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Vor Ort

Schlachtbetrieb mit Zukunft

Magdalena Ingrid und Christian Freudlsperger
Ernst Deubelli
am Mittwoch, 13.04.2022 - 16:21

„Halsbacher Qualitätsfleisch“: Aus einer Nebenerwerbslandwirtschaft machte Familie Freudlsperger einen Schlachthof für Tiere aus artgerechter Haltung.

Halsbach/Lks. Altötting Mit ihrem Unternehmenskonzept war die Familie Freudlsperger schon vor Jahrzehnten der Zeit voraus und der Erfolg gibt ihnen recht: Wo andere aussteigen, ist Christian Freudlsperger mit seiner Frau Ingrid einfach eingestiegen. Sie bauten nicht nur eine Landwirtschaft im Nebenerwerb zu einem Vollerwerbsbetrieb aus, sondern investierten schon vor gut 20 Jahren in einen modernen, nach EU-Standards zertifizierten Schlachtbetrieb. Die „Halsbacher Qualitätsfleisch GmbH“ bietet ihre Leistungen für Landwirte und Metzgereien heute in ganz Südostbayern an.

Tierwohl, Nachhaltigkeit, Premium-Qualität und Regionalität sind die Eckpfeiler in der Unternehmensphilosophie. Der Mut zu Innovationen und der Blick für Chancen in der Landwirtschaft verstehen sich beinahe von selbst. „Nicht Größe, Wachstum und Masse, sondern Qualität und angepasstes Wirtschaften“, sagt Christian Freudlsperger.

Die Geschichte fortgeschrieben

Aktuell leben auf dem Betrieb in Brandl bei Halsbach vier Generationen. Das Anwesen im Landkreis Altötting wird in fünfter Generation bewirtschaftet. Tochter Magdalena Blüml und ihr Mann sind in das Unternehmen – Landwirtschaft und Schlachtbetrieb – eingestiegen und schreiben die Geschichte fort, die mit der Übernahme des Hofes durch Christian und Ingrid Freudlsperger 1997 beginnt.

Geschlachtet wurde seit 1993 in einem hofeigenen Schlachtraum. Das Ochsenfleisch aus Halsbach lieferte der Betrieb vor allem an die Spitzengastronomie, zu Winkler nach Hohenaschau im Chiemgau, ins Tantris oder an den Königshof nach München. Ochsen gibt es nicht mehr auf dem Hof. Da habe sich die Nachfrage wieder wegentwickelt. In der eigenen Landwirtschaft setzt das Unternehmen inzwischen auf die Erzeugung von bayerischem Milchkalbfleisch. „Beliefert werden vor allem Metzgereien und der Lebensmitteleinzelhandel in der Region in einem Umkreis von rund 100 Kilometern“, erklärt Ingrid Freudlsperger.

Als dann landauf-landab viele Metzgereien und kleine Schlachtbetriebe zusperrten, die Auflagen immer strenger wurden, plante die Familie Freudlsperger weiter, dachte an einen eigenen Schlachtbetrieb neben dem eigenen Hof im südlichen Teil des Landkreises Altötting. Im Jahr 2000 war der Start. Mittlerweile wurde der Betrieb mehrmals erweitert und ständig Investitionen getätigt, um die Betäubung der Schlachttiere noch stressfreier zu gestalten.

Kurze Anfahrtswege garantiert

Geschlachtet werden wöchentlich rund 800 bis 1000 Schweine und 50 bis 100 Rinder von Landwirten aus der Region. Der Großteil der Tiere stammt aus den Landkreisen Altötting, Mühldorf und Traunstein. Das garantiert kurze Anfahrtswege und geringeren Stress für die Tiere. Für die Anlieferung steht ein eigener Vieh-LKW zur Verfügung.

Familie Blueml

Artgerechte Haltung, gesunde Ernährung, stressfreie Anlieferung und möglichst stressfreie Betäubung seien wichtiger für hohe Fleischqualität als eine bestimmte Rasse. Auf dem Anwesen mit Schlachtbetrieb in Brandl gibt es ausreichend Stallungen, um Schweine artgerecht bis zur Schlachtung zu beherbergen. Sie sollen noch zur Ruhe kommen, während es bei den Rindern besser ist, nur kurze Wartezeiten einzuplanen. Für die Partner in der Schweinemast bietet die „Halsbacher Qualitätsfleisch GmbH“ außerdem eine Preisdeckelung nach unten. „Qualität hat eben ihren Preis“, betont Freudlsperger. Ohne angemessene Vergütung könnten Landwirte ihre Arbeit nicht leisten. Um hohe Qualität zu garantieren ist das Unternehmen nach hohen Standards zertifiziert. Markenfleischprogramme gehören hier dazu. Hinter Qualivo steht ein Gesamtkonzept zur Herstellung von Premium-Fleisch. Auch Strohschweine werden vermarktet und finden immer mehr Absatz.

Die Konsumenten im südöstlichen Oberbayern seien bereit, das Qualitätskonzept, das eine tierfreundliche Haltung erlaubt, mitzutragen, ergänzt Magdalena Blüml, Betriebswirtin und Metzgereifachverkäuferin. Das Prinzip der Regionalität werde anerkannt und die Kaufkraft sei durch die Industrie in der Region höher als anderswo: „Allerdings mit dem Nachteil, dass es nicht einfach sei, Mitarbeiter für den Schlachtbetrieb zu finden.“ Beschäftigt werden aktuell rund 30 Mitarbeiter, in Voll- und Teilzeit. Außerdem wird die Ausbildung zum Metzger angeboten.

Hofnahes Schlachten im Trend

Zum Konzept der Nachhaltigkeit gehört bei der Halsbacher Qualitätsfleisch seit 1995 eine Biogasanlage, in der vor allem Schlachtabfälle zum Einsatz kommen. Mit ihrem Unternehmenskonzept liegt die Halsbacher Qualitätsfleisch voll im Trend der Landwirtschaftspolitik in Bayern, die hofnahes Schlachten befürwortet und fördert.

Im Internet ist der Betrieb der Famiie Halsperger unter www.hq-fleisch.de zu finden.