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Versammlung

Starke Landfrauen für starke Region

Mettenheim
Katharina Heinz
am Montag, 24.02.2020 - 11:42

Landfrauentag Mühldorf stellt Wertschätzung für Bäuerinnen in den Mittelpunkt.

Mettenheim/Lks. Mühldorf - Bäuerinnen leisten einen unersetzlichen Beitrag in Haus, Hof und Dorf. Wenn es um Anerkennung und Lob geht, kommen sie aber oft zu kurz. Für ein bisschen Wiedergutmachung sorgte der Landfrauentag des Bayerischen Bauernverbandes Mühldorf in Mettenheim, der unter dem Motto „Starke Frauen für eine starke Region“ stattfand. Er war nicht nur einen Ehrentag für die Bäuerinnen, sondern stand auch noch ganz im Zeichen des Valentinstages.

Schon beim anfänglichen Wortgottesdienst von Diakon Manfred Scharnagl in der Kirche St. Michael ging es um den Tag der Liebe. Im Gasthaus Kreuzerwirt warteten auf die Landfrauen dann Blumenschmuck aus Tul­pen und Rosen in Rosa-Tönen sowie ein Schoko-Küsschen an jedem Platz. „Das ist ein Tag für Sie“, begrüßte Mühldorfs Kreisbäuerin Anna Senftl die zahlreichen Landfrauen im vollbesetzen Saal. 
 

Große Aufgaben in schwierigen Zeiten

Große Aufgaben in schwierigen Zeiten kommen auf die Landfrauen zu – das war das Fazit aus den Ausführungen von Kreisbäuerin Senftl. Sie thematisierte das Bienen-Volksbegehren, dessen Umsetzung „viele Einschnitte für die Landwirte“ mitbringe. Doch Senftl konnte dem auch etwas Positives abgewinnen. Denn immerhin würden nun die „Alltagskompetenzen“ in den Lehrplan der Schulen aufgenommen, worauf die Landfrauen schon länger gedrängt hatten. „Das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung“, so die Kreisbäuerin. Nun sei es bedeutend, dass diese Kompetenzen auch von echten Praktikerinnen vermittelt würden. „Und wer kann besser erklären, wo unsere Lebensmittel herkommen und wie man mit ihnen umgeht, als unsere Hauswirtschafterinnen?“, meinte sie. 

Die Kreisbäuerin lobte die Initiative von „Land schafft Verbindung“ sowie die Anstrengungen des Bauernverbands, der noch immer der erste Ansprechpartner der Landwirte in der Politik sei. 
Jeder einzelne sei aber gefragt, ein positives Bild der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit abzugeben. Es sei vonnöten, aufeinander zuzugehen und die Landwirtschaft zu erklären, um etwas in der Region vorwärts zu bringen. Dass die Landfrauen bei diesen Aufgaben eine wichtige Rolle spielen, verdeutlichen auch die moderierten Grußworte vom Landtagsabgeordneten Marcel Huber, Tögings Landwirtschaftsamtsleiter Josef Kobler, Mühldorfs stellvertretender Landrat Alfred Lantenhammer und Mühldorfs BBV-Kreisobmann Ulrich Niederschweiberer. 

Frauen pflegen die Tradition

Auf die Frage der Bedeutung von starken Frauen betonte etwa Huber, dass ein Europa der Regionen ohne sie nicht denkbar sei. Immerhin seien es die Frauen, die die Traditionen pflegten. Gefragt nach der aktuellen Stimmung in der Landwirtschaft betonte Lantenhammer, dass er den Landkreis Mühldorf als landwirtschaftliche Zukunftsregion sehe. Niederschweiberer dagegen beschrieb die Stimmung als „frustriert und deprimiert“. Es sei höchste Zeit, etwa im Bereich Düngeverordnung praxisorientierte Lösungen zu finden – und es reiche nicht, den Bauern einfach Geld vor die Füße zu werfen. Kobler beschrieb eine „Entfremdung“ zwischen Gesellschaft und Landwirtschaft, die man überwinden müsse. Dass die Frauen dabei eine wichtige Rolle spielen, da waren sich alle vier einig. Sie haben ganz andere Kanäle, in die Gesellschaft hineinzuwirken.

Große Anerkennung für die Landfrauen zeigte auch die Hauptrednerin des Tages, Europaabgeordnete Ulrike Müller. Selbst Landwirtin auf einem Milchviehbetrieb im Oberallgäu wusste sie, wovon sie sprach. „Die Region ist immer nur so stark wie ihre Landfrauen.“ , sage sie. Auf humorvolle Art gab sie den Bäuerinnen auch einige ganz private Tipps. So warb sie etwa für Toleranz und Offenheit beim Leben in der Großfamilie. Außerdem riet sie, dem Partner die eigenen Wünsche mitzuteilen. 

Sich eigene Wünsche erfüllen und Auszeiten schaffen – der Landfrauentag leistete da gleich praktische Hilfestellung. Denn nach einem geselligen Mittagessen stand eine Modeschau des Modehauses Röther auf dem Programm. Landfrauen und ihre Männer schlüpfen als Models in die aktuellen Frühlingskollektionen. In einer Ausstellung boten die Gartenbäuerinnen hübsche Kränze und Gestecke aus Ästen, Gräsern und Blumen an. Falls der ein oder andere Gatte das Valentinstagsgeschenk vergessen hatte, konnten sich die Landfrauen damit eine Freude machen. Nach dem Motto: Selbst ist die Frau – denn das gilt für starke Landfrauen ganz besonders.