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Nur was man kennt, schätzt man auch

Milchabholung
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Externer Autor
am Dienstag, 31.03.2020 - 09:03

Die Molkerei Berchtesgadener Land setzt weiter auf eigene Wege für eine gute Außenwirkung der Landwirtschaft Bayerns und auf Öffentlichkeitsarbeit der Höfe.

Piding/Lks. Berchtesgadener Land - „Landwirtschaft ist nicht gleich Landwirtschaft.“ Das betonten auf den Info-Veranstaltungen für die Bäuerinnen der Molkerei Berchtesgadener Land der Vorstandsvorsitzende Andreas Argstatter und Geschäftsführer Bernhard Pointner. Und das soll ab Mitte des Jahres der neue Film der Molkerei sowie die neu gestalteten Führungen im Betrieb gleichermaßen aufzeigen.

Bauern und Gesellschaft

Die kleinbäuerliche Landwirtschaft in der Bergregion und die Gesellschaft einander wieder näher zu bringen, ist erklärtes Ziel der Genossenschaft. Kinder sollen „Bauernhof“ wieder erleben können, die Molkerei unterstützt die Landwirte bei dem Angebot heuer ganz gezielt – der Fachvortag „Erlebnisbauernhof“ vertiefte das Thema. Kernthema der Molkerei im neuen Jahrzehnt bleibt die Nachhaltigkeit: Auch hier setzt die Molkerei auf Aufklärung. Werkstudentin Magdalena Kollmann präsentierte das Thema ihrer Bachelorarbeit und erklärte, warum die Kühe in der Bergregion wichtig für den Klimaschutz sind.

Insgesamt 801 Bäuerinnen aus dem Milcheinzugsgebiet zwischen Watzmann und Zugspitze waren den Einladungen nach Schönau, Teisendorf, Siegsdorf, Lenggries und Kirchberg/Mattighofen gefolgt. Vorstand und Geschäftsführer berichteten dort über die Entwicklung des Milchmarktes und der Molkerei. War das vergangene Jahrzehnt für ihn geprägt von den Themen Marktliberalisierung, Ende der Milchquote und Milchpreiskrise, steht das neue Jahrzehnt im Zeichen der Nachhaltigkeit.
Argstatter ist überzeugt, dass diese das Potenzial hat, die Landwirtschaft in Deutschland in den nächsten Jahren massiv zu verändern. Und er ist erleichtert, dass die Molkerei der Branche bereits heute einen großen Schritt voraus sei, etwa beim Gentechnikverzicht oder der Tierwohlförderung. 30 % der Lieferanten seien Ökobauern. Letztlich hätten diese Maßnahmen dazu beigetragen, dass die Molkerei auch im Jahr 2019 wieder „überdurchschnittliche, faire Milchpreise auszahlen konnte, so der Unternehmensvertreter.

Weiter selbstbewusst den eigenen Weg gehen

„Wie in der Vergangenheit werden wir auch jetzt nicht auf Vorlagen der Politik und der Verbände warten, sondern weiterhin selbstbewusst unseren eigenen Weg gehen“, machte Argstatter deutlich. Molkerei und Landwirte müssten künftig noch enger zusammenarbeiten, um der Gesellschaft die Leistungen, die Landwirtschaft entlang der Alpenkette für Artenvielfalt, Umwelt und Naturschutz erbringt, aufzuzeigen. „Gemeinsam mit euch wollen wir im neuen Jahr das Ansehen unserer Landwirtschaft verbessern“, verdeutlichte er den Bäuerinnen. Er griff das Beispiel von Hofbesichtigungen für Kinder heraus. „Nur was man kennt, kann man auch schätzen.“
Sieglinde Pollan vom Landwirtschaftsamt in Ebersberg stellte den Bäuerinnen das Programm „Erlebnisbauernhof – lernen, erleben, aktiv sein“ kurz vor. Dessen Ziel sei es, jedem Grundschulkind in Bayern kostenfrei einen Bauernhofbesuch zu ermöglichen. So sollen ein realistisches Bild der bayerischen Landwirtschaft und deren Bedeutung für die ganze Gesellschaft, die Wertschätzung für heimische Lebensmittel und ein bewusster Umgang mit der Natur vermittelt werden. Dazu werde die Fortbildung zur „Erlebnisbäuerin“ angeboten. Kern der Kurse sei die Vermittlung der Landwirtschaft mit Kopf, Herz und Hand und schließe die aktive Mitarbeit der Kinder und ein Erleben mit allen Sinnen ein.
Mit der Wertschätzung der Arbeit, die die Bäuerinnen tagtäglich auf den Höfen leisten, startete auch Geschäftsführer Bernhard Pointner seinen Bericht. Dass sich die Mühe lohnt, zeigen einige Zahlen eindrucksvoll: Pro Sekunde Öffnungszeit der Supermärkte in Deutschland werden 24 grüne und 7 Bioprodukte zu Premiumpreisen verkauft. 332 Mio. Liter Milch, die auf den Höfen zwischen Watzmann und Zugspitze gemolken werden, konnten erfolgreich verkauft werden. 138 Mio. € Milchgeld hat die Molkerei 2019 und wie seit Jahren dabei wieder den höchsten Milchpreis in ganz Deutschland und Österreich ausgezahlt.
Dabei sieht die Molkerei einige Herausforderungen auf die Branche zukommen: Konjunkturflaute, ändernde Ernährungsgewohnheiten, Handelshemmnisse durch Strafzölle und nicht zuletzt der Brexit bringen laut Pointner zusätzlichen Druck in den deutschen Milchmarkt. Doch die Molkerei ist gut gerüstet, gab sich der Geschäftsführer zuversichtlich:

Demeter-Lieferanten werden gesucht

Weiteres Thema waren umweltfreundliche Verpackungen. Auf Plastikstülpdeckel verzichte man bereits komplett. Die Molkerei investiere derzeit in eine neue Produktonshalle, wo auch eine neue Flaschenabfüllanlage mehr Kapazität für Glas bringe. Die Nachfrage nach Bergbauern- und vor allem Demeter-Milch in der Mehrwegflasche steige weiter, informierte Pointner und sagte, dass Berchtesgadener Land weitere Demeter-Bauern sucht.
Der Zuschlag für Demeter Milch wurde auf nun 2 ct zur Naturlandmilch erhöht. Weil Demeter aber nie eine rein wirtschaftliche Entscheidung sei, sondern vielmehr eine Lebenseinstellung, setzt die Molkerei zusätzlich auf eine unkomplizierte, persönliche Beratung und Betreuung.