Anwender- und Umweltschutz

Pflanzenschutz-Befüllstation in Oberding

DSC05495
sas
am Dienstag, 08.09.2020 - 08:32

„Landwirte müssen alles tun, um nicht angreifbar zu werden“, begründet Anton Nussrainer das Projekt.

Nussrainer war fünf Jahre lang „Mutter und Vater des Projekts Pflanzenschutz-Befüllstation Oberding“. So bezeichnete der Erste Oberdinger Bürgermeister Bernhard Mücke seinen Stellvertreter bei der Einweihung der Oberdinger Station – eine weitere entsteht im Ortsteil Niederding.

Technik und Kooperation

In den Hallen können die Landwirte ihre Pflanzenschutzspritzen befüllen, entleeren und reinigen. Reste der Pflanzenschutzmittel durchlaufen das biologische Filtersystem phytobac, sodass sie weder den Boden, noch Kanalisation oder Gewässer verunreinigen können. Diese Technik beruht auf einer unterirdischen Auffangwanne und Filterbecken mit Stroh-Erde-Gemisch und natürlich vorkommenden Mikroorganismen, darunter Vlies und Rollkies, darüber Plexiglasscheiben. Dazwischen tropft die aufgefangene Flüssigkeit und soll verdampfen.
In Bayern sind die Ober- und Niederdinger damit Vorreiter, bestätigt Werner Heller von der LfL. Auch zuvor habe es schon Befüllstationen in den beiden Ortschaften gegeben, diese moderne Anlage bietet jedoch den Vorteil der exakten Füllmengen-Steuerung. Ihrer Verantwortung gegenüber den fünf Kommunen und dem Flughafen München als Wasserversorger seien sie sich absolut bewusst, betonte Mücke.
Voll des Lobes waren die weiteren Redner, hätten die Landwirte etwa die Kies- und Planierarbeiten selbst erledigt und gemeinsam an einem Strang gezogen. Kreisobmann Jakob Maier zeigte sich erfreut über den Zusammenhalt der Landwirte, die im Alltag doch häufig in einer Konkurrenzsituation zueinander stünden, etwa wenn es um Pachtflächen gehe. In der Landwirtschaft solle man wieder „viel mehr miteinander wagen“. Erfreut war er auch darüber, „mal voranzugehen und nicht Bestimmungen nachzulaufen“.

Innovation wird gefördert

Der Freisinger Oberbürgermeister und Vorsitzende der Lokalen Aktionsgruppe Mittlere Isarregion sieht in den Befüllstationen ein Vorzeigeprojekt, er hofft auf Gewässerentlasung. Für Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) ist die Station unabdingbar dafür, mit gutem Gewissen spritzen zu können. Agnes Stiglmaier vom Landwirtschaftsamt Ingolstadt ist Leader-Koordinatorin, die Stationen wurden etwa zur Hälfte aus EU-Mitteln gefördert – unter anderem, weil die innovativen Anlagen unter Bürgerbeteiligung zur gemeinsamen Nutzung errichtet wurden, erklärte Stiglmaier. Den Rest der Kosten tragen die Gemeinde und die Landwirte.
34 Landwirte gründeten einen Verein zur Verwaltung der Befüllstation, weitere Bauern dürfen sich laut Nussrainer jederzeit gerne anschließen, um die Station ebenso zu nutzen.