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Schäfer aus Begeisterung

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Andrea Hammerl
am Mittwoch, 24.06.2020 - 08:42

Johannes Eichhorn will das angestaubte Image des Schäfers aufpolieren. Mit seiner Familie hält er 1200 Mutterschafe und demonstriert auf seinem Instagram-Profil, dass Schäfer mehr tun, als nur Schafe hüten.

Auf einen Blick

  • Johannes Eichhorn ist Schäfer in vierter Generation. Der 24-jährige Schäfermeister bewirtschaftet eigenverantwortlich einen Teil des elterlichen Betriebes in Schernfeld bei Eichstätt.
  • Eichhorns halten 1200 Mutterschafe plus 200 Stück Nachzucht. Hinzu kommen zehn Böcke und durchschnittlich 1000 Lämmer jährlich.
  • Während Wolle früher das Haupteinkommen erzeugte, reicht heute der Ertrag gerade aus, um davon die Scherer zu bezahlen.

Kein alter Mann mit wallendem Bart

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Johannes Eichhorn ist Schäfer in vierter Generation. Der 24-jährige Schäfermeister bewirtschaftet eigenverantwortlich einen Teil seines elterlichen Betriebes in Schernfeld bei Eichstätt und pflegt mit rund 400 Mutterschafen den Bundeswehr-Truppenübungsplatz Hepberg, um dort die Biodiversität zu erhalten.

Johannes Eichhorn ist ein junger Mann, der sich zum Ziel gesetzt hat, das angestaubte Image des Schäfers aufzupolieren. „Wer an Wanderschäfer denkt, der stellt sich einen alten Mann mit wallendem grauen Bart vor“, meint Eichhorn, „ich dagegen will jungen Menschen zeigen, dass Schäfer ein Beruf mit Zukunft ist und ein sicherer Job.“

Freiwillig für körperliche Arbeit entschieden

Noch etwas stört ihn an dem klassischen Bild des alten Schäfers: Die harte körperliche Arbeit sei für junge Leute viel leichter zu bewältigen. Obwohl die Familie – wenn möglich – Maschinen einsetzt und Wert auf Ergonomie legt, bleibt immer noch genügend anstrengende körperliche Arbeit.
Obwohl ihm der Beruf sozusagen in die Wiege gelegt wurde, hat sich der junge Mann freiwillig entschieden, Schäfer zu werden. „Papa hat immer gesagt, wenn keiner weitermacht, dann verkaufen wir eben“, erzählt der 24-jährige. Seine Eltern Alfred und Maria Eichhorn sind gut damit gefahren, auf Freiwilligkeit zu setzen. Drei der vier Kinder haben sich für einen landwirtschaftlichen Beruf entschieden. Die älteste Tochter Barbara (30) ist Physiotherapeutin und hat anschließend die Ausbildung zur Schäferin gemacht. Sie ist als Vollzeitkraft im Betrieb angestellt, der jüngste Sohn Matthias (21) studiert Landwirtschaft in Triesdorf. „Der Betrieb ist noch ausbaufähig“, kann sich Johannes Eichhorn gut vorstellen, dass auch der Bruder noch zu Hause einsteigt. Tochter Katharina (27) arbeitet als Stationsleiterin im Eichstätter Krankenhaus und hilft in ihrer Freizeit ebenfalls kräftig Zuhause mit.
Insgesamt halten die Eichhorns 1200 Mutterschafe plus 200 Stück Nachzucht. Hinzu kommen zehn Böcke und durchschnittlich 1000 Lämmer jährlich. Beim Hüten helfen ein Altdeutscher und vier Deutsche Schäferhunde sowie ein Harzer Fuchs.
Balu und Amy, zwei Herdenschutzhunde der serbischen Rasse Šarplaninac, befinden sich noch in Ausbildung. Eichhorn will gewappnet sein, falls der Wolf hier wieder heimisch werden sollte – und sich der Bestand nicht nur wie derzeit auf durchziehende Einzeltiere beschränkt. Allerdings bräuchte er dann bei der großen Zahl Schafe mindestens zehn bis zwölf Schutzhunde, wie er vorrechnet.

Der Großvater konnte von der Wolle leben

Merinoschafe hat schon der Großvater gehalten. Damals war die Wolle noch ein Wirtschaftsfaktor, was der Hauptgrund war, sich für die robuste Dreinutzungsrasse mit hochwertiger, sehr feiner Wolle zu entscheiden. „Mein Großvater konnte noch von der Wolle leben“, erzählt Johannes Eichhorn.
Heutzutage reicht der Ertrag gerade aus, um die Scherer zu bezahlen. Die zweite wichtige Nutzung neben dem Fleisch ist heute die Landschaftspflege. Während der Sohn bei Hepberg unterwegs ist, pflegt der Vater mit seinen Herden die Wacholderheiden im Naturpark Altmühltal. Das Zusatzfutter für die Schafe wächst auf den Betriebsflächen – 30 ha Wiesen und 20 ha Ackerfläche mit Getreide, Körnermais, Winterweizen und Gerste sowie gentechnisch freien Sojabohnen und Luzerne.

Das Meisterstück steht im Stall

Die Herden bleiben möglichst ganzjährig draußen, nur hochträchtige Tiere kommen zum Ablammen oder bei großer Hitze im Sommer in den Stall. Dort steht auch Leni, die achtjährige Jersey-Kuh. „Mein Meisterstück“, stellt Johannes Eichhorn sie lächelnd vor. Für seine Meisterarbeit hat er drei verschiedene Aufzuchtmethoden miteinander verglichen – die Aufzucht mit der Flasche, die mit der Kuh und als Kontrollgruppe dienten Lämmer beim eigenen Mutterschaf. Leni hat sich für Problemlämmer, die von der Mutter nicht angenommen oder versorgt werden können, bestens bewährt. „Sie hat die Lämmer sofort angenommen“, erzählt der junge Schäfer.
Auch wenn die Wolle nicht mehr begehrt ist, so sind die Eichhorns der bewährten Schafrasse dennoch treu geblieben, weil sie noch einen weiteren Vorteil bietet. Die Mutterschafe bocken asaisonal das ganze Jahr über, sodass drei Lammzeiten je nach Bedarf geplant werden können. „Das ist optimal für uns, weil wir unsere Kunden ganzjährig mit Lammfleisch beliefern wollen.“
Das Fleisch wird direkt vermarktet – an Metzgereien, Gaststätten und im Hofladen direkt an Endkunden. Gemeinsam mit drei weiteren Schäfern betreibt die Familie einen Online-Versand. „DHL garantiert uns eine Lieferzeit von maximal 48 Stunden“, erklärt Johannes Eichhorn und präsentiert eine Versandbox, die so gut isoliert, dass das Fleisch mithilfe von zwei Kühlakkus tatsächlich gekühlt beim Kunden ankommt. Der Onlineabsatz steigt stets vor Ostern etwas an, heuer war es bedingt durch Corona noch etwas mehr.

Fehlenden Umsatz gleichen Metzgereien aus

Die Coronakrise macht dem Betrieb eher wenig zu schaffen, da Gaststätten nicht die Hauptabnehmer sind – was in diesem Bereich an Umsatz fehlt, machen die Metzgereien mit ihrem erhöhtem Bedarf wieder wett, da mehr zuhause gekocht wird.
Eichhorn liebt seinen Beruf, weil der so vielseitig ist mit dem Wechsel von Stall- und Feldarbeit, Büroarbeit und dem Umgang mit Maschinen sowie mit Menschen in der Direktvermarktung des Altmühltaler Lamms und Lämmern mit dem Qualitätssiegel Geprüfte Qualität Bayern (GQB). In Lammzeiten sind die Nächte kurz, und wenn das Schlachten ansteht, kommt sich Eichhorn manchmal vor wie ein Metzger.
Zum Ausgleich und um sich noch mehr vom klassischen Image beziehungsweise Klischee des Schäfers abzugrenzen, zeigt er sich als Influencer auf seinem Instagram-Profil: Hier stehen Oben-ohne-Fotos neben Bildern aus seinem Alltag mit den Schafen, Bilder von Tanzauftritten mit der Showtanzgruppe Tanzglanz aus Buxheim neben Fotos, die ihn als Jäger zeigen, genauso vielseitig wie er ist.