Biogas

Schlechte Aussichten für die Branche

Biogasanlage
Ludwig Holly
am Montag, 14.06.2021 - 07:41

Die Novellierung des EEG beschäftigt die Biogasbetreiber. Nun suchen sie das Gespräch mit der Politik.

Erding Mit Hinblick auf die Novellierung des EEG sehen die Biogasbetreiber schlechte Zukunftsaussichten für ihre Branche. Um über aktuelle Probleme und Herausforderungen zu reden, suchen die Regionalgruppe Oberbayern des Fachverbandes Biogas und der BBV-Kreisverband Erding das Gespräch mit politischen Gruppierungen. In einer weiteren Veranstaltung hatten sich Biogasbetreiber und Firmenvertreter aus Oberbayern zu einer virtuellen Diskussion und zum Meinungsaustausch mit dem Bundestagsabgeordneten Dieter Janecek vom Bündnis 90/Die Grünen getroffen. Er hat seinen Wahlkreis in München-Mitte und ist Obmann im Ausschuss für Wirtschaft und Energie im Deutschen Bundestag.

Die Veranstaltung moderierte der BBV-Kreisobmann von Erding Jakob Maier. Er erinnerte an die Einführung des EEG durch die Rot/Grüne-Bundesregierung, die damals ein Meilenstein war. „Es ist mir wirklich ein Bedürfnis, einen großen Dank zu sagen. Dies war für uns ein Türöffner für eine neue Einkommensquelle. Ich kenne kaum einen Bauernhof, der keine PV-Anlage auf dem Dach hat und wir haben mit unseren Biogasanlagen richtig etwas Gutes gemacht und das hätte es ohne die Grünen nicht gegeben“, sagte Maier. Angesichts der Herausforderungen, vor denen die Branche steht, fragte er MdB Janecek, welche Pläne die Grünen haben, wenn sie Regierungsverantwortung bekommen sollten.

Mehr Planbarkeit

Janecek erklärte: „Wir wollen ein Bestandsversprechen für die Anlagen in der Zukunft geben. Wir brauchen auch für die Anlagen, die auslaufen und nicht mehr in der Förderung sind, eine entsprechende Anschlussverwendung und auch Ziele für die Branche, die sie überlebensfähig hält.“ Die Energiewende könne ohne Grundlastbereitstellung durch Biogas nicht funktionieren.
Die bisher fehlende Planbarkeit war das zentrale Thema, das sich durch die gesamte Diskussion hindurch zog. Nach Janecek soll eine bessere Planbarkeit durch eine höhere CO2-Bepreisung geschaffen werden, welche die Erneuerbaren Energien auf den gleichen Stand bringt wie die fossilen Energieträger, indem man die externen Umweltkosten mit einrechnet.
Notwendig seien auch nachvollziehbare Ziele für die Branche und Renditen, mit denen man wirtschaften kann. „Die künftige Bundesregierung muss die Verlässlichkeit wieder herstellen, denn mit der Situation, dass man 2021 nicht weiß, was 2022 ist, das ist kein tragbarer Zustand und den müssen wir beenden“, betonte der Bundestagsabgeordnete.
Maximilian Geisberger, Anlagenhersteller in Schwindegg (Lks. Erding), wollte wissen, wie die Energiewende überhaupt funktionieren soll, wenn die Grundlastfähigkeit fehlt. Er hatte kein Verständnis, dass man in dieser Situation das Abschalten von Biogasanlagen überhaupt diskutiert.

Eine Herausforderung

Janecek bekräftigte, dass es nicht Ziel der Grünen sei, Biogasanlagen abzuschalten und er sagte: „Das fluktuierende System der Erneuerbaren Energien ist eine große Herausforderung. Wir brauchen alle Technologien, die wir zur Verfügung haben. Mit Erdgas werden wir noch zwei Jahrzehnte als back-up auskommen müssen. Ferner müssen die Netze ausgebaut werden und wir werden nicht umhin kommen, Energie zu importieren.“
Helene Barth, Geschäftsführerin der Biogas Beratung Barth in Erding, hatte Befürchtungen, dass durch veränderte Rahmenbedingungen und mehr verschärften Auflagen viele kleine Biogasanlagen-Betreiber aufgeben und regionale Wertschöpfung und Arbeitsplätze verloren gehen werden. Janecek sagte: „Regionale Wertschöpfung haben wir immer in den Vordergrund gestellt. Bereits als das EEG eingeführt wurde, war dies neben dem Klimaschutz eines der zentralen Argumente, um vor Ort Arbeitsplätze zu schaffen und die Region zu stärken und das sollen wir auch beibehalten.“
Obmann Maier verwies auf eine Botschaft auf der Internetseite von MdB Janecek: „Ökologie und Ökonomie zusammen zu denken und zusammen zu bringen, das ist für mich das wichtigste Ziel meiner politischen Arbeit.“ Kreisobmann Maier betonte: „Wir wollen mit allen reden. Wir wollen ein fairer Verhandlungspartner sein und wir wollen auch unsere Gedanken, unsere Meinung und unsere Vorschläge einbringen. Die Politik ist gut beraten, wenn sie den Fachverstand, wo er da ist, auch abholt.“