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Rinderstall

Stallbau: Mit Verhandlungsgeschick zum Erfolg

Vorne neu, hinten alt: Mit guter Planung und Kalkulation konnte Leonhard Mayer aus dem Anbinde- einen Laufstall machen.
Bettina Hanfstingl
am Donnerstag, 10.11.2022 - 08:27

Der Vlf Rosenheimer Land besucht den Betrieb von Leonhard Mayer nach dessen Stallumbau.

Meisterstück der Kostenoptimierung: Leonhard Mayer zeigte rund 400 Besuchern seine Umbaulösung.

Mittenkirchen/Lks. Rosenheim  - Viel Planungszeit hat Leonhard Mayer in den Umbau seines Anbindestalles investiert. Dass das Ergebnis gelungen ist, davon überzeugten sich auf dem Jodl-Hof rund 400 Besucher der traditionellen Kirchweih-Hofbesichtigung des vlf Rosenheimer Land.

Mayer bewirtschaftet seinen Betrieb mit 44 ha zusammen mit seiner Frau Katrin und seinen Eltern, außerdem ist er beim Maschinenring Aibling-Miesbach-München im Büro angestellt. „Es wäre schade gewesen, den Betrieb aufzugeben, wir sind hier in Alleinlage, unsere Flächen sind arrondiert“, sagte er.

Altgebäude weiter nutzen

Bei der Planung des Umbaus war es ihm wichtig, die Altgebäude möglichst vollständig weiterhin zu nutzen. Dort wo vorher 45 Kühe in Anbindehaltung standen, befindet sich nun eine Liegehalle mit wandständigen Hochboxen mit Komfortmatten und ein Mittelgang. Den Futtertisch hat Mayer komplett ins Freie verlegt und mit einem neu errichteten Anbau überdacht. „Ich wollte alles in einer Achse haben, so dass ich mit dem Hoflader statt wie früher mit der Hand die Futterreste ausräumen kann“, erklärte er. Außerdem entstanden im Freien 40 zusätzliche Liegeplätze. „Jetzt haben wir 60 Kühe am Betrieb, mittelfristig sollen es 80 werden. Die Kälber verkaufen wir derzeit alle und kaufen dafür Kühe zu“, beschreibt er das Herdenkonzept.

Das Melken übernimmt der Roboter

Gemolken wird mit einem GEA Melkroboter mit der Möglichkeit, Kühe zu selektieren. Da die Kühe weidegewohnt waren, sei ihnen die Umstellung auf den Laufstall nicht schwer gefallen, so Mayer. Die Melktechnik fand ebenso im Altgebäude Platz wie eine Abkalbebox: Hier wurde ein altes Tiefsilo verfüllt und der gewonnene Platz zur Strohbox umgebaut. Weitere Arbeitsbereiche wurden automatisiert. Neben einem Futteranschieberoboter dreht ein Gülle-Saugroboter seine Runden.

„Der Collector läuft etwa 25 mal am Tag, er hat drei einprogrammierte Routen, die er abfährt. Für Altbaulösungen mit vielen verschiedenen Teilflächen ist das ideal“, erklärte Mayer. Die Umbauplanung erstellte er selbst, lediglich den Eingabeplan musste ein Bauzeichner anfertigen. Die Kosten behielt er von Anfang an im Blick. „Ich habe viele Angebote eingeholt und darauf geachtet, möglichst früh Preise fix zu machen. So wusste ich beim Einreichen des Planes eigentlich schon bei jedem Gewerk, was es kosten wird.“

8100 € pro Kuhplatz

Für rund 8100 € pro Kuhplatz realisierte Mayer die Entwicklung vom Anbinde- zum Laufstall – inkl. Investition in die Automatisierung. „Viele Überlegungen zu machen lohnt sich“, konstatierte Monika Schaecke vom AELF Rosenheim. Anna Bruckmeier, Schulleiterin am AELF Rosenheim bekräftigte das: „Das Optimum muss man suchen, nicht das Maximum.“ Nach dem Betriebsrundgang beantwortete Leonhard Mayer noch viele Fragen – bei Kaffee und Kuchen und Musik von der Vonga Vierer Blosn.