DNA-Probenmaterial

Risse in Oberbayern: Wolf war allein auf Beutezug

Wolf
Barbara Höfler
am Freitag, 26.11.2021 - 13:45

Neue Analyseergebnisse gehen von einem Einzeltier aus. Die Chance auf Erteilung einer Entnahmegenehmigung sind eher gering.

Traunstein/Berchtesgadener Land Beim Wolf, der Ende Oktober in Bergen, Lks. Traunstein, und zwei Tage später in Aufham-Anger, Lks. Berchtesgadener Land, Schafe gerissen hat, handelt es sich um ein und dasselbe Tier. Zu dem Ergebnis kam das vom Landesamt für Umwelt (LfU) beauftragte Labor nach weiterer Analyse des DNA-Probenmaterials.

Den neuen Ergebnissen zufolge ist der Wolf männlich und war allein auf Beutezug. Spuren eines zweiten Canniden wurden in den Proben aus Bergen zwar gefunden. Diese stammten laut LfU jedoch von einem Fuchs, der nachträglich an den Schafen fraß. Ein Abgleich mit Daten aus Österreich ergab, dass der Wolf mit dem Kürzel „GW2392m“ bei den Nachbarn nicht genetisch erfasst ist. Damit ist ausgeschlossen, dass es sich um dasselbe Tier handelt, das im ca. 150 km entfernten Sellrain 53 Schafe getötet hat und vom Bundesland Tirol zum Abschuss freigegeben wurde. Der Bescheid ist derzeit ausgesetzt, weil Umweltbewegungen dagegen klagten.

Einen Antrag auf eine Abschussgenehmigung hat, wie berichtet, auch der Traunsteiner Landrat Siegfried Walch als Vorstand des Verbandes der Forstberechtigten im Chiemgau gestellt. Den prüft derzeit die Höhere Naturschutzbehörde der Regierung von Oberbayern. Bis wann eine Entscheidung zu erwarten ist, war dort auf Nachfrage nicht zu erfahren.

Es ist der erste Antrag auf Wolfentnahme in Oberbayern. Fakt ist, dass der „Aktionsplan Wolf“ nur wenig Spielraum für eine Bewilligung zulässt. Erteilt werde sie „nur im Interesse der Gesundheit des Menschen und der öffentlichen Sicherheit, zur Abwendung ernster landwirtschaftlicher Schäden oder aus anderen zwingenden Gründen des überwiegenden öffentlichen Interesses“, wie die Regierung von Oberbayern mitteilt.

Eine wichtige Voraussetzung ist, dass das fragliche Gebiet von der Weideschutzkommission als unzäunbar beurteilt wird. Nach LfU-Auskunft sind die Flächen in Bergen bereits als unzäunbar ausgewiesen worden, aber die Beurteilung des Landkreises als Gesamtes ist noch in Arbeit. Selbst wenn ganz Traunstein danach als unzäunbar eingestuft wird, dürfen für eine Abschussgenehmigung zusätzlich „keine zumutbaren Alternativen gegeben sein“. Die Regierung von Oberbayern prüft im Entscheidungsverfahren daher auch, ob „Vergrämung“ oder andere Herdenschutzmaßnahmen in der Region „zumutbar“ sind.

Stefan Rappl, dem die Schafe in Bergen gehörten, kann sich nicht vorstellen, welche alternativen Maßnahmen er zum Schutz seiner Schafe treffen könnte. „Herdenschutzhunde sind keine Option, wir haben doch Wanderer hier oben“. Die Schafe im Stall einzusperren, widerspreche ihrem Zweck, der Landschaftspflege. Rappl hofft, dass bis zum Frühjahr Klarheit über den Entnahmeantrag herrscht. „Sonst muss ich mir überlegen, ob ich die Tiere auftreibe.“