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Sonderkulturen

Die Spargelpreise könnten steigen

Spargelstechen
Johanna Fry
am Donnerstag, 24.03.2022 - 15:09

Die ersten Spargelbauern stehen in den Startlöchern. Doch höhere Kosten und knappe Arbeitskräfte sorgen für Unsicherheiten.

München Mit den ersten wärmeren Frühlingstagen beginnt auch in diesem Jahr der Wettlauf um den ersten, frisch geernteten Spargel. Heuer beginnt die Spargelsaison am Montag, 28. März, auf dem Viktualienmarkt in München. Dort stechen Ministerpräsident Markus Söder und Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber gemeinsam mit der Schrobenhausener Spargelkönigin den ersten Spargel des Jahres. Im niederbayerischen Abensberg ist es am 8. April soweit.

Ein Fernduell im Spargelstechen zwischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger vom Koalitionspartner Freie Wähler wird es in diesem Jahr voraussichtlich nicht mehr geben. Im vergangenen Jahr hatten die Staatsminister kurz nacheinander die Saison eröffnet – Kaniber in Unterfranken, Aiwanger zwei Tage später in Oberbayern. Derzeit sei kein Spargelstich mit Aiwanger eingeplant, teilte das Wirtschaftsministerium dem Wochenblatt auf Anfrage mit.

Mit der Spargelernte selbst haben bislang nur wenige Betriebe gestartet. Kühle Nächte verzögern die Reife des begehrten Gemüses. Früh gereifter Spargel ist nur mit doppelter Folie oder Folientunnel möglich. „Viele Betriebe dämmen gerade ihre Felder auf. Sie richten die Unterkünfte her und kümmern sich um ihre Hygienekonzepte“, berichtet Miriam Adel, Vorsitzende des Spargel-Erzeugerverbands Franken. Sie sieht aber auch einen Vorteil am frühen Spargel, den einige Betriebe bieten können: „Die Verbraucher bekommen bei den ersten wärmeren Temperaturen Lust auf Spargel. So können sie auf heimische Ware zurückgreifen und kaufen keinen importierten Spargel mit schlechter Klimabilanz.“

Insgesamt blicken die Erzeuger positiv auf die neue Saison. „Das Wetter passt, Mitte April sind wir richtig startklar“, sagt Andreas Prücklmayer, stellvertretender Vorsitzender der Erzeugergemeinschaft Abensberger Qualitätsspargel. Trotzdem ist auch in diesem Jahr ist das Thema Arbeitskräfte bestimmend. „Viele Betriebe arbeiten seit Jahren mit dem gleichen Stamm an Arbeitskräften zusammen. Für sie könnte es also gut ausgehen, aber es bleibt dennoch bis zum Erntebeginn spannend, ob ausreichend Erntehelfer nach Deutschland kommen“, sagt Lisa-Maria Puschak vom Spargel-Erzeugerverband Franken unserer Zeitung.

Der Großteil der Arbeitskräfte stammt aus Polen und Rumänien. In der Vergangenheit arbeiteten auch einige Ukrainer auf den deutschen Spargelfeldern. Wegen des Ukraine-Kriegs gibt es diesem Jahr aber kein Drittstaatenabkommen für ukrainische Arbeitskräfte. Ukrainische Geflüchtete dürfen zwar am deutschen Arbeitsmarkt teilnehmen. Wie das in der Praxis aussehen wird, ist aber noch unklar. Dazu kommt, dass die männlichen Ukrainer zum Militärdienst eingezogen sind und sich viele geflüchtete Frauen um ihre Familien kümmern müssen. Ein weiteres bestimmendes Thema sind die Betriebsmittelkosten. Im vergangenen Jahr sind nicht nur die Mindestlöhne für die Arbeitskräfte gestiegen. Auch Energie und Dünger sind teurer geworden. Dazu kommt, dass die Erzeuger nach wie vor aufwendige Corona-Hygienemaßnahmen auf ihren Betrieben einhalten müssen. „Das wird sich wahrscheinlich auch im Verkaufspreis für den Spargel widerspiegeln müssen“, sagt Miriam Adel.

Preisbewussten Verbrauchern gibt sie für den Spargel den folgenden Tipp: „Es muss nicht immer Handelsklasse 1 sein. Die anderen, günstigeren Handelsklassen und Hofsortierungen schmecken genauso lecker. Wichtig ist nur, dass die Stangen beim Kochen ungefähr gleich dick sind.“

Im vergangenen Jahr haben die bayrischen Bauern nach Zahlen des Landesamtes für Statistik insgesamt 3658 ha Spargel angebaut. Die Hälfte aller Spargelanbauer in Bayern ist in Franken ansässig. Die 150 meist kleineren Betriebe bewirtschaften aber nur 20 % der Anbaufläche. Der meiste Spargel wächst mit 1225 ha im Regierungsbezirk Schwaben. Insgesamt ist die Spargelanbaufläche im Freistaat den Zahlen zufolge seit einigen Jahren leicht rückläufig.