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Trassenführung

Straßenbau: Asphalt statt Acker

BBV Umgehungsstrasse Weilheim
Barbara Höfler
am Montag, 13.06.2022 - 11:00

Bauern suchen Kompromiss: Pläne für Weilheimer Umgehungsstraße soll Landwirte berücksichtigen

Wenn die Umgehungsstraße für Weilheim kommt, wird sie landwirtschaftliche Flächen kosten. Zum Beispiel die von Ludwig Leis. Der Ortsobmann von Deutenhausen baut auf seinem Acker am westlichen Ortsrand der Kreisstadt auf einem Hektar Gerste an. Leis rechnet mit 5 t Ertrag. Kann er die nicht woanders produzieren, wenn hier die Trasse verläuft, die Weilheim vom Verkehr entlasten soll? „Nein“, sagt Leis. Im Landkreis gibt es nach BBV-Angaben noch ca. 12 % Ackerfläche. „Wenn der Boden weg ist, ist er weg.“

Seit 20 Jahren geplant, ebenso lang umstritten

Seit zwei Jahrzehnten plant Weilheim die Entlastungsstraße, immer wieder gerät der Prozess ins Stocken, werden Verlaufsvarianten ergänzt und verworfen. Mittlerweile haben sich vier mögliche Trassenverläufe herauskristallisiert – und vier Bürgerinitiativen, zwei Pro, zwei Contra. Die Kommune startet nächstens eine Bürgerbefragung. Um hier auch die Haltung der Landwirte deutlich zu machen, haben die Bauern jetzt ein Positionspapier erarbeitet. Dass es, je nach Trassenvariante, nicht wenige von ihnen betrifft, zeigte sich beim Pressegespräch vor Ort: Vertreter kamen jeweils aus den BBV-Ortsverbänden Weilheim, Deutenhausen, Eberfing, Unterhausen, Etting, Oderding, Polling und Wielenbach.

„Wir sind nicht die Verhinderer dieser Umfahrung“, brachte Kreisobmann Wolfgang Scholz die Position der Landwirte auf den Punkt. „Wir wollen konstruktive Vorschläge einbringen, die unsere Belange berücksichtigen.“ Oberstes Ziel: So wenig landwirtschaftliche Fläche wie möglich soll verloren gehen. Dafür soll eine Variante gewählt werden, die die größtmögliche bewirtschaftbare Untertunnelung bietet und möglichst nah an der Stadt entlang führt. „Je ortsferner der Trassenverlauf, desto gravierender der Flächenverbrauch.“

Sichergestellt muss auch sein, dass das Wirtschaftswegenetz weiter funktioniert. Würde die Umfahrung als Kraftfahrtstraße geplant, auf der Traktoren verboten sind, zöge das weitere Straßenbaumaßnahmen nach sich, erklärte Kreisgeschäftsführer Thomas Müller.

Bauamt: Ob Straße kommt, ist noch offen

Ein wichtiges Thema sind die Ausgleichsflächen. Statt Landwirtschaftsgrund dafür zu entziehen, müssen „unabdingbar kooperative Wege beschritten werden“, heißt es im Positionspapier, etwa produktionsintegrierte Maßnahmen oder die Nutzung vorhandener Ökokonten.

Laut Andreas Lenker, Abteilungsleiter Straßenbau im Lks. Weilheim-Schongau, geht es um 12 bis 14 Hektar bebaute Fläche. Laut BBV um ein Vielfaches, alles in allem. Ob die Umfahrung kommt, ist offen. Seit 2016 steht das Projekt im Bedarfsplan der Bundesregierung. 2026 folgt die Neubewertung. Und auch die Entscheidung der Kommune steht noch aus.