Breit aufgestellt

Straußenhaltung - aus Begeisterung für Exoten

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Helga Gebendorfer
am Montag, 05.08.2019 - 12:56

Neben Damwild und der Imkerei spezialisierten sich Erich und Beate Zimmermann in Gelbelsee im Landkreis Eichstätt auf die Straußenhaltung.

Der Diplom-Elektrotechnikingenieur und die Dienstleistungsfachkraft im Postbetrieb bewirtschaften seit zwei Jahren im Vollerwerb neben 1 ha Wald 20 ha LN. Diese teilt sich auf in 10 ha Wiesen, davon 4 ha Straußengehege, 5 ha Acker und 5 ha Solarfläche.

1992 übernahmen die Beiden den Hof, der bis dahin von Rinder- und Schweinehaltung lebte. Bereits 1981 legte Erich Zimmermann mit der Damwild- und Rotwildhaltung den Grundstein für die Direktvermarktung. Nach zehn Jahren Weidehaltung mit Angus-Rindern stellte der 54-Jährige dann vor sieben Jahren auf Strauße um. „Wir suchten eine Alternative und diese Tiere haben mir schon immer gefallen“, begründet er diesen Schritt. Als Jugendlicher scheiterte die Anschaffung noch aus finanziellen Gründen. Doch 2012 war es dann nach dem Besuch auf einem anderen Straußenhof und der Verkostung des Fleisches soweit. Die ersten 13 Strauße zogen bei den Zimmermanns ein. Die Vermarktung lief gut und so dauerte es nicht lange, bis die Tierzahl aufgestockt wurde. Jetzt werden im Durchschnitt 40 bis 50 Tiere pro Jahr gehalten. Hinzu kommen 15 Damwild-Alttiere, 70 Enten und verschiedene Hobbytiere wie zwei Trampeltiere, zwei Pferde und zwei Neufundländer.

Aufzucht ist schwierig

Inzwischen haben Erich und Beate Zimmermann bereits einige Erfahrungen bei der Haltung der großen Vögel gesammelt. So werden in Gruppen von 20 bis 25 Tieren Eintagsküken von einer Straußenfarm mit Brutbetrieb gekauft. „Die Anfangszeit ist sehr kritisch und bereitet viel Arbeit“, weiß Zimmermann, der von einer Sterblichkeitsrate vom Küken bis zum Erwachsenenalter von 25 bis 30 % berichtet. Die Kleinen brauchen sehr viel Wärme mit Temperaturen von anfangs 35°C. Deshalb sind eine elektrische Bodenheizung und Wärmelampen ein Muss.
Hinzu kommt, dass die Bodenfläche einstreufrei gehalten werden muss. „Die kleinen Strauße müssen erst lernen, wie und was sie fressen sollen“, so der Direktvermarkter, der als Futterration eine Kombination aus Kükenfutter, Haferflocken und Gras in 5 mm Länge auf den Boden „einstreut“. Voraussetzung ist außerdem eine tägliche Komplettreinigung der Bodenfläche. „Die Tiere sind extrem empfindlich, was die Fütterung betrifft“, fasst der Geflügelhalter zusammen.
Damit nicht genug: Die jungen Strauße dürfen nicht nass werden und müssen vor Zugluft geschützt werden, bis sie drei bis vier Monate alt sind. Aus diesem Grund bekommen sie an schönen Tagen erst nach drei bis vier Tagen Auslauf ins Freie auf eine Sandfläche und nach zwei Wochen ins Gras. Zudem verbringen sie die ersten drei Monate nachts im Stall. Die erwachsenen Tiere ernähren sich zu 80 % vom Gras im Gehege und erhalten dazu Gersten- und Weizenschrot sowie eine Mineralfutter-Mischung.
Jährlich werden zwei neue Küken-Gruppen mit 20 bis 25 Tieren aufgestallt. Geschlachtet werden sie im Alter von 14 bis 24 Monaten und einem Lebendgewicht von 110 bis 120 kg. Je nach Bedarf fallen pro Schlachtung alle fünf bis sechs Wochen zwei bis vier Tiere an. Erich Zimmermann hat dafür einen speziellen Schlachtlehrgang absolviert und nutzt seinen seit 2013 zertifizierten Schlachtraum. Nach der Betäubung mit einer Elektrozange werden die Tiere entblutet, trocken gerupft, abgeledert, aufgebrochen und nach einem Tag im Kühlraum in Teilstücke zerlegt, von den Knochen befreit und vakuumiert. Die Besonderheit beim Strauß: Jeder Muskel ist von einer Silberhaut umgeben und muss entvliest werden, wozu sich der Straußenhalter extra eine Maschine angeschafft hat.
Das Ergebnis: 30 bis 35 kg vermarktbare Ware. Das ergibt rund 14 kg Steaks und bis zu 10 kg Filet. Der Rest teilt sich auf in Bratenstücke, Hackfleisch für den Eigengebrauch und Abschnitte für die Salamiherstellung durch einen Metzger in der Nähe. Die Fleischstücke wiegen 250 g bis 2,5 kg und sind frisch bei 1°C bis zu vier Wochen haltbar. Sie werden ganzjährig zu 100 % ab Hof vermarktet – seit zwei Jahren im 13 m² großen Hofladen. Es gibt keine festen Öffnungszeiten, sondern die Kunden geben vor Abholung der bestellten Ware telefonisch Bescheid. Die Stammkundschaft wird über ein Rundmail informiert, wenn geschlachtet wird. Auf diesem Weg wird zwei Drittel des Fleisches verkauft. Der Rest geht an Laufkundschaft.
Zum Kundenkreis gehören vor allem junge Leute, die Wert auf Kurzbratenstücke sowie fett- und cholesterinarmes Fleisch legen. Sie schätzen die artgerechte Haltung der Tiere sowie die Fleischqualität und können das Gehege jederzeit besuchen. „Immer mehr Menschen essen weniger, aber hochwertiges Fleisch und das kommt uns entgegen“, stellen die Straußenhalter fest, die neben einer Internetseite auf Werbung über Mund-zu-Mund-Propaganda setzen.
Zusätzlich zum Straußenfleisch bieten sie in ihrem Hofladen Tages-, Nacht- und Handcreme mit Straußenfett an, die von einem Straußenhalterkollegen bezogen wird. Das Sortiment ergänzen Staubwedel, Leer- und Volleier – gelegt von Tieren mit zwei bis drei Jahren – sowie Geldbeutel aus Straußenleder. Diese stammen von dem Händler, der das Rohleder abnimmt.

Erich und Beate Zimmermann zeigen sich zufrieden über die Entwicklung dieser Schiene. „Strauße sind Exoten und ich liebe Exoten“, verrät der 54-Jährige. Grundsätzlich macht ihm und seiner Frau die Straußenfarm viel Spaß, wenn auch viel Arbeit damit verbunden ist. „Vor allem in den ersten Lebenswochen genauso wie bei der Schlachtung sind Fingerspitzengefühl und Erfahrung gefragt“, ziehen sie Bilanz. In Zukunft soll die Tierzahl auf bis zu 100 Tiere verdoppelt werden. Dazu wird ein neuer Stall gebaut.

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