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Milcherzeugung

Sonderkündigungsrecht für Molkereien

Gemeinschaft
Martina Fischer
am Dienstag, 07.01.2020 - 11:52

Aufgrund des Tierschutzskandals in Bad Grönenbach drängen Molkereien auf ein schnelles Sonderkündigungsrecht für solche Fälle.

Rosenheim - Der Milchmarkt birgt weiterhin seine Herausforderungen. Das konnte man bei der Winterversammlung der Milcherzeugergemeinschaft (MEG) Rosenheim-Bad Aibling sehen, bei der die Ergebnisse aus 2018 und neu erstellte Verträge mit den Molkereien aufgezeigt wurden.

Als erste Rednerin kam eine Hoheit zu Wort: Milchkönigin Beatrice Scheitz aus Andechs. Die zeigte sich beeindruckt vom Raum Rosenheim als Milchregion. „Sie sind eine starke Säule,“ verwies sie auf knapp 200 Millionen Kilogramm Milch der MEG im vergangenen Jahr. Dabei räumte Scheitz – die selbst aus einem Milchviehbetrieb stammt – ein, dass es „für uns alle eine etwas schwierige Zeit“ sei. Zusammenhalt der Produzenten und eine bessere Stimmung bei den Verbrauchern wünschte sie sich deshalb. Sie und ihre Milchprinzessin Miriam Weiß würden als positive Botschafterinnen einen Beitrag dazu leisten, versprach Scheitz.

Als globaler Markt ist der Milchabsatz nicht nur mit regionalen, sondern auch mit nationalen und internationalen Gegebenheiten konfrontiert. Als Herausforderungen bezeichnete Moosner das Russlandembargo, ebenso wie einen 25-prozentigen Zoll, den die USA auf Milchprodukte aus der EU erheben würden. Seine besondere Kritik galt den Praktiken des nationalen Lebensmitteleinzelhandels. Trotz verringerter Einkaufspreise habe dieser die Verkaufspreise erhöht, was nie zuvor der Fall gewesen sei. „Und das Kartellamt schaut zu.“ kritisierte Moosner. Bei den Erzeugern komme nichts an. Immerhin sei aber für selbige in diesem Jahr allgemein eine gewisse Stabilität gegeben. Als wichtig empfand der MEG-Vorsitzende auch, auf die Verbraucher zuzugehen: „Wir haben nichts zu verbergen.“

Deutschlandweit stetige Absatzverluste (circa je fünf Prozent in den letzten Jahren) zeigte er für das Joghurtsegment auf. Bei Bio- und Weidemilch (plus 8,7 % und plus 12,9 % von Januar bis Oktober 2019) habe es hingegen klare Zuwächse gegeben. Ebenso sei der Absatz bei den Milchimitaten im selben Zeitraum um 32,4 % angestiegen, auf 112,6 Millionen Kilogramm. „Die werden ein richtiger Konkurrent für uns,“ sagte Moosner.

Höherer Absatz als 2017

Die MEG Rosenheim-Bad Aibling hatte mit einer Absatzmenge von 199,76 Mio. kg 2018 ein höheres Ergebnis als 2017 mit 197,18 Mio. kg. Die Zahl für 2019 liegt noch nicht vor. Abnehmer waren die Molkereien Bergader, Danone, Meggle, Bauer, seit 2018 wieder die M.V.S. An die Berliner Milcheinfuhr-Gesellschaft (B.M.G) wurde nur bis Mitte März 2018 geliefert. Sie ging unvermittelt in die Insolvenz. Lieferanten waren 2018 insgesamt 698 Mitglieder (2017: 717). Die Auszahlungspreise 2018 lagen mit Nachzahlung bei einer Spanne von 37,63 bis 32,44 ct. Letzterer Wert beeinflusst durch die Insolvenz der B.M.G. Für 2019 werden die Auszahlungspreise ohne Nachzahlung zwischen 35,74 und 33,75 ct liegen.

Einen Vertragspartner der MEG stellte Bernhard Mitter, Leiter Rohstoffeinkauf und Besamung der Molkerei Bauer, vor. Diese ist in fünfter Generation familiengeführt. Sie besteht aus einem Geflecht von neun Firmen und verfügt über die kleinste Besamungsstation in Bayern mit 30 Bullen. Sorge machte Mitter der seit Jahren deutlich rückläufige Joghurtmarkt. Gründe hierfür seien Geschmacksveränderungen bei den Kunden, ein Nachfragezuwachs im Bereich pflanzlicher Erzeugnisse und die Bevorzugung eiweißreicherer Produkte, wie etwa beim Skyr. Bauer steigt deshalb mehr im Dessertbereich und bei „to go“-Produkten ein und begreift den Biomarkt als Wachstumssegment.

Lachen als Ziel erklärt

Nach den Referaten kündigte MEG-Geschäftsführerin Katharina Zuckriegl den entspannenden Teil des Abends an. Aufgrund nicht allzu rosiger Zeiten „haben wir uns in der Vorstandschaft das Ziel gesetzt, dass sie wieder lachen können“.

Das gelang mit Kabarettist Josef Brustmann. Er erheiterte die Besucher mit teils skurrilen, teils nachdenklichen Schwänken aus dem Leben, mit Gstanzln oder dem Münchner Glockenspiel zum Mitsingen im spontanen musikalischen Duett mit der Milchkönigin.

Neuerungen bei Verträgen und Milchgeld-Absicherung

Bei der Winterversammlung der MEG Rosenheim-Bad Aibling wurden auch eine ganze Reihe Neuerungen verkündet. Mit Danone besteht seit Anfang Juli ein neuer Dreijahresvertrag. Aufgrund des Tierschutzskandals in Bad Grönenbach haben Molkereien nun die Möglichkeit, ein schnelles Sonderkündigungsrecht für solche Fälle zu fordern. Das vereinbarten die Molkereien Bauer und Bergader. Mit letzterer besteht ab Anfang 2020 auch ein neuer Vierjahresvertrag. Zusätzlich fordert sie einen Tierwohlstandard gemäß der Kombinationshaltung. Ein Umsetzungsdatum ist noch nicht fix.

Der Vertrag mit Meggle ist nach März 2019 automatisch um ein Jahr verlängert. In selbigem ist ab 2020 die gentechnikfreie Fütterung nach VLOG-Standard fixiert. Zudem darf nur überseefrei gefüttert werden. 

Die Allgäuer-Hofmilch Bio ist ein Verbund von sieben MEGs aus dem südbayerischen Raum, dem auch die MEG Rosenheim-Aibling angehört. Nach Insolvenz der B.M.G. ist es nun seit Mitte 2019 möglich, dass Biobetriebe ihre Milch dorthin liefern. 

Aufgrund großer Schwierigkeiten durch die Insolvenz der B.M.G. haben inzwischen fünf MEGs eine Warenkreditversicherung zur Absicherung des Milchgeldes abgeschlossen. Die Rosenheimer Vereinigung und die MEG Altötting waren hierbei Vorreiter.
Rund zehn weitere Milcherzeugergemeinschaften sind ebenfalls interessiert. Drei Monatsmilchgelder können so abgesichert werden. Bei Insolvenz einer Molkerei besteht inzwischen zudem auch ein schnelleres Kündigungsrecht seitens einer MEG.