Grünland

Ökologische Leistungen kosten Geld

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Externer Autor
am Montag, 07.09.2020 - 09:57

Artenreiches Grünland lohnt sich, muss aber auch bezahlt werden. Zwei Landwirte berichten über ihre Erfahrungen.

Das Volksbegehren zur Artenvielfalt hat viele Bauern erzürnt, aber es hat auch Denkanstöße gegeben. Im Wochenbatt-Interview erzählen die Betriebsleiter aus dem bayerischen Oberland Albert Stürzer, Hairerhof bei Wall, und Anton Wohlschläger, Sommerauhof bei Großhartpenning, von ihren Erfahrungen mit artenreichen Beständen im Grünland.

Wochenblatt: Herr Wohlschläger, warum wollen Sie Ihre Wiesen und Weiden artenreicher gestalten, obwohl Sie als konventioneller und intensiverer Mischbetrieb bei günstigen klimatischen Bedingungen hohe Erträge erzielen?

Wohlschläger: Artenreicheres Grünland liegt auch im Interesse der Landwirtschaft, da es sich im Rahmen des Klimawandels besser anpassen kann und zudem gutes und gesundes Futter für unsere Tiere liefert. Am leichtesten lassen sich auf unserem Betrieb Blüh- und Kräuterwiesen an Feldrändern auf kargeren Böden etablieren.

Wochenblatt: Herr Stürzer, was treibt Sie als Heumilchbetrieb an?

Stürzer: Als Biobetrieb mit relativ geringer Intensität in unserer Wirtschaftsweise beschäftigen wir uns schon seit einigen Jahren mit dem Thema Artenvielfalt im Grünland. Über unseren Demeterverband und von den Eigentümern unserer Pachtflächen wurden wir angeregt, uns mit diesem Thema auseinander zu setzen.Trotzdem müssen wir einen Kompromiss zwischen energiereichem Futter für unsere Kühe und ökologischer Vielfalt gehen. Wir sind aber überzeugt, dass Artenvielfalt im Grünland wichtig ist. Dabei meinen wir auch, dass artenreiches Grundfutter qualitätsverbessernd für die Veredelungsprodukte Milch und Fleisch wirkt. Außerdem freut es uns enorm, die Insektenvielfalt auf den blühenden Wiesen zu beobachten. Wir wollen Bodenverbesserungen erreichen und kräuterreiches Heu damit erzeugen.

Wochenblatt: Können Sie sich vorstellen, nach den ersten Teilflächen alle Wiesen für mehr Artenvielfalt zu extensivieren?

Wohlschläger: Ich versuche es derzeit mit einem Kompromiss: Einerseits gutes Grundfutter von meinen Wiesen ernten, andererseits Förderung der Artenvielfalt. Dabei nutze ich intensiver bewirtschaftete Wiesen für meine Milchkühe, extensivere und artenreichere für das Jungvieh. Ich fahre also zweigleisig.

Stürzer: Ich etabliere mehr Artenvielfalt auf weniger günstigen Teilflächen unseres Betriebes, also Hanglagen, entlang von Feldwegen und im Obstgarten und bringe dadurch die Genetik in unseren Betriebskreislauf. Als reiner Heumilchbetrieb mähen wir unsere Flächen tendenziell etwas später und immer nur Teilflächen. Insgesamt haben wir auf den meisten Mähflächen vier Nutzungen, auf extensiven teilweise nur zwei. Intensiver werden unsere hofnahen Flächen als Kurzrasenweide genutzt, das heißt, die Kühe bleiben bei jahreszeitlich unterschiedlicher Flächenzuteilung die gesamte Vegetationsperiode auf der gleichen Fläche, die sehr hochwertiges, also energie- und eiweißreiches Futter bei gleichzeitigem Nährstoffrücklauf über Kot und Harn liefert.

Wochenblatt: Welche Forderungen haben Sie an die Agrarpolitik, hinsichtlich der Neuausrichtung der gemeinsamen EU-Agrarpolitik?

Stürzer: Agrarförderungen müssen auf eine flächengebundene Landwirtschaft abzielen. Wenn der Tierbestand zur Ertragskraft der genutzten Fläche passt, haben wir die besten Effekte für eine nachhaltige Bodenbewirtschaftung, effektiven Klimaschutz und ein hohes Maß an Tierwohl in der Nutztierhaltung. Besondere ökologische Leistungen, wie eine Erhöhung der Artenvielfalt auf Wiesen und Weiden, bedeuten in der Regel Ertragseinbußen bei erhöhtem Betriebsaufwand und sollten entsprechend und angepasst gefördert werden.

Wohlschläger: Die Agrarsubventionen sollten vollständig beim Bauern ankommen und nicht indirekt bei der nachgelagerten Wirtschaft. Die Fördermittel sollten gerechter verteilt werden, um etwa die Zahl der Hofaufgaben zu stoppen. Außerdem brauchen wir flexiblere, weniger praxisfremde und übertrieben bürokratische Förderprogramme. Und ich sage immer: Wenn ein Landwirt statistisch 145 Menschen ernährt, so muss es doch möglich sein, dass diese Bürger auch einen Landwirt bei den ökologischen und ernährungssichernden Leistungen unterstützen.