Virtueller Rundgang

Ein Tag der offenen Stalltür im Internet

Fullwood
Ludwig Holly
am Freitag, 23.04.2021 - 11:41

Landwirt Gusti Spötzl aus Obereichhofen ermöglichte digital einen Rundgang durch seinen neuen Stall. Auch die beteiligten Firmen präsentierten sich.

Aßling-Obereichhofen/Lks. Ebersberg - Landwirt Gusti Spötzl bewirtschaftet mit seiner Frau Franziska und seinen Eltern einen Milchviehbetrieb im Ortsteil Obereichhofen, nordwestlich des Kerndorfes Aßling. Als Erweiterung hat er zu seinem alten Milchviehstall einen neuen zweireihigen Laufstall für 100 Kühe gebaut. Weil ein „Tag der offenen Stalltür“ pandemiebedingt nicht möglich war, wollte der engagierte Junglandwirt eine virtuelle Stallbesichtigung per Internet nach Hause liefern. 

Durch den Stall scrollen

Mit viel Einsatz und in Zusammenarbeit mit einer Firma, die virtuelle Messen ausrichtet, ist ihm dies perfekt gelungen. „Besucher“ konnten am PC- oder Laptop-Bildschirm sitzend mit dem Landwirt, Berufskollegen oder Firmenvertretern sprechen. Eine kurze Begrüßung und einige kurze Erklärungen durch Gastgeber Spötzl und schon war man mitten drin im interessanten Geschehen.

Mittelpunkt der digitalen Veranstaltung war der neue Stall, den man in allen Details und in allen Ecken besichtigen konnte.  Man musste sich nur mit der PC-Maus durch den virtuellen Stall „durchscrollen“. An vielen Stellen und Einrichtungen waren zusätzliche Informationen und Videos hinterlegt. Auch den alten Stall konnte man in gleicher Weise besuchen. Er soll als Trockensteher- und Abkalbestall erhalten bleiben.
Damit auch keine Frage unbeantwortet blieb, hatten fünf am Bau beteiligte Firmen Stände aufgebaut, an denen sich die digitalen Besucher detailliert über die Produkte informieren und direkt per Video-Chat mit den Firmenvertretern sprechen konnten. Auch die Teilnahme an einer Diskussionsrunde war möglich. Offene Fragen konnte man dem Bauherrn in einer Fragerunde stellen.

Mit 18 lehrreichen Videos erklärte Spötzl, wie er zu den einzelnen Entscheidungen kam, zum Beispiel warum er einen Melkstand und keinen Melkroboter installierte, wie durch die Schlauchbelüftung ein Hitzestress der Tiere vermieden wird oder warum er ein Ziegel- und kein Sandwichdach wählte.

Spötzl berichtete, dass er bei der Planung und Durchführung des Bauvorhabens sehr viel dazu gelernt hat und sich auch immer mit Berufskollegen austauschte und auf deren Erfahrungen zurück griff. Diese Erfahrungen will er nun weitergeben und bietet deshalb zwei zehnwöchige, kompakte Kurse an. 

Auf Augenhöhe verhandeln

Der „Stallbau-Finanzierungskurs“ vermittelt alle Kenntnisse, um mit dem Bankberater auf Augenhöhe verhandeln zu können. Wenn in nächster Zeit ein Stallbau oder –umbau ansteht, dann ist der „Stallbau-Orgakurs“ der richtige Einstieg. „Nicht geeignet ist dieser Kurs, wenn Du das Chaos liebst, Dir alles ganz genau merken kannst, jeden Zettel auf Anhieb findest und glaubst, dass alles schon irgendwie läuft“, erklärte Spötzl mit einem Schmunzeln.

Tag der offenen Tür

Einige Details hat der Landwirt aus Kostengründen oder weil die angebotene Ausführung nicht seinen Vorstellungen entsprach, selbst entwickelt und angefertigt. Die Bauanleitungen dafür mit allen Zeichnungen und Materiallisten, zum Beispiel für einen Hubboden für den Melkstand, bietet er nun zum Kauf an. Seine Podcasts, als Fortbildung für Milchviehhalter, kann man kostenfrei abonnieren (www.stallbau.com).
Spötzl sucht ständig auch den Kontakt zu anderen Landwirten: „Der fachliche Austausch mit Berufskollegen ist wichtig. Dazu empfiehlt er den „Club der alten Kühe“, den man über https://kuhverstand.de/club-der-alten-kuehe-info/ erreicht.

Als Fazit konnte man feststellen, dass die perfekt gestaltete Online-Veranstaltung alle Informationen lieferte, die man normalerweise bei einer Vorort-Besichtigung bekommt. Das Einzige, das fehlte, war der persönliche Kontakt und das Berühren der Teile. Doch das ist eben in Zeiten der Pandemie nicht möglich.