Forstwirtschaft

Pflege für den Zukunftswald

Harvester 1
Monika Konnert
am Donnerstag, 08.04.2021 - 12:26

Im Westerholz bei Emertsham sollen Durchforstungsmaßnahmen den Wald stabilisieren und damit fit für die Zukunft machen.

Es ist einiges los im Westerholz, einem zusammenhängenden Waldgebiet bei Emertsham. Harvester öffnen Erschließungsstraßen in jungen Beständen, damit einzelne Stämme über die ganze Fläche entnommen werden können. Über den Wald verteilt liegen frisch eingeschlagene und fertig zugeschnittene Stammstücke. Entlang der Wege sind hohe Holzpolter errichtet und warten auf den Abtransport. Forstmann Remigius Hammerl, der Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Traunstein, erklärt bei einem Waldbegang: „Die Durchforstungsmaßnahmen sind notwendig, um den Wald zu stabilisieren und für die Zukunft fit zu machen.“

Denn noch immer besteht der Wald im Westerholz überwiegend aus Fichte. Tanne und Laubbäume sind hier vergleichsweise selten. Und das, obwohl der zu Staunässe neigende Standort der Fichte wenig Stabilität bietet und Stürme, wie Ende der 1990er Jahre, hier große Schäden angerichtet haben.

„Leider wurde auch nach dem Sturm Kyrill wieder vor allem mit Fichte aufgeforstet“, erzählt Johann Wimmer aus Emertsham, einer der Waldbesitzer im Westerholz. Wimmer ist Ortsobmann der Waldbesitzervereinigung Traunstein und häufig vor Ort, um den Arbeitsfortschritt bei der Waldpflege zu beobachten. Neben der schon erwähnten Erschließung der jungen Bestandsteile durch Rückegassen, wird in den 40- bis 50-jährigen Beständen eine sogenannte Z-Baum Durchforstung vorgenommen.

Genügend Raum zum Wachsen ermöglichen

Das „Z“ steht für Zukunftsbaum, ein Baum mit besonders guten Stammformen, von dem man sich für die Zukunft eine gute Form- und Wuchsleistung erwartet. „Solche Bäume werden freigestellt, damit sie genügend Raum zum Wachsen haben“, erklärt Tobias Anhof vom AELF in Traunstein, der die Durchforstungen im Westerholz im Rahmen eines Projektes der „Initiative Zukunftswald Bayern“ (IZW) der Bayerischen Staatsregierung betreut.

Freigestellt werden auch Edellaubhölzer, wie Kirsche oder Bergahorn, die in einem klimastabilen Mischwald dazugehören. In Altbeständen wird eine Endholznutzung vorgenommen, um Licht und Platz zu schaffen für die Naturverjüngung, vor allem von Tanne und von Laubhölzern, wie Buche und Eiche. Wo es notwendig ist, weil keine Samenbäume in der Nähe sind, werden Mischbaumarten auch durch Pflanzung eingebracht. „In einigen Jahren wird hier ein ganz anderer Wald stehen, der mit den Herausforderungen des Klimawandels viel besser zurechtkommen wird“, ist Forstmann Anhof überzeugt. Möglich wurde diese Aktion nur, weil sich fünf private Waldbesitzer aus der Umgebung zusammengetan haben, und auf ihren knapp 40 Hektar Wald im Westerholz einer gemeinsamen Durchforstung zugestimmt haben. Der Anstoß zu dieser Sammeldurchforstung kam vom Revierförster Helmut Gattinger. Oft hat der einzelne Privatwaldbesitzer weder die Zeit, noch die Maschinen, um diese Maßnahmen anzugehen. Die Folge sind Pflegerückstände, weil man mit den Arbeiten nicht hinterherkommt und instabile, wenig produktive Wälder.

Gut beraten und bestens unterstützt

Engelbert Vordermaier, ein junger Waldbesitzer, ist auch beim Begang dabei. Er sagt: „Ich kann meinen Wald nur schwer alleine pflegen. Da war es naheliegend, dass ich mir Hilfe hole. Bei der Waldbesitzervereinigung fühle ich mich gut unterstützt.“ Das freut Josef Wastlschmid, der seitens der WBV die Waldpflegemaßnahmen organisiert und den Maschineneinsatz steuert. Derzeit sind mehrere Harvester und Forwarder gleichzeitig im Einsatz, zwei davon speziell für die Pflege von jungen Waldbeständen und die Schwachholzernte. „Insgesamt rechnen wir hier mit ungefähr tausend Festmetern Sägerundholz und 600 Festmetern Papierholz“, sagt Wastlschmid.

Da sich die Holzpreise in den letzten Monaten deutlich erholt haben, ist das für die Waldbesitzer ein Lichtblick. Denn nach dem Einschlag wird das Holz direkt von der WBV vermarktet. Vorab wurde die Fläche von den Fachleuten der WBV vorbereitet, die eigentliche Durchforstung wurde an einem Unternehmer vergeben. Die Kosten werden am Ende mit dem Holzverkauferlös verrechnet. Zusätzlich bekommen die Waldbesitzer auch noch Fördermittel für die Pflege ihres Waldes.

Die Fachleute von AELF und WBV Traunstein, die in dem Projekt gut zusammenarbeiten, hoffen, dass das Projekt „Sammeldurchforstung im Westerholz“ Nachahmer findet und Schule macht. „Immer mehr private Waldbesitzer interessieren sich für unser Projekt“, weiß Tobias Anhof zu berichten. Das Ziel der IZW-Initiative ist es, solche neuen Wege zu beschreiten, um die Pflege im Privatwald zu erleichtern. Eine Möglichkeit können die besitzübergreifenden Durchforstungen sein. Die Waldbesitzer erhalten dabei eine intensive Beratung, bei der Waldumbau- und Waldpflegepläne entwickelt werden. Für weitere Informationen zur Pflege und Durchforstung der Wälder stehen die Waldbesitzervereinigung und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten den Privatwaldbesitzern gerne zur Verfügung.