Nachhaltige Landwirtschaft

Soja am Waginger See

Öko-LW-Serie_Huber Franz_#3
Dorothee Englschallinger
am Mittwoch, 31.03.2021 - 13:07

Landwirtschaftsmeister Franz Huber ist Sprecher der Eiweißinitiative der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel.

Landwirtschaftsmeister Franz Huber aus Felln bei Fridolfing sieht in seinem Grund nur eine Leihgabe, weshalb er sich seit Jahren damit beschäftigt, den Boden nachhaltig zu bearbeiten. Beim Ausprobieren bodenschonender Methoden hat er bereits viel praktische Erfahrung gesammelt. „Natürlich zahlt man auch Lehrgeld“, sagt er.

Eigene Photovoltaik und Biogasanlage

Trotzdem ließ sich der 55-Jährige nie von seinen neu begonnenen Wegen abbringen und bewirtschaftet den konventionellen Vollerwerbsbetrieb seit dem Jahr 2000 gentechnikfrei. Zusammen mit seiner Frau Lisa und Sohn Michael führt Franz Huber den landwirtschaftlichen Betrieb in der 13. Generation. Er kümmert sich um 40 Milchkühe mit Nachzucht, 36 ha Ackerfläche, 8 ha Grünland sowie eine kleine Biogasanlage mit 75 KW Leistung, die auf Güllebasis läuft.

Ohne die Biogasanlage müssten heute in dem Vollerwerbsbetrieb 80 Kühe im Stall stehen. Ein durchdachter Laufstall wurde vor 30 Jahren für eine in fünf bis sieben Jahren finanzierbare Summe gebaut. „Er würde heute aufgrund gestiegener Material- und Arbeitskosten das Vierfache kosten“, sagt Huber und weist auf den seit 30 Jahren gleichgebliebenen Milchpreis von etwa 38 Cent pro Liter hin.

Öko-LW-Serie_Huber Franz_#2

Zum Milchgeld generiert Franz Huber die Hälfte des betrieblichen Einkommens aus seiner Photovoltaikanlage und der kleinen Biogasanlage durch Einspeisung von 90 % der erzeugten Energie. Der Rest fließt in den Eigenverbrauch. Die Abwärme der Biogasanlage wird zu 100 % zum Heizen von vier Häusern und zum Trocknen von Holz verwertet.

Als Sprecher der Eiweißinitiative der Ökomodellregion Waginer See–Rupertiwinkel (ÖMR) möchte Franz Huber die regionalen Gegebenheiten seiner Heimat nutzen und in die Produktionsweise auf seinem Hof einfließen lassen. Unter anderem im „Arbeitskreis Regionales Eiweiß“. Dieser Arbeitskreis organisiert Feldbegehungen und verfolgt das Ziel, mehr Eiweiß selbst in der Region herzustellen bei geringerem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. So unterstützt Projekt- leiterin Marlene Berger-Stöckl von der ÖMR den Zusammenschluss von biologisch und konventionell arbeitenden Landwirten.

Auf diesen Feldbegehungen seien bereits viele interessante Möglichkeiten für den regionalen Eiweißanbau besichtigt worden. Neben Kleegras, Grünland und verschiedenen Weidesystemen wurden unter anderem Ackerbohnen oder Leguminosen-Gemenge aus Hafer, Erbsen und Gerste zusammen mit Rotklee-Luzerne als Untersaat beleuchtet.

Gute Erfahrungen mit der Sojabohne

Zudem erfuhren die Teilnehmer mehr über den Anbau von Winter-Erbsen- oder Winter-Weizen-Gemengen, die ganz ohne Pflanzenschutz auskommen. Aufgrund der klimatischen Bedingungen im Gebiet der ÖMR sei die Sojabohne mittlerweile zu einem vielfach angebauten interessanten Eiweißspender geworden. Mit den eiweißhaltigen Pflanzen und ihren guten Erträgen haben die Landwirte aus der ÖMR gute Erfahrungen gemacht.

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Auf den Feldern von Franz Huber wachsen unter anderem Kleegras sowie ein Klee-Luzerne-Gemenge. Diese Eiweißlieferanten bleiben anderthalb bis zwei Jahre stehen. Damit das eiweißreiche, gentechnikfreie Futter für seine Kühe besonders schmackhaft ist, setzt Franz Huber auf das Eingrasen.

Er nimmt den Mehraufwand als Chance zur Fütterung von jungem Eiweiß in Kauf und achtet auf die artgerechte Fütterung seiner Kühe, die es ihm mit einer guten Milchleistung und Tiergesundheit danken, was wiederum Bäuerin Lisa Huber beim täglichen Melken freut.

Anschließend wird Mais auf den Feldern angesät. Dieser werde nur einmal gegen Unkraut gespritzt und zeichne sich durch seine hohen Erträge und geringe Anfälligkeit gegenüber Krankheiten aus. Den Silomaisertrag verwendet Franz Huber hauptsächlich zur Beschickung seiner Biogasanlage.

Um Stickstoffauswaschungen zu vermeiden und dem Humusentzug entgegenzuwirken, sät der erfahrene Landwirt als Winterbegrünung Grünroggen an. Zudem bringe der Anbau von Soja seit zwei Jahren gute Erträge. Huber freut sich über den kurzen Weg von vier Kilometern zum Sojatoaster seines Neffen. Hier bekommt er seine eigenen regional erzeugten Sojabohnen als gepressten Sojakuchen wieder zurück. Vor allem mit Blick auf den aktuell weltweit gestiegenen Sojapreis eine regionale Alternative für Landwirte im Salzachtal.

Erneutes Umdenken in der bewährten Fruchtfolge mit eiweißreichen Pflanzen erfordert für Franz Huber die neue Düngeverordnung. Die angebauten Pflanzen auf seinem Betrieb in Fridolfing bräuchten weit mehr Stickstoff, als die durchschnittlich in der neuen Düngeverordnung EU-weit vorgeschriebene Menge von 170 kg Stickstoff pro Hektar und Kalenderjahr. Hierin sieht Huber ein „echtes Problem für die Böden im Salzachgebiet“ und eine große Gefahr für das Konzept des Anbaus von regionalem Eiweiß.
Außerdem bleibt für Franz Huber die Frage offen, was mit seiner kleinen Biogasanlage in acht Jahren nach dem Ende der gesetzlichen Förderung passiert. Skeptisch zeigt er sich zudem, ob die geforderten 30 % mehr Bio bis ins Jahr 2030 allein durch deutsche Bioerzeugnisse erreicht werden. Dieses gelinge seiner Meinung nach nur, wenn die Interessen von Verbrauchern, Landwirten und Politik vereinbar werden und Industrie und Handel das Auge des Verbrauchers nicht verstärkt auf EU-Bioprodukte lenken. „Das Ziel wird ohne Gesetze und Vorschriften von selbst erreicht, wenn Verbraucher 30 % deutsche Bioprodukte zu fairen Preisen kaufen“, denkt Huber an umstellungswillige Landwirte in der Region, deren Bioerzeugnisse aktuell noch keine Nachfrage am deutschen Markt fänden. Der Vollerwerbsbetrieb von Huber zeigt, wie konventionelle Betriebe ihren Beitrag in der ÖMR mit dem Anbau von regionalem Eiweiß zum Thema Nachhaltigkeit leisten können und mitwirken, dass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduziert wird.

Verschiedene Wege aufzeigen

30 % Biolandbau, das ist seit 2019 gesetzliches Ziel der Bayerischen Staatsregierung. In loser Folge stellen wir Betriebe aus der Ökomodellregion Waginger See – Rupertiwinkel vor, die sich bereits auf den Weg gemacht haben und sich für eine besonders nachhaltige Wirtschaftsweise einsetzen.

Der nebenstehende Betrieb ist ein Beispiel für viele Landwirte, die zwar (noch) nicht auf Bio umstellen möchten oder können, aber dennoch an Wegen für eine nachhaltige Landwirtschaft arbeiten. Die erste bayerische Modellregion zeichnet sich laut eigener Aussage durch vielfältige Netzwerke für mehr Bioanbau und -verarbeitung aus, verfolgt aber auch gemeinsame ökologische Projekte mit allen Landwirten und den Gemeinden. Mehr Informationen dazu gibt es unter www.oekomodellregionen.bayern.