Direktvermarktung

Wo die Sternenköche einkaufen

Sepp´n-Bauer Bernau
Martina Fischer
am Freitag, 19.03.2021 - 14:46

Der Hofladen beim Sepp'n-Bauer war im TV bei „Kitchen Impossible“ zu sehen. Prominente Köche setzen auf die Produkte.

Ein regionaler Hofladen kann es mit seinen Produkten bis in die Küchen von Sternegastronomen schaffen. Das zeigte sich jüngst bei einer Folge von „Kitchen Impossible“ auf Vox. Bei der Sendung war auch der Sepp'n-Bauer in Bernau am Chiemsee mit von der Partie. Der Laden ist aber nicht nur im TV, sondern derzeit allgemein noch gefragter als sonst. Von den Kunden gab es eine Auszeichnung und viel Zuspruch für ein neues Projekt, das über Genussrechte finanziert wurde.

Die Folge von „Kitchen Impossible“ wurde in der dritten Februarwoche ausgestrahlt. Zu Besuch beim Sepp'n-Bauern war das TV-Team allerdings bereits im vergangenen November. Das Sendungskonzept: Gastgeber und Koch Tim Mälzer lädt einen renommierten Kollegen ein und schickt ihn zu einem anderen Sternekoch. Dort soll er ein Gericht dieses prominenten Küchenchefs so gut wie möglich erschmecken und nachkochen. Es erfolgt eine Punktebewertung durch eine Jury.

Selbst produzierte Wurst und regionale Angebote

In diesem Fall schickte Mälzer den Kölner Zwei-Sterne-Koch Daniel Gottschlich zum berühmten Heinz Winkler nach Aschau im Chiemgau. Die Aufgabe für den Kölner: Winklers „Kampenwandbock“ – ein Rehgericht mit Geflügel-Farce-Hülle im Teigmantel – nachkochen. Gottschlichs erster Gang für die nötigen Produkte führte ihn in den Hofladen des Sepp'n-Bauern. Schließlich kauft dort auch Sternekoch Winkler für sein Lokal ein, wie Senior-Bäuerin Mariele Simon erklärt. Er schätzt das Fleisch der Pinzgauer-Rinder, die beim Sepp'n-Bauern in Freilandhaltung leben. Ebenso die selbst produzierten Wurstwaren und weitere regionale Produkte, die im Angebot sind.

Also kam das Fernsehteam für einen Nachmittag in den Hofladen. Der und auch die Seniorchefin waren so im TV präsent. Und eine schöne Erfahrung mit Sternekoch Gottschlich war es zudem. „Ein ganz netter, unkomplizierter Typ. Gar ned überheblich,“ war die Bäuerin angetan. Im Laden fand er praktisch alles, was er für das Gericht benötigte: Rehrücken aus hofeigener Jagd, das Fleisch der Freilandhühner, Eier, Mehl aus der Region, Sahne der Berchtesgadener Molkerei, Butter vom Hof, Obstessig, Rotwein, Sellerie und Blaukraut für die Beilagen. „Alles von uns oder unseren regionalen Zulieferern,“ erklärt Simon.

Genau dieses umfassende Konzept des Hofladens, der seit 2003 besteht, kommt auch bei den Kunden sehr gut an. Sie finden ein vielfältiges Fleisch- und Wurstangebot, das neben Rind und Huhn auch Schwein, Lamm, Gänse und Enten des Betriebes inkludiert. Nudeln, Marmelade, Honig, Käse, Joghurt, Schnäpse und Liköre, Brot, Kuchen und Schmalzgebackenes gibt es genauso. Ein Rundumpaket, bei dem im vergangenen Jahr auch noch das regionale Gemüsesegment ordentlich erweitert wurde. „Die Leute wollen alles an einem Platz kaufen,“ erläutert Simon die Grundidee. Die kommt so gut an, dass der Sepp'n-Bauer bei einer Online-Abstimmung das zweite Mal in Folge das Prädikat „Bester Hofladen des Jahres im Chiemgau“ erhielt.

Wertschätzung für regionale Produkte steigt

Der Laden ist es auch, der den Betrieb durch Corona bringt. Andere Angebote wie Kutschenfahrten, Besuche von Schulklassen, Kindergartenkindern und Busgruppen oder die Bauernhof-Rallye sind weggefallen. Aber der Einkaufsbereich boomt. Die Kunden würden aufgrund der Pandemie nicht mehr so weit weg wollen und Regionales umso mehr schätzen, so Simons Erfahrung.

Hühner

Dabei zeigte sich aber auch, dass ganz unerwartete Hamsterkäufe getätigt wurden. Plötzlich wollten Kunden bis zu dreißig Hühnerbrüste auf einmal. Die Chefin erklärte, dass hierfür Vorbestellungen nötig seien. Diese werden inzwischen vermehrt getätigt – auch via Internet. Weihnachten brachte eine weitere Erfahrung. „Plötzlich wollte jeder eine Gans“, erinnert sich die Senior-Chefin. Der Run auf das Federvieh war so groß wie nie zuvor.

Was das Federvieh betrifft, wird es beim Sepp'n-Bauern zudem noch eine Neuerung geben: einen mobilen Hühnerstall, durch den der Hennenbestand von 100 auf 220 erhöht werden kann. Draußen scharren können die Tiere jetzt schon, aber die Senior-Chefin hatte schon länger den Traum, dass die Hühner immer frisches Grün geboten bekommen. Finanziert wurde das Hühnermobil über Genussrechte. Der Zuspruch der Kunden war sehr gut. Die benötigten 50 000 Euro wurden erbracht, zur Freude der Bäuerin. Die Entwicklung von Hof und Hofladen geht also sukzessive weiter. Das gilt auch für die nächste Generation. Tochter und nun Junior-Chefin Franziska wird den Betrieb übernehmen. „Ich bin so stolz, dass sie weitermacht,“ erklärt Mariele Simon.