Münchner Trinkwasser

Streit ums Wasser - Widerstand gegen Behördenwillkür

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Externer Autor
am Donnerstag, 27.09.2018 - 15:03

Der Streit um Münchner Wasser verschärft sich. Die Stadt will die Wasserschutzzone im Mangfalltal deutlich vergrößern. Eine Bürgerinitiative wehrt sich.

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Immer mehr Bürgerinnen und Bürger lassen sich Behördenentscheidungen nicht mehr widerstandslos gefallen. So hat sich die Bürgerinitiative „Heimatboden“ mit einem ersten Erfolg gegen die „Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme“ (SEM) im Stadtteil Feldmoching gewehrt, mit der die Landeshauptstadt ein 900 ha großes Gebiet überplanen wollte (das Wochenblatt berichtete).

Jetzt sieht sich die Verwaltung der Landeshauptstadt einer weiteren Bürgerinitiative gegenüber. Dieses Mal geht es um das Wasser, das die Stadt seit 1883 aus dem Mangfalltal im Landkreis Miesbach bezieht. Trotz geänderter Ausgangslage – mehr Menschen und mehr Betriebe im Speckgürtel der Landeshauptstadt – beruft sich die Stadt auf ihre Altrechte, die es ihr erlauben sollen, reinstes Quellwasser in nahezu unbegrenzter Menge zu entnehmen, ohne einen Cent dafür zu bezahlen.
Nun soll das Landratsamt Miesbach auf Betreiben von München eine vergrößerte Wasserschutzzone von 800 auf 1800 ha ausweisen. Dagegen hat sich jetzt die überparteiliche Bürgerinitiative (BI) „Heimatwasser“ gegründet, um die dramatischen Folgen für Anwohner, Landwirte, Unternehmen und Kommunen abzuwenden (Info: www.heimatwasser-mangfalltal.de).
„Heimatwasser steht für sauberes, aber auch faires Wasser als Lebensquell für alle. Es geht nicht an, dass die Stadt München unter Berufung auf alte Rechte, die de facto eindeutig bestritten werden müssen, reinstes Trinkwasser zum Nulltarif aus dem Mangfalltal bezieht, während der Landkreis Miesbach die Einschränkungen hat“, teilte die BI mit.
Laut den Münchner Stadtwerken liegen alle Wasserqualitätswerte weit unterhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Grenzen. „Weitere Schutzgebiete erhöhen die Qualität des Wassers nicht. Seit Jahrzehnten erweisen sich die Biolandwirte und Biogartenbaubetriebe der Region als verantwortungsvolle Wassermanager“, so die Initiative.

Verbot von Beweidung und Gülleausbringung?

Ihnen droht jetzt laut Heimatwasser mit der Ausweitung der Wasserschutzzonen ein strikter Verbotskatalog, wodurch unter anderem ein Beweiden der Wiesen und das Ausbringen von Gülle verboten sei. Dadurch würden die Bewirtschaftung der Flächen erschwert bzw. unmöglich gemacht. „Gleichzeitig fahren in der Zone auf der Autobahn A 8 Schwerguttransporter; Hundebesitzer lassen ihre Vierbeiner auf den Wiesen laufen, Kiesgruben sind mit Müll verfüllt, eine Kläranlage arbeitet in der Region und Altlasten sind im Bereich von ‚Müller am Baum‘ vergraben“, heißt es in einer Mitteilung der Bürgerinitiative.
Die BI setzt sich dafür ein, dass hier nicht mit zweierlei Maß gemessen wird, und sie kämpft dafür, dass die zuständigen Behörden das Verfahren zur Ausweisung weiterer Wasserschutzzonen transparent und ergebnisoffen gestalten, Einwände ernstnehmen und mögliche Alternativen auch tatsächlich prüfen.
Große Auswirkungen hat die geplante Flächenausweitung auf die Biolandwirtschaft und den Biogartenbaubetrieb der BioGut Wallenburg GmbH & Co. KG in der Nähe der Kreisstadt Miesbach. „Wir verlieren rund 20 von den 80 Hektar Grünland. Wir sind dann zwar noch Eigentümer der ausgewiesenen Flächen, aber wir können nichts mehr entscheiden. Das kommt einer Enteignung gleich“, sagte Marion von Kameke-Stahl. Die promovierte Tierärztin bewirtschaftet mit ihrem Mann Dr. Kartz von Kameke das BioGut Wallenburg. „Die Stadtwerke München haben uns angeboten, die in der Schutzzone II liegenden Flächen zu kaufen. An dem zunehmend kläglichen Rest sind sie nicht interessiert, den dürften wir behalten“, sagte Kartz von Kameke. Er ist Mitbegründer der BI Heimatwasser und will sich gegen die Pläne der Landeshauptstadt mit allen Mitteln wehren.

Betriebsentwicklung wäre unmöglich

Auch für Ökolandwirt Alois Fuchs ist die geplante Schutzzonenausweitung existenzgefährdend. Er hat einen Betrieb mit 25 Milchkühen und 17 ha Eigenfläche, die komplett im erweiterten Gebiet läge. Ferner hätte er keine Möglichkeiten mehr für Baumaßnahmen auf seiner Hofstelle. „Mein 19-jähriger Sohn möchte den Betrieb einmal übernehmen, aber wir wissen nicht, wie es weitergeht“, sagte der Ökolandwirt und fügte hinzu: „Wir Landwirte sind wahre Wassermanager. Das Wasser hat eine prima Qualität. Wir verstehen nicht, warum dieser Hammer kommt.“
Angesichts der Ausweisungen von Wasserschutzgebieten im Landkreis Miesbach durch die Stadtwerke München wurde bereits im Jahr 2008 der Verein „Unser Wasser – Verein zur Wahrung von Eigentum und Eigenständigkeit im Landkreis Miesbach e. V.“ gegründet. „Das war notwendig, weil wir uns einem starken Partner gegenübersehen“, sagte Vereinsvorsitzender Norbert Kerkel. Durch die Schutzgebietsausweisung erleidet die Landwirtschaft die stärksten Einbußen, aber auch zahlreiche Bürgerinnen und Bürger und vier Gemeinden sind betroffen. „Dabei ist die Ausweisung völlig unnötig, weil das Wasser jetzt bereits beste Qualität hat“, so Kerkel.
Mit vielen Leuten hat Gisela Hölscher, Gemeinderätin in Waakirchen, gesprochen. „Der Zorn ist groß, weil die Bürgerinnen und Bürger nicht gehört werden. Wir wollen, dass auf Augenhöhe verhandelt wird“, sagte sie.
Die BI Heimatwasser erwartet, dass der Trinkwasserversorger selbst alle technischen Maßnahmen zum Schutz des Trinkwassers unternimmt, auch wenn es umfangreiche Investitionen erfordern sollte, statt mit einer erweiterten Wasserschutzzone inakzeptable Folgekosten auf den Landkreis Miesbach abzuwälzen. Die BI machte aber auch klar, dass sie einen Wasserschutz nicht verhindern will. „Wir sind für ein transparentes, modernes und zukunftssicheres Wassermanagement zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger in Städten und Gemeinden. Wir sind aber gegen staatliche und behördliche Willkür“, heißt es im Gründungspapier der BI. Ludwig Holly