitionen.

Das vergangene Jahr war herausfordernd und kräftezehrend“, zog Manfred Lang, Vorsitzender der Abteilung Schweinemast, bei der Mitgliederversammlung der Ferkelerzeuger und Schweinemäster im Fleischerzeugerring Oberbayern-West Pfaffenhofen (FER) im Stockerhof Bilanz. So stiegen bedingt durch die langanhaltende Hitze und Trockenheit die Futterkosten und die Schweinepreise standen stark unter Druck. „Trotzdem sind wir in unserer Region relativ glimpflich davongekommen“, meinte er.
Weiter wies er darauf hin, dass die Schweinehalter die Afrikanische Schweinepest noch länger beschäftigen wird. Große Sorgen bereiteten ihm zudem die Dünge-Verordnung, die Verunsicherung in Sachen Kastenstand und das Zittern um eine betäubungslose Ferkelkastration. „Bei vielen Betriebe stehen Investitionen an, doch die bereits langanhaltende Unsicherheit verhindert das“, so Lang. Er hofft auf bessere Preise und bedauerte, dass die gesellschaftlichen Diskussionen, vor allem über die Schweinehaltung, nicht abreißen. Die unterdurchschnittlichen Preise und das schlechte Image führten dazu, dass viele Betriebe aufgeben.
Siegfried Ederer, 1. FER-Vorsitzender und zugleich Vorsitzender der Abteilung Ferkelerzeugung, bestätigte die Ausführungen von Lang und machte auf das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ aufmerksam. „Diese Aktion ist ein Eingriff ins Eigentum der Landwirte“, gab er zu bedenken und forderte seine Kollegen auf, Aufklärung zu betreiben. „Viele vergessen, dass wir Landwirte die Produzenten für Lebensmittel sind.“

Kupieren wird zum Thema

Im Anschluss stellte Clara Späth, Leiterin vom Fachzentrum für Schweinezucht und -haltung in Töging, den Aktionsplan zur Einhaltung der Rechtsvorschriften in Bezug auf das Kupieren von Schwänzen vor. „Es gibt kein Verbot, aber die Schweinehalter müssen sich verstärkt mit diesem Thema beschäftigen“, teilte sie mit. Sie informierte, dass diese künftig Schwanz- und Ohrbeißen dokumentieren, ab 1. Juli einmal jährlich eine Risikoanalyse im Betrieb durchführen und eine entsprechende Erklärung abgeben müssen.

Alle Schrauben drehen

„Die Ferkelpreise haben sich zwar wieder erholt, doch es muss noch besser werden“, kommentierte die Fachfrau und zeigte die Leistungsergebnisse in der FER-Ferkelerzeugung auf. So sind derzeit 81 Ferkelerzeugerbetriebe mit knapp 7500 Zuchtsauen organisiert. Im Schnitt zogen die Sauen 22,5 Ferkel in 2,13 Würfen je Jahr auf. „Alles in allem sackten die Leistungen ab und es gilt kleine Schritte, wie Fruchtbarkeitsmanagement, zu hinterfragen“, empfahl sie. Die Wirtschaftlichkeitskontrolle führten 33 Betriebe durch, dabei wurden 671 € Direktkostenfreie Leistungen (DkfL) pro Zuchtsau erzielt, wobei die schlechten Preise noch nicht voll durchschlugen.
Nach Auskunft von Fachberater Josef Angermeier umfasst die Schweinemast im FER-Gebiet 92 Betriebe mit 203 630 geprüften Mastschweinen. Die täglichen Zunahmen betrugen 800 g und die DkfL pro Mastschwein erreichten mit 18,40 € (–19,4 €) weniger als die Hälfte vom Vorjahr. „Das bedeutet ein unterdurchschnittliches Jahr im langjährigen Vergleich“, ergänzte er und gab den Zuhörern die Empfehlung, gezielt Verbesserungsmöglichkeiten auszuschöpfen. „Drehen Sie an Schrauben, die nicht viel kosten, aber viel bringen“, bemerkte er und dachte beispielsweise an grundsätzliche Futteranalyse, mehrmalige Getreidereinigung, Mehrphasenfütterung, sowie richtigen Energie-, Rohfaser- und Lysingehalt im Futter. „Besinnen Sie sich auf Ihre Stärken und nutzen Sie Ihre Vorteile, um die Produktion zu optimieren“, riet er.
In Fachvorträgen beleuchteten Wolfgang Geiger vom Fleischerzeugerring Mühldorf-Traunstein, wie eine erfolgreiche Produktion vom Saugferkel bis zum Mastschwein aussehen kann, und Dr. Lukas Adam vom Tiergesundheitsdienst Günzburg zeigte auf, welche Gefahr durch multiresistente Keime aus dem Stall für Mensch und Tier besteht.

Schließlich stellte Lebensmittelchemiker und Sachbuchautor Udo Pollmer in seinem Vortrag die provozierende Frage „Tierhalter in Deutschland – eine bedrohte Art?“, die bei den Mitgliedern für viel Diskussionsstoff sorgte.