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Landfrauentag

Seien Sie verliebt in Ihre Region

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Katharina Heinz
am Dienstag, 17.03.2020 - 10:02

Südtiroler Landesrätin Maria Hochgruber Kuenzer rät Rosenheimer Landfrauen, weiter Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben.

Rosenheim - Zahlreiche Herausforderungen und eine starke Gemeinschaft: Die Rosenheimer Bäuerinnen setzen in schwierigen Zeiten mehr denn je auf den Zusammenhalt. So ließen sie sich auch ihren Ehrentag nicht vom Coronavirus verderben, habe man sich doch vorab mit dem Gesundheitsamt abgesprochen, wie BBV-Kreisbäuerin Katharina Kern beim Landfrauentag in Rosenheim erklärte.

Die Südtiroler Landesrätin und ehemalige Landesbäuerin Maria Hochgruber Kuenzer regte als Festrednerin dazu an, sich Wissen anzueignen, aufzuklären und mitzureden. „Seien Sie verliebt in Ihre Region, das setzt Kräfte frei“, rief sie die Berufskolleginnen und -kollegen auf.

Traktoren brachten Bewegung ins Thema

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Im Rückblick stellte Kern die Herausforderungen dar, mit denen sich die Landfrauen konfrontiert sahen. An erster Stelle das Volksbegehren Artenvielfalt, welches für die Bauern fast „biblische Ausmaße“ angenommen habe. „Es hat uns den Boden unter den Füßen weggezogen“, sagte Kern. Bis dahin habe man gedacht, vieles richtig zu machen in der bayerischen bäuerlichen Landwirtschaft. Plötzlich sei alles in Frage gestellt worden, man musste sich rechtfertigen und habe sich auch selbst hinterfragt. Dabei, so ist die Kreisbäuerin überzeugt, wollten doch beide Seiten dasselbe: sauberes Wasser, ein umweltfreundliches Wirtschaften auf den Betrieben, eine intakte Umwelt. Doch es werde unterschiedlich gesehen, wie der Weg dorthin aussehen soll.

Die positiven Auswirkungen: Es seien viele Arbeitsgruppen sowie runde Tische gegründet worden und man habe wieder miteinander geredet. Durch die Proteste junger Landwirte, die mit ihren Traktoren in die Städte gefahren sind, sei Bewegung in das Thema gekommen. Auch begrüßt die Kreisbäuerin die Einführung der Projektwochen, zu denen Schüler auf die Höfe kommen.

Grundsätzlich wünscht sich Kern mehr wissenschaftliche Argumente statt Emotionen in der Diskussion. In den schwierigen Zeiten gestärkt wurden die Bäuerinnen durch ihre Gemeinschaft, ihre Aktionen und Unternehmungen. Für die Schmankerlstraße haben die Landfrauen 500 Kränze gebunden und anhand derer die Vielfalt der Pflanzen im Bauerngarten demonstriert. Der Erlös wurde gespendet.

Der Rosenheimer BBV-Kreisobmann Josef Bodmaier berichtete ebenfalls von „turbulenten Zeiten“. Er räumte ein: „Vielleicht haben wir selber etwas übersehen, weil wir nur mit der Produktion beschäftigt waren.“ Daher sei es wichtig, dass jeder einzelne Landwirt nun aktive Öffentlichkeitsarbeit betreibe.

Das tägliche Brot ist heute zu selbstverständlich

Rosenheims Bürgermeisterin Gabriele Bauer verwies auf die bäuerlichen Strukturen, die auch viele Stadtteile prägen. Außerdem seien die Landwirte die Produzenten der Nahrungsmittel. Die Diskussionen zeigten auch die Überfluss- und Wohlstandsgesellschaft, in der keiner mehr darüber nachdenke, woher all die Produkte im Supermarktregal kommen. Es werde nicht mehr gebeten „Unser täglich Brot gib uns heute“, sondern gefordert, dass es laktose- und glutenfrei sein müsse. In Anbetracht der wachsenden Weltbevölkerung müsse man Fortschritte bei der Lebensmittelproduktion machen.

In einer Gesprächsrunde stellten sich engagierte Frauen aus Politik und Landwirtschaft den Fragen der Kreisbäuerin und ihrer Stellvertreterin Maria Bichler. Gabriele Bauer, Ehrenkreisbäuerin Annemarie Biechl, Hauswirtschaftsschulleiterin Anna Bruckmeier, Landwirtin Bettina Hanfstingl und Ortsbäuerin Christine Heiß standen Rede und Antwort. Sie sprachen über die Bedeutung der Kulturlandschaft in der Region, einer verantwortungsvollen Fleischproduktion, Ernährungssicherheit und Bio-Nachfrage, der Gefahr einer Import-Abhängigkeit und gegenseitigem Verständnis zwischen Landwirten und Nicht-Landwirten.

Meisterinnen und Dorfhelferinnen geehrt

Einen Scheck über 1000 € gab es für den bäuerlichen Hilfsdienst. Die Vogtareuther BBV-Ortsgruppe und die Landjugend hatten den Betrag bei ihrer jährlichen Stallweihnacht eingenommen. Abschließend wurden die frischgebackenen Meisterinnen der ländlichen Hauswirtschaft und die Dorfhelferinnen geehrt.

Die Meisterinnen der ländlichen Hauswirtschaft: Beate Johanna Alqut, Prien; Cornelia Bauer, Rimsting; Theresia Hölzl, Bad Endorf; Anna Maria Summerer, Gstadt; Barbara Lina Reich, Schechen; Tanja Schreier, Bad Feilnbach; Josefa Steiner, Reitmehring.

Die Dorfhelferinnen: Johanna Mayer, Vogtareuth; Monika Schaberl, Feldkirchen-Westerham; Magdalena Wallner, Großkarolinenfeld; Veronika Weber, Feldkirchen-Westerham.