Debatte

Politiker stellen sich den Landwirten

Politiker Podiumsdiskussion Oberbierbach
Ludwig Holly
am Donnerstag, 16.09.2021 - 14:19

Der BBV konfrontiert die Bundestagskandidaten im Wahlkreis Erding-Ebersberg bei einer Diskussion mit den Sorgen der Bäuerinnen und Bauern.

Oberbierbach/Lks. Erding Wie soll es mit der Landwirtschaft weitergehen? Der BVV hat diese Frage den Direktkandidaten im Wahlkreis Erding-Ebersberg gestellt. Moderatoren der Podiumsdiskussion im Gasthaus Strasser waren Kreisbäuerin Irmgard Posch und Kreisobmann Jakob Maier. Düngeverordnung, Pestizideinsatz, Anbindehaltung, Import und Preisdumping des Lebensmittelhandels und die geringe Wertschätzung der Landwirtschaft – Probleme, die den Bauern große Sorgen bereiten. „Will die Politik in Deutschland die Landwirtschaft überhaupt noch?“, so Kreisobmann Maier. „Diese Frage höre ich immer öfter von Kollegen.“

Reformen müssen her

Dass es so nicht weitergehen kann, darüber waren sich alle Kandidaten einig: Gebraucht werden neue Rahmenbedingungen, Planungssicherheit und gleiche Regeln für alle in der EU. „Es kann nicht sein, dass nicht überall gleiche Bedingungen gelten. Das führt zu Wettbewerbsverzerrungen“, bekräftigte Dr. Andreas Lenz (CSU) aus Frauenneuharting, der seit zwölf Jahren im Bundestag sitzt.

Viele Gespräche mit jungen Landwirten habe sie im Wahlkampf geführt, sagte Birgit Obermaier (FW), Online-Marketing-Beraterin aus Pastetten. Dabei hätten viele gezweifelt, ob sie weitermachen sollen. „Sie brauchen unbedingt wieder eine verlässliche Perspektive“, sagte sie. Dem schloss sich Marc Salih (FDP), von Beruf Polizeioberkommissar, an und forderte verlässliche Regeln in allen Bereichen, damit die nachfolgende Generation den Hof übernehmen und gut weiterführen kann.

Gerhard Stock, BBV-Geschäftsführer in Erding, klagte, die Landwirtschaft stehe immer in der Schusslinie der Gesellschaft, obwohl sie so notwendig für die Versorgung mit regionalen Lebensmitteln, die Umsetzung der Energiewende und die Kulturlandschaftspflege sei. Mehr Aufklärung über die Leistungen der Landwirtschaft sei dringend notwendig. Magdalena Wagner (SPD), Lehrerin und Schulpsychologin aus Egmating, pflichtete ihm bei: „Man muss auch die Erwachsenen einbeziehen, denn alleine über die Schule das Wissen zu vermitteln, das dauert zu lange.“

Kritisch sahen alle die riesige Marktmacht des Lebensmitteleinzelhandels. Christoph Lochmüller (B90/Die Grünen), Öko-Nebenerwerbslandwirt aus Hohenlinden, sagte: „Die Landwirtschaft muss ihre wertvollen regionalen Produkte durch Direktvermarktung und Genossenschaften an den Lebensmittelketten vorbei an den Kunden bringen.“

Grosser Unmut herrscht

Zwischenrufe zeigten die starke Frustration und Unzufriedenheit der Landwirte mit der Situation. „In den letzten dreißig Jahren hat man eine Landwirtschaftvernichtungspolitik betrieben“, war zu hören. Mit Blick auf die Marktsituation meinte ein Landwirt: „Dieses System ist krank!“ Und mit dem Aus der Anbindehaltung fürchtete ein anderer um die Existenz der Familienbetriebe: „Ich frage mich, ob für die Politik Tierwohl wichtiger ist als Bauernwohl.“

„Wir haben heute viel über die Probleme der Landwirtschaft erfahren und vieles mitgenommen“, sagte FDP-Politiker Salih am Ende. Das Fazit des FDP-Politikers: „Wir müssen besser werden.“