Hochwasser

Oberbayern: Wassermassen verwüsten Flächen und Betriebe

Markus Söder besichtigt Hochwasserschäden
Barbara Höfler und Philipp Seitz
am Montag, 19.07.2021 - 13:01

Das Hochwasser richtete in Teilen Oberbayerns hohe Schäden an. Auch Muren setzten den Landwirten vor Ort zu.

Berchtesgadener Land - Starkregen, Hochwasser und Erdrutsche haben auch die Landwirtschaft in Teilen Oberbayerns getroffen. Wie hoch die Schäden sind, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen. Landratsamt, Gemeinden und Bauernverband sind noch immer dabei, das Schadensausmaß zu erfassen. Die Aufräumarbeiten laufen aber auf Hochtouren. Laut der stellvertretenden BBV-Kreisbäuerin im Berchtesgadener Land, Maria Walch, habe es „schon Verwüstungen“ im Bereich der Landwirtschaft gegeben.

Herbert Galler, Geschäftsführer des Maschinenringes Laufen, zog am Montagnachmittag eine Zwischenbilanz für seine Mitglieder: „Es schaut so aus, dass es insgesamt nicht so dramatisch für die Landwirtschaft ist, dass es einzelne Betriebe aber ganz massiv erwischt hat.“ Dabei seien weniger die übergelaufenen Bäche das Problem, sondern „die Muren, die von oben gekommen sind und sich über landwirtschaftliche Flächen und Betriebe ergossen haben“.

In Bischofswiesen überrannte eine solche Mure eine ca. 14 ha große Grünlandwiese. Galler berichtet von zum Teil „menschengroßen Felsen“ dort. Die Bundeswehr wurde gerufen, um mitzuhelfen, die Steine wegzuschaffen. Sollten diese Fläche je wieder mäh- und bewirtschaftbar sein, so Galler, „muss man sie schon mit dem Humuslöffel abziehen. Mit einem Steinrechen kann man da nix mehr machen“.

Eine Mondlandschaft hinterlassen

Auch Georg Baumgartner, BBV-Kreisobmann des Berchtesgadener Landes, und sein Stellvertreter Michael Lichtmannegger haben diesen Betrieb auf ihrer Tour durch die Region am Vormittag  besucht, um sich ein Bild über die Schäden in der Landwirtschaft zu machen. Auf mindestens 10 bis 12 ha, so Lichtmannegger, hätten sie „eine Mondlandschaft“ vorgefunden: „Reine Sandwüste. Da wächst nichts mehr heuer.“ BBV und Maschinenring wollen für die betroffenen Landwirte nun Futtermittelspenden organisieren, jedoch erst, wenn das ganze Ausmaß der Schäden einschätzbar ist. Bereits am Montagvormittag hatten sich die ersten Landwirte bis aus Bayreuth beim Maschinenring gemeldet und Futtermittelspenden sowie Hilfsmittellieferungen angeboten.

Das „Aschau Lehen“ in Bischofswiesen/Stanggaß war ebenfalls betroffen. Hier ging eine Mure ab und lief an drei Stellen durch den Hof. Gebäude und Gerätschaften des Lohn- und Forstbetriebes wurden zerstört. Der Schaden wurde bereits auf 1 Mio. Euro geschätzt, teilte die Familie auf Wochenblatt-Anfrage mit. Am Montagabend, 19.07.2021, machte sich Bauernpräsident Walter Heidl persönlich ein Bild vor Ort. Seine Eindrücke schilderte er am Abend in einem Video auf der digitalen Plattform Twitter: „Die Geröllmassen, die vom Berg heruntergekommen sind, haben hier sehr vieles kaputt gemacht.“ Es seien auch große Mengen an Futtervorräten verdorben. Deshalb sei nun schnelle Hilfe notwendig, betonte Heidl.

Das Video von Bayerns Bauernpräsident Walter Heidl sehen Sie hier:

In Ramsau (Lks. Berchtesgadener Land) rückte die Bergwacht zu einem Anwesen aus, das nicht mehr über die Straße erreichbar war. Dort hat eine Mure einen Stadel erwischt.

Aufräumarbeiten kommen gut voran

Im Berchtesgadener Land besonders betroffen ist der Innerlandkreis und hier die Gemeinden Berchtesgaden, Bischofswiesen, Marktschellenberg, Ramsau und Schönau. Die Kreise Traunstein und Rosenheim seien glimpflich davongekommen. Kreisbäuerin Maria Krammer gibt für Teisendorf/Lks. Berchtesgaden ebenfalls Entwarnung. Lediglich im Landkreisinneren seien landwirtschaftliche Betriebe betroffen.

Maria Walch, stellvertretende Kreisbäuerin im Kreis Berchtesgadener Land, gab Entwarnung. Bei ihr hätten schon zahlreiche Feriengäste angerufen und sich erkundigt, ob sie am Wochenende überhaupt anreisen können. Ihr Nebenerwerbsbetrieb mit 80 Milchkühen liege am Berg und sei verschont geblieben, erzählt Walch. Dadurch, dass alle zusammenhelfen, würden auch die Aufräumarbeiten nach dem Hochwasser gut vorankommen. „Manchen Medien ist schon wieder zu wenig kaputt für ihre Fotos."

Auch im Donaumoos verbessert sich die Lage allmählich. Nach den starken Unwettern in Bayern waren die Felder geflutet. Nebenerwerbslandwirt Siegfried Hüßner sagte dem Wochenblatt vergangene Woche: „Bei uns stehen 90 Prozent der Früchte unter Wasser.“ Für die Landwirte ging es dabei nicht nur um den finanziellen Verlust, sondern auch um die vergebliche Arbeit. Mehr dazu lesen Sie hier.

Starkregen flutet die Felder im Donaumoos

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Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber zeigte sich von den Ausmaßen der Zerstörungen entsetzt. Es sei erschütternd, wie dieses Unwetter das Berchtesgadener Land heimgesucht hat, schrieb die Staatsministerin auf der digitalen Plattform Facebook. Viele Menschen würden vor den Trümmern ihrer Existenzen stehen. Es brauche nun Hilfen von Land und Bund.


Die Flutkatastrophe hat in mehreren Regionen die Ernte und die Futtervorräte vernichtet, Vieh ist ertrunken sowie Gebäude und Landtechnik zerstört. Felder und Wiesen sind mit Geröll und Müll übersät. Nun sei schnelle Hilfe notwendig, schreibt der Deutsche Bauernverband. Der Bauernverband hat deshalb zusammen mit der Schorlemer-Stiftung eine Spendenaktion für landwirtschaftliche Betriebe gestartet, die von der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und in Teilen Bayerns und Sachsens betroffen sind.

Kontoinhaber: Schorlemer-Stiftung des Deutschen Bauernverbandes
IBAN: DE57 3806 0186 1700 3490 43
BIC: GENODED1BRS
Zweck: Hochwasserhilfe Juli 2021
Die Spenden kommen, wie der Bauernverband mitteilt, vollständig bei den Betroffenen an.

 

Bei der Wettersteinalm bildete sich ein gewaltiger Sturzbach: