Investition

Ein Toast auf 800 Tonnen Soja

Wolfswinkler Sojatoastanlage
Dietmar Fund
am Freitag, 17.09.2021 - 13:50

Vorher fuhr er dafür nach Österreich, jetzt toastet und presst Junglandwirt Adrian Wolfswinkler aus Kastl seine Sojabohnen selbst.

Kastl/Lks. Altötting Adrian Wolfswinkler hat vielfältige Beziehungen zur Sojabohne. Seine Eltern Johann und Anna-Maria bauen die eiweißhaltige Frucht schon seit neun Jahren an: Erst um ihre Milchkühe mit regional erzeugtem Eiweißfutter zu füttern und seit der Betriebsumstellung 2016 nun zur Fütterung der Mastrinder. Für seine Meisterprüfung hat sich der 30-jährige Junglandwirt 2017 intensiver mit Soja beschäftigt. Jetzt besitzt er eine eigene Sojatoast-Anlage, als erster in der Region.

Regional erzeugtes Eiweißfutter

Vater und Sohn gründeten vor zwei Jahren eine GbR und bewirtschaften als solche momentan 42 ha Land, von denen rund 8 ha auf Soja entfallen. Um die Sojabohnen als Futter aufzubereiten, arbeitete Wolfswinkler senior erst mit einem Berufskollegen im nahen Perach zusammen, der sie für ihn presste und ihm die eigenen Bohnen zurückgab. Als der aufhörte, ließ der Landwirt bei einem Lohnunternehmen im 40 km entfernten oberösterreichischen Geretsberg toasten und pressen. Zurück kam das Soja dann aus einem Pool von rund 100 weiteren Landwirten.

Auch dieser Anbieter, Josef Neubauer, hörte mit dem Lohnpressen auf, entwickelte aber vor zehn Jahren die ersten eigenen Sojatoaster. Den Kontakt nahm Adrian Wolfswinkler auf und kaufte sich schließlich die kleinste verfügbare Anlage mit einer Kapazität von 800 t/Jahr für den Eigenbetrieb.

Mit der Anlage könnte der Ertrag von rund 200 ha Soja pro Jahr getoastet werden. Noch kleiner zu bauen, würde die Kosten kaum senken, aber die Wartung erschweren, so der Anlagenlieferant. Im Kastler Ortsteil Oberöd steht die Anlage jetzt an der Stirnseite einer Bergehalle neben je einem Silo für Soja und Körnermais und zweien für Weizen. Vater und Sohn ließen dafür ein Stück Betonboden aufstemmen, um eine Schüttgosse für die Rohware graben zu können.
Von dort aus wird die eigene Soja-Ernte über einen Reiniger-Elevator und ein Sieb in eines der Silos gefördert. Die Sojabohnen rieseln dann portionsweise nach unten in den Toaster, wo sie erhitzt und damit für Geflügel und Schweine verwertbar werden.
Wenn sie nicht gepresst werden, kullern die getoasteten Bohnen aus einem Klappkasten unterhalb des Toasters in einen Auffangbehälter – rund 100 kg/Stunde oder bis zu 2,4 t am Tag. Wolfswinkler junior will seine Partien bedarfsgerecht pressen, weil deren Ölanteil dann um rund 10 % sinkt. Dann kann er den Presskuchen als vollwertigen Ersatz für Sojaextraktionsschrot aus Übersee direkt an die Mastrinder verfüttern.

Bedarfsgerecht das eigene Soja pressen

Adrian Wolfswinkler hat die Anlage im Mai 2021 zunächst mit eigener Ware „eingefahren“ und möchte sie nun künftig auch im Lohnauftrag für andere Landwirte betreiben. Diese bekommen dann ihre eigenen Bohnen zurück. Insgesamt 50 t kann der Betrieb kurzzeitig zwischenlagern. Als nächstes möchte der Junglandwirt sich mit der Vermarktung von Sojaöl als Lebensmittel beschäftigen. Seine Freundin macht dazu ein Projekt in der Hauswirtschaftsschule.

Wer sich näher für die Möglichkeiten des Sojaanbaus interessiert, den lädt Adrian Wolfswinkler am Dienstag, 21. September 2021 um 18 Uhr zum Infoabend mit Sortenversuch, Druschvorführung und Demonstration der Toastanlage ein (Oberöd 1, 84556 Kastl, Anmeldung nicht erforderlich).

Oberöd/Kastl: Sojafeldabend am 21.09.2021, 18 Uhr mit Sortenversuch verschiedener Anbieter; Druschvorführung; Vortrag von Herrn Lutz Wudtke zum Anbau, Unkrautregulierung, Wirtschaftlichkeit und Fütterung; Demonstration der stationären Toast- und Pressanlage.

Bitte beachten Sie, dass der Sojafeldabend am 21. September 2021 stattfindet und nicht, wie es in unserem Artikel zuvor fälschlicherweise hieß, eine Woche später. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.