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Wildschutz

Mit Technik Mähunfälle vermeiden

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Redaktion Wochenblatt
am Freitag, 25.06.2021 - 16:00

Im Kreis Dachau haben die Landwirte mit dem Einsatz der Kitzretter gute Erfahrungen gemacht. Auch die Technik schreitet voran.

Dachau Das warme und nasse Wetter hat das Gras stark wachsen lassen. Viele Landwirte haben die ersten trockenen und warmen Tage genutzt, die Wiesen zu mähen. Die Saison der Grünlandernte dauert bis in den Herbst hinein. Gerade für Milchkuhhalter ist der frühe Schnitt von Gras wichtig, denn Hochleistungskühe brauchen Energie- und eiweißreiches Gras für eine möglichst hohe Grundfutterleistung.

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Milchbäuerinnen und -bauern sind daher die ersten, die mit ihren Mähwerken auf ihre Wiesen fahren. Erst später mähen Pferdehalter ihre Flächen: Sie brauchen für ein gutes Pferdeheu „altes“ Gras, das lang auf den Wiesen steht und bereits geblüht hat – also nichts für Pollen-Allergiker. Genau wie den Bauern war das Frühjahr auch dem heimischen Rehwild und Hasen viel zu kalt und nass: Sie haben ihren Nachwuchs verhältnismäßig spät gesetzt.

Das bedeutet für Landwirtinnen und Landwirte einen verstärkten Einsatz, damit es bei der Grasmahd zu keinen Unfällen mit dem Wildnachwuchs kommt. Der Jagdpächter ist hier der erste Ansprechpartner. Dieser ist dann gemeinsam mit dem Landwirt unterwegs, das Grundstück rechtzeitig vor dem Mähen jungtierfrei zu bekommen.

Ein Mix aus mehreren Maßnahmen

Dabei kommt meistens ein Mix aus mehreren Maßnahmen zum Einsatz: Vogelscheuchen und Duftkissen vergrämen die Tiere. Verbreitet kommen moderne elektronische Kitzretter zum Einsatz. Auch das Absuchen mit Menschenkette und Hunden hilft, Tierleben zu retten.

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Im Landkreis Dachau haben die Landwirte vor allem mit dem Einsatz der Kitzretter sehr gute Erfahrungen gemacht. „Die Wirkung der elektronischen Kitzretter ist sehr effektiv, da sie durch Licht- und Tonsignale die Rehgeißen dazu bringen, ihre Kitze aus der Wiese herauszuleiten“, erläutert BBV-Kreisobmann Simon Sedlmair, der selber Milchvieh hält. „Wir haben bereits fünf eigene Kitzretter bei uns im betrieblichen Einsatz. Es gibt aber auch Kitzretter beim Maschinenring in Dachau zu leihen und man kann sich in jedem Frühjahr um eine Förderung bemühen.“ Das Landwirtschaftsministerium stellt alljährlich ein Budget zum Erwerb des Kitzretters zur Verfügung. So erhielten in 2021 viele bayerische Landwirtschaftsbetriebe und Jäger eine Förderzusage für insgesamt 1000 elektronische Kitzretter.

Der technische Fortschritt schreitet voran: Neben Sensoren an den Mähwerken, die beim Mähen den Bulldogfahrer alarmieren, sind immer mehr Drohnen mit Wärmebildkameras bei der Wildtiersuche im Einsatz. „Wir Bäuerinnen und Bauern gehen sehr umsichtig mit unserer Verantwortung beim Wildtierschutz um. Rehkitzrettung kann nur im Team gelingen und nur mit der notwendigen hohen Sensibilität. Jedes Leben ist wertvoll“, versichert BBV-Kreisobmann Simon Sedlmair.

Umgebungstemperatur erschwert die Suche

Drohnen sind dabei ebenfalls effektiv, können aber nur am Mähtag gleich am Morgen eingesetzt werden, um Kitze aufzuspüren. Andernfalls wird das Aufspüren am Bildschirm schwierig, da der Kontrast bei ansteigender Umgebungstemperatur zu gering wird. Im Landkreis Dachau gibt es bereits einzelne Anbieter – Naturschutzverbände oder Jäger – die diese Technik einsetzen.