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Kontroverse

Streit um Hähnchenmastanlage geht weiter

Hähnchenmastanlage
Ludwiga Friedl
Ludwiga Friedl
am Samstag, 05.06.2021 - 15:46

Der Bund Naturschutz drängt darauf, dass einer Hähnchenmastanlage in Eschelbach die Betriebsgenehmigung wieder entzogen wird.

Eschelbach/ Lks. Pfaffenhofen/Ilm Der Streit um die bereits fertiggestellte Hähnchenmastanlage in Eschelbach, Gemeinde Wolnzach, im Landkreis Pfaffenhofen, geht in die nächste Runde. Sie konnte damals nach einem Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtes nicht in Betrieb genommen werden. Damit wurde einer Klage des Bundes Naturschutz (BN) stattgegeben.

In der Urteilsbegründung hieß es, um die an einen landwirtschaftlichen Betrieb geknüpften Voraussetzungen zu erfüllen, müsse die Anlage über einen Zeitraum von etwa 30 Jahren über ausreichend viel landwirtschaftliche Fläche verfügen, um mehr als die Hälfte des anfallenden Futterbedarfs selbst erzeugen zu können. Dies hat das Gericht für die Masthähnchenanlage damals verneint. Landwirt Josef Höckmeier, der in dritter Generation Geflügelmast betreibt, legte daraufhin Berufung ein.

Bei dem reduzierten Tierbestand habe der Landwirt über einen langjährigen Zeitraum so viel Fläche, dass er die Hälfte des Futters selbst erzeugen kann. Wie der Pressesprecher des Landratsamts Pfaffenhofen, Christian Degen, bestätigte, hält der Betrieb inzwischen Hähnchen in den beiden neuen Stallungen. Am 6. April diesen Jahres konnten die Tiere eingestallt werden.

BN will wieder Berufung einlegen

Dagegen will nun der BN wieder Berufung einlegen. Mit einer umfangreichen Klagebegründung rechnet sich der BN Chancen aus, dass dem Betreiber der nunmehr 124 600 Stallplätze umfassenden Hähnchenmastanlage in Eschelbach die Betriebsgenehmigung, die erst im Januar erteilt wurde, wieder entzogen wird.

Zur Erhaltung der bayerischen noch mittelständisch geprägten Agrarstruktur sei es erforderlich, den Konkurrenzdruck durch Tierhaltungsanlagen im industriellem Maßstab einzuschränken. „Mit Vorgaben zu einer flächengebundenen Tierhaltung von zwei Großvieheinheiten pro Hektar und der Pflicht zu höheren Anteilen selbsterzeugten Futters, statt einer theoretischen Futterrationsberechnung, könnte der Bau überdimensionierter Tierhaltungsanlagen erschwert werden“, erläutert Marion Ruppaner, BN Agrarreferentin.

„Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass Bioanbau in unserem Landkreis vorangebracht wird und Anlagen, wie die in Eschelbach verhindert werden, da sie eine falsche Weichenstellung sind, wenn wir zu einer tier- und umweltgerechten Fleischerzeugung kommen wollen, sagt Christine Janicher-Buska, stellvertretende Vorsitzende der BN Kreisgruppe Pfaffenhofen.

Landwirt Josef Höckmeier hält dagegen. „Wir erfüllen modernste Standards, sowohl beim Tierwohl als auch im Umweltschutz“, sagte er der Süddeutschen Zeitung.