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Kontroverse

Streit um Kuhfladen: Landwirt soll Strafe zahlen

Kuhfladen-Foto
Philipp Seitz
Philipp Seitz
am Freitag, 29.07.2022 - 15:20

Weil seine Kühe eine Straße in Oberbayern verunreinigt haben, droht einem Landwirt eine saftige Strafe. Nun schaltet sich der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger ein.

Pähl - Landwirt Georg Schweiger versteht die Welt nicht mehr. Weil seine Kühe eine Straße in der oberbayerischen Gemeinde Pähl verunreinigt haben, soll er nun eine Strafe zahlen. Die Gemeinde Pähl im oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau habe ein Bußgeld von 128,50 Euro verhängt: 100 Euro Bußgeld und 28,50 Euro für die Bearbeitung. Schweiger will sich das nicht gefallen lassen. Er hat bei der Gemeinde bereits Einspruch eingelegt. Sollte die Gemeinde die Forderung aufrechterhalten, kann sich der 51-jährige Landwirt auch vorstellen, vor Gericht zu ziehen: „Grundsätzlich wäre es richtig, denn richtig finde ich das nicht.“

Nun kommt unverhoffte Hilfe. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger will das Bußgeld übernehmen, sollte der Landwirt wirklich die Strafe bezahlen müssen. Dem Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt sagte der Parteivorsitzende der Freien Wähler am Freitag: „Ich komme persönlich vorbei und zahle für den Landwirt die Strafe.“ Aiwanger kündigte an, den Betrieb zu besuchen und sich persönlich ein Bild vor Ort machen zu wollen.

Aiwanger-Porträt

Er kritisierte: „In Zeiten, in denen sich Menschen auf die Straße kleben und dafür keine Strafe bezahlen müssen, ist es schon bezeichnend, wenn man Strafe zahlen muss, wenn eine Kuh auf die Straße scheißt.“ Weiter sagte Aiwanger: „So viel Verständnis muss man aufbringen, dass Kühe eben, wenn sie auf die Weide gehen, Hinterlassenschaften produzieren.“ Bringe man dieses Verständnis nicht mehr auf, dann bedeute das auch das Aus für die Weidebetriebe und den Weidegang. „Solche Verschmutzungen sind unvermeidbar. Wenn dann stets mit Bußgeldern zu rechnen ist, dann marschieren diese Kühe nicht mehr auf die Weide, sondern direkt zum Metzger. Denn der Landwirt lässt sich ja dafür nicht ständig öffentlich anfegen.“

Am Sonntag würden Lobesreden auf die bäuerliche Landwirtschaft gehalten, am Montag werde "der Landwirt verknackt, wenn die Kuh auf die Straße scheißt". Natürlich müsse der Landwirt alles unternehmen, „um den Dreck dann schnell zu entfernen“. Aber das gehöre in Gebieten, in denen Kühe noch auf die Weide getrieben, zwangsweiße dazu, sagte Aiwanger. Er betonte: „Ich kann die Kühe halt nicht mit dem Hubschrauber auf die Weide fliegen und ihnen auch keine Windel anlegen. Das passiert eben, dass die Kuh auf die Straße scheißt. Und da muss man mit Verständnis haben. Die Kühe prägen das Ortsbild in diesen Weideregionen und das muss man dann im Zweifel auch tolerieren.“

Auch im Gemeinderat von Pähl war der Kuhfladen-Streit ein Thema. „Ich glaube, dass das ein Eigentor war“, sagte Gemeinderat Helmut Mayr in der Sitzung am Donnerstag. Auf der Tagesordnung standen die Kuhfladen nicht, Mayr nutzte aber den abschließenden Punkt „Allgemeines und Informationen, um „das Problem Kuhscheiße“ anzusprechen, das in dem Dorf am Südende des Ammersees gerade Tagesgespräch ist. Einerseits werde von Verbrauchern gefordert, dass die Kühe auf die Weide gebracht werden müssten, andererseits bestrafe man einen Landwirt, der diese Forderung erfülle. Dass dabei die Straße verschmutzt werde, sei unvermeidlich.

Der angesprochene Bürgermeister Werner Grünbauer sagte dazu, dass er handeln musste, da die Anzeige vom übergeordneten Landratsamt gekommen sei. Er dürfe in seiner Funktion als Bürgermeister den Fall nicht ignorieren. Mayr – und andere Gemeinderäte – sehen die Gefahr, dass diese Anzeige „zugezogene Bürger“ motivieren könnte, gegen weitere Eigenheiten des dörflichen Lebens wie etwa das Krähen von Hähnen oder das Läuten von Kirchenglocken vorzugehen.

Mit Material von Alfred Schubert aus der Gemeinderatssitzung.