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Bezirkswahl beim BBV Oberbayern

Ralf Huber bleibt Bezirkspräsident in Oberbayern

Bezirkspräsident
Barbara Höfler
am Freitag, 16.09.2022 - 13:52

„Gfrei mi total, dass i weitermacha derf“, lautete die erste Reaktion des wiedergewählten Bezirkspräsidenten.

Herrsching/Lks. Starnberg - Oberbayern hat gewählt: Bezirkspräsident des größten bayerischen Regierungsbezirkes bleibt Ralf Huber. Der 55-jährige Biobauer aus Allershausen (Lks. Freising) setzte sich bei der Wahl am heutigen Freitag mit 71 zu 31 Stimmen gegen den einzigen Gegenkandidaten durch: Sepp Andres, neugewählter Kreisobmann von Rosenheim, war auf Vorschlag seines Kreisverbandes angetreten.

„I gfrei mi, dass i weitermachen derf!“, sagte Huber nach seiner Wiederwahl dem Wochenblatt. Im Februar 2022 war er nach dem überraschenden Tod des langjährigen Bezirkspräsidenten Anton Kreitmair in dessen Amt nachgerückt. Als Überraschungskandidat obsiegte er in außerplanmäßiger Wahl mit deutlicher Mehrheit gegen den Wolfgang Scholz, der als Kreitmairs Stellvertreter für das Präsidentenamt kandidiert hatte.

Scholz hatte im Vorfeld der jetzigen Wahl gegenüber dem Wochenblatt betont, er selbst werde sich nicht erneut um das Amt des Präsidenten bewerben. „Ich werde mich jedoch zur Wahl stellen, wenn ich vorgeschlagen werde.“ Dies war der nicht der Fall. Bei der Wahl des stellvertretenden Bezirkspräsidenten verlor Wolfgang Scholz auch dieses Amt mit 37 zu 55 Stimmen im ersten Wahldurchgang an Klaus Solleder, den Kreisobmann von Garmisch-Partenkirchen.  Dritter Kandidat Kandidat war Ulrich Niederschweiberer, Kreisobmann von Mühldorf. Auf ihn fielen 10 der insgesamt 102 Stimmen.

Überraschungskandidat steigt in den Ring

Wie Huber damals warf auch Sepp Andres seinen Hut als absoluter Überraschungskandidat in den Ring. Der Milchbauer mit 70 Kühen plus Nachzucht bewirtschaftet in GbR mit seinem Sohn (27) 60 ha Land in Ebrach. Er war Gründungsmitglied der Jungzüchter Rosenheim, ist seit 2018 Vorsitzender der VVG Oberbayern-Schwaben und seit zehn Jahren in der Kreisvorstandschaft des BBV aktiv. 

In seiner Ansprache kritisierte er, die Probleme der Tierhalter kämen im Bezirksverband derzeit zu kurz. „Verband heißt, hinter den Leuten stehen“, sagte er und versprach, sich auf für die Jugend einzusetzen. Mit 31 Stimmen reichte es dann nicht.

Huber sieht sich auf einem guten Weg

Huber ist im Frühjahr mit dem Versprechen angetreten, aus dem Bauernverband einen „geilen Verein“ zu machen. „Wir sind auf einem guten Weg, aber damit wir ein geiler Verein werden, dafür müssen wir uns noch ganz schön strecken“, sagte er in seiner Rede vor der Abstimmung. Als Themen seines ersten Jahres als Präsident nannte er zahlreiche Konfliktfelder der Landwirtschaft vom Verbot der Anbindehaltung über Flächenverbrauch, KULAP, GAP, Pflanzenschutz und den Wolf, der in Oberbayern Einzug hält.

Vor allem aber trieb Huber den Dialog mit den Verbrauchern und mit sämtlichen Parteien und Verbänden voran. „Dass wir rausgehen und die Bevölkerung auf unsere Seite ziehen, das ist das Wichtigste“, sagte er auch in Hinblick auf das drohende Verbot der energetischen Holzverwertung – für ihn ein Paradebeispiel für die „schizophrenen Entscheidungen, die die Politiker fällen“. Dafür erntete Huber von der Versammlung großen Applaus.

Klaus Solleder wird Vizepräsident

In seiner Kandidatenrede übte Wolfgang Scholz offen Kritik an Ralf Huber, vor allem für seine Gesprächsbereitschaft auch mit Verbandskritikern. „Wir brauchen Kante“, forderte Scholz. Es könne nicht darum gehen, „mit jedem Umweltverband Kaffee zu trinken“ und sich „emotional am Stimmungsbild der Gesellschaft“ mit Themen anzudienen.“

Zum Vizepräsidenten wählte die Versammlung dann jedoch Klaus Solleder. Der Kreisobmann von Garmisch-Partenkirchen ist Vorsitzender der Weidegenossenschaft Unterammergau und Nebenerwerbs-Milchviehhalter. Er betonte in seiner Vorstellungsrede die bisherige gute Zusammenarbeit mit Ralf Huber.

Mehr Gewicht für die Frauen in der Bezirksversammlung

Am Ende noch eine Überraschung: Die Frauen sollen in der Bezirksversammlung künftig mehr Gewicht erhalten. Denn anders als in anderen Bezirksverbänden sind die Kreisbäuerinnen in Oberbayern bisher nicht in der Versammlung vertreten.

Hintergrund: Oberbayern hat 20 Kreisverbände, die anderen Regierungsbezirke deutlich weniger. In der Landesversammlung wäre Oberbayern mit Kreisbäuerinnen sonst zahlenmäßig übervertreten. Jetzt einigte sich die Versammlung sieben der insgesamt 38 Sitze statt mit Vertretern landwirtschaftlicher Organisationen wie dem Maschinenring mit Kreisbäuerinnen zu besetzen. Mit dabei und stimmberechtigt sind künftig Christine Sulzenbacher (Weilheim-Schongau), Sonja Dirl (München), Brigitte Regauer (Miesbach), Waldtraud Daniel (Pfaffenhofen), Christine Schuhegger (Traunstein), Elisabeth Mayerhofer (Freising) und Marlies Dir (Landsberg).

In Vertretung von Bezirksbäuerin Christine Singer bedankte sich Vize-Bezirksbäuerin Irmgard Posch für die Entscheidung.