Forschung

Regen aus dem Automaten

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Dietmar Fund
am Montag, 26.10.2020 - 09:11

Beim Zwischenfrucht-Feldtag des Landwirtschaftsamtes Töging verdeutlichte ein Regensimulator den Wert des Humus.

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Landwirt Lorenz Baisl bewirtschaftet Felder im hügeligen Holzland und hat deshalb schon vor 30 Jahren Senf als Zwischenfrucht gesät, um die Bodenerosion zu stoppen. Er hält Zuchtsauen und mästet Schweine und baut dafür Körnermais und Erbsen als Futter an und Raps wegen der Fruchtfolge. Ihn verwertet er als Öl und verkauft den Rapskuchen als Rinderfutter.

Da der Raps nach der Zwischenfrucht Senf von der Kohlhernie befallen werden könnte, probiert Baisl seit zwölf Jahren immer wieder neue Zwischenfrucht-Mischungen als Alternative zur reinen Senfsaat. Seine dabei gewonnenen Erkenntnisse teilt er seither bei Feldführungen mit den Berufskollegen.

Demonstrationsbetrieb für den Gewässerschutz

Seit etwa fünf Jahren zählt er zu den je zwei Gewässerschutz-Demonstrationsbetrieben in den Landkreisen Altötting und Mühldorf, die vom Landwirtschaftsamt Töging betreut werden. Mit dessen Beratern veranstaltet Baisl alljährlich mindestens eine Feldführung.

Heuer wurde diese durch ein neues Hilfsmittel ergänzt. Statt wie im Vorjahr das Versickern von Regenwasser in nacktem Ackerboden mit einem Stück mit Zwischenfrüchten und Humusschicht per Gießkanne miteinander zu vergleichen, stellte Landwirtschaftsberater Franz Prinz einen Regensimulator auf einen Bauplatz am Rand der Gemeinde.

Er ist ein Einzelstück, das die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) für Veranstaltungen in ganz Bayern verleiht. Es handelt sich dabei um einen PKW-Anhänger mit einem seitlichen Ausschub. Auf ihm stehen vier leicht nach vorn geneigte stählerne Wannen mit Ausgüssen nach vorn, in denen vor Ort gezogene unterschiedliche Bodenproben platziert werden. Sie werden gleichmäßig mit je einer Düse beregnet. Das Wasser fließt dann zum einen an der Oberfläche über die vorderen Ausgüsse in die darunter stehenden vier Eimer ab. Eine Ebene tiefer fließt das Sickerwasser, das die Bodenproben durchdrungen hat, in vier weitere Eimer.

Starkregen simuliert

Wenige Minuten nachdem Prinz die Düsen geöffnet und einen „Starkregen“ simuliert hatte, konnten die 16 Landwirte, Jäger und Imker, die am Feldtag Zwischenfrüchte teilnahmen, eindrucksvoll den Unterschied zwischen blanker Erde und demselben Ackerboden mit einer Bepflanzung aus Zwischenfrüchten sehen.

Der Ausguss des Behälters mit unbedeckter Erde zeigte deutlich, wie die Erde abfließt. Der dortige Eimer für das Oberflächenwasser war fast zur Hälfte mit recht braunem Wasser gefüllt. Der nahezu leere Eimer darunter zeigte, dass fast kein Wasser die Erdschicht nach unten durchdrungen hat. Ganz anders dagegen das „Feld“ mit Zwischenfrucht-Bebauung. Bei ihm war der untere Eimer durch die Erdschicht hindurch gut gefüllt worden, während der obere fast kein Wasser enthielt, das noch dazu beinahe ungetrübt war. Das Wiesenstück speicherte etwas weniger Wasser, in etwa so viel wie das mit Wintergerste bepflanzte vierte Stück.

Maisacker gleich gemulcht und gegrubbert

Rund 300 m oberhalb des Bauplatzes hatte Baisl ein großes, an einem erosionsgefährdeten Hang liegendes Feld im Sommer mit 15 verschiedenen Blühmischungen in je sechs Meter breiten Streifen als Zwischenfrucht bepflanzt. Dort hatte er 2019 Mais angebaut, dessen Stängel und Wurzeln er gleich nach dem Dreschen gemulcht und flach gegrubbert hatte, damit die Regenwürmer im Boden aktiv werden und das Pflanzenmaterial zersetzen, um dem Maiszünsler keinen Unterschlupf zu gewähren. Nach dem Tiefgrubbern im Dezember ließ er das Feld überwintern und säte im Frühjahr 2020 Körner-Erbsen aus. Ende Juli/Anfang August wurden sie gedroschen und das Erbsenstroh wurde flach bearbeitet und getrocknet. Am 10. August wurde alles rund 20 cm tief mit dem Grubber eingearbeitet. Beim gleichen Arbeitsgang wurden mit einem Säkasten auf dem Grubber die Blühmischungen gesät.

Mannshohe Zwischen-frucht kann umfallen

Am Feldtag standen sie meist erst kniehoch, während Blühwiesen anderswo im Landkreis schon viel höher standen. Doch das ist durchaus im Sinne des Landwirts. Wenn die Zwischenfrucht bis zum Wintereinbruch mannshoch steht, kann sie in Gänze umfallen und den Boden wie eine Decke zudecken, wodurch der Boden im Frühjahr lange nicht abtrocknet.

Dem Wurm durchgehend Nahrung bieten

Gewünscht ist aber, dass ein Teil der Pflanzen schon bei Temperaturen um den Gefrierpunkt abfriert und bis ins Frühjahr hinein weitere Arten absterben, damit die Regenwürmer durchgängig Nahrung zu haben. Sie bohren mit ihren Gängen Kanäle zur Aufnahme des Wassers und sind deshalb so wichtig wie tiefwurzelnde Arten. Ein Teil der Pflanzen soll bis zum Frühjahr stehen bleiben, um Insekten zu beherbergen. Wer zum Beispiel eine Mischung mit Buchweizen oder Ölrettich zu früh sät, riskiert auch das Aussamen der für Honig- und Wildbienen und andere Insekten wichtigen blühenden Pflanzen. Nach der Maisaussaat keimen dann die Samen und die neuen Pflänzchen überwuchern den Mais, sodass der Landwirt früh Pflanzenschutzmittel spritzen muss.
„Wenn man ein Jahr lang keine Zwischenfrüchte sät, verhungern dann die Würmer?“ fragte ein Teilnehmer. „Regenwürmer sterben ohne Zwischenfrüchte nicht aus“, entgegnete ihm Dr. Bernhard Hübner, ein weiterer Berater des Landwirtschaftsamtes. „Für das Bodenleben ist die Zwischenfrucht aber ein gewisser Puffer.“ Berater Prinz gab Neueinsteigern den Rat, es sei am wichtigsten, erst einmal richtig zu mulchen.

Blühmischung bewusst auswählen

Die beiden AELF-Berater, Lorenz Baisl und Franz Unterforsthuber aus Engelsberg als Vertreter der Saaten Union wiesen die anwesenden Landwirte auch darauf hin, dass sie die Mischungen auf ihre Ertragspflanzen abstimmen müssen. Wer zum Beispiel wie Baisl Raps anbaut, darf nur Mischungen nehmen, die von Kreuzblütlern frei sind. Abgesehen davon muss die Mischung auch auf die jeweilige Bodenbeschaffenheit und sogar auf die Wetterverhältnisse, die sich jährlich ändern können, abgestimmt werden. Wer eine Blühmischung mit mehr als 75 % Leguminosen-Anteil aussät, muss und darf unter Umständen keine Gülle mehr ausbringen. Wer hingegen bewusst Stickstoff nachliefern möchte, sollte vor allem auf großkörnige Leguminosen achten, die mehr Stickstoff im Boden speicherten, riet Unterforsthuber.

Straßennahe Blühfläche nicht optimal

Wie Prinz beobachtet hat, sind Phacelia und Sonnenblumen im Landkreis Altötting vielerorts gut sichtbar. Das ist gut für die Wirkung in der Öffentlichkeit, hat aber auch Nachteile: „Wenn man die Zwischenfrucht gut sichtbar an der Straße aussät, riskiert man, dass der Sog vorbeifahrender Fahrzeuge einen Großteil der Insekten aus dem Feld herauszieht“, sagte Lorenz Baisl. „Außerdem sollten die Blühsteifen mehrere Meter Abstand zur Straße halten, damit kein Wild unvermittelt auf die Straße springt.“
Einen zweiten Feldtag mit denselben Bausteinen und knapp 30 Teilnehmern hatte das Töginger Amt einige Tage zuvor in Tyrlaching veranstaltet. Gastgeber war dort erstmals Helmut Lebacher aus Loding. Er hat den Pleiskirchener Josef Seonbuchner als zweiten Demo-Betrieb für Wasser-, Klima- und Ressourcenschutz im Landkreis Altötting abgelöst. Zwei weitere Vorführungen des Regensimulators haben bei Franz Bichlmeier in Mößling und bei Markus Sedlmayr in Gantenham im Landkreis Mühldorf stattgefunden, den das Landwirtschaftsamt Töging ebenfalls betreut.