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Sicherheit

Nach tödlichem Unfall: Vor Angriffen richtig schützen

Rind-Bayern-Stall
Philipp Seitz
Philipp Seitz
am Freitag, 25.03.2022 - 12:20

Immer wieder kommt es zu Angriffen von Kühen. Nach dem tragischen Unfall auf dem Staatsgut Achselschwang gibt die SVLFG Hinweise, wie sich Landwirte schützen können.

Uttting am Ammersee/Lks. Landsberg am Lech - Immer wieder greifen Kühe Landwirte an. Auf dem Staatsgut Achselschwang hat sich zuletzt ein entsprechender Unfall ereignet - mit tödlichem Ausgang. Ein 63-jähriger, sehr erfahrener Landwirt wurde von einer Kuh attackiert und dabei so schwer verletzt, dass er noch vor Ort an den Verletzungen starb. Wie die SVLFG mitteilt, sind in den vergangenen beiden Jahren im Schnitt knapp 80 Unfälle, die mit einer Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Tagen einhergingen, durch den Angriff von Kühen zu verzeichnen. Pro Jahr werden der Sozialversicherung knapp 4000 meldepflichtige Unfälle gemeldet, die auf einen direkten Kontakt mit Kühen zurückzuführen sind.

Insbesondere kurz nach der Geburt sei der Beschützerinstinkt von Kühen stark ausgeprägt, erklärt Dr. Florian Heuser, Branchenreferent Landwirtschaft der SVLFG. „Leider kommt es dann bei der Versorgung des Kalbes oder Muttertieres zum Teil auch mehrere Tage nach der Geburt immer wieder zu derartigen Angriffen.“ Hierbei sei zu beachten, dass auch Kühe angreifen könnten, die bei vorherigen Abkalbungen nicht aggressiv reagiert hätten. So soll es auch in Utting am Ammersee gewesen sein: Für die Mutterkuh, die den Landwirt angegriffen und tödlich verletzt hatte, sei es keine Erstkalbung gewesen, erfuhr das Wochenblatt.

Eine besondere Situation

Der BBV verweist darauf, dass das Abkalben eine besondere Situation im Leben einer Kuh sei. Sie könne als Ausnahmesituation beschrieben werden, sagt Charlotte Hörner, Referentin für Milch des Bauernverbandes. „Generell ist zu sagen, dass trotz der Nähe zum Menschen ein Tier immer ein Tier bleibt, dessen individuelles Verhalten nie vollständig abzuschätzen ist!“ Auch wenn ein Tier keine Aggressionen aufzeigt, bestehe Gefahr allein aufgrund des Masseunterschieds zum Menschen. In den digitalen Netzwerken wurde der Fall intensiv diskutiert.

Meistens gehen die Angriffe von Deckbullen aus, sagt Dr. Florian Heuser. Aber auch Kühe könnten angreifen, um beispielsweise ihr Kalb zu beschützen. Dies stelle mitunter eine natürliche Verhaltensweise dar. Hier gelte es zum einen, sich durch technische Ausstattungen zu schützen, z. B. durch einen Kälberfangkorb auf der Weide oder ein Sicherheitsfangfressgitter bzw. Halsfangrahmen mit Schwenkgitter für den Abkalbebereich im Stall. So könne das Muttertier vom Kalb getrennt werden, um sicher zu arbeiten. Grundsätzlich sind alle Tiere einer Gruppe zu fixieren oder zu selektieren (wegsperren vom zu behandelnden Tier), wenn auch nur eines davon behandelt werden muss. Dadurch können Unfälle, wie der hier angesprochene Fall, verhindert werden.  Aber auch die Wahrnehmung , die natürlichen Verhaltensweisen von Rindern und auch Anzeichen vor ein Angriff, also die Drohgebärden, sollten erkannt werden. Hierzu bietet die SVLFG Seminare zum sicheren Umgang mit Rindern an. Zudem empfiehlt es sich, solche Arbeiten nicht allein durchzuführen.

Kuh griff plötzlich an

Der tödliche Unfall hatte sich auf dem Staatsgut Achselschwang ereignet. Wie das Polizeipräsidium Oberbayern Nord mitteilte, wurde ein 63-jähriger Landwirt von einer Kuh angegriffen und dabei so schwer verletzt, dass er noch vor Ort an den Verletzungen starb. Gegen 13.30 Uhr hatte der angestellte und langjährige Tierwirt eine Box im Kuhstall betreten, um ein neugeborenes Kalb aufzunehmen. Das Muttertier griff den Mann daraufhin unvermittelt an. Wie die Polizei mitteilte, waren die Verletzungen so schwer, dass der 63-Jährige, sehr erfahrene Landwirt, noch vor Ort starb.

Erst Anfang März 2022 hatte ein Stier im oberbayerischen Dietramszell einen 53-jährigen Landwirt getötet. Der Mann starb nach Polizeiangaben ebenfalls noch am Unfallort. Die ganze Gemeinde zeigte sich laut dem örtlichen Bürgermeister betroffen. Der Polizei lagen vorerst keine Hinweise auf ein Fremdverschulden vor.