Kreisversammlung

Nicht nur die EU ist schuld

Bayerischer Bauernverband
Dietmar Fund
am Montag, 17.02.2020 - 09:40

MdEP Marlene Mortler wirbt in Altötting dafür, dass Landwirte für sich selbst Werbung machen.

Graming/Lks. Altötting - Nicht alles, was den bayerischen Landwirten gerade Kummer bereitet, kommt „aus Brüssel“, aber in der Europäischen Union werden wichtige Weichen gestellt, durch die sich manch kleiner Landwirt auf das Abstellgleis geschoben empfindet. Deshalb war es nur folgerichtig, dass der Kreisverband Altötting des Bayerischen Bauernverbands zu einer Kreisversammlung Marlene Mortler mit rund 100 Teilnehmern einlud.

Die „starke Stimme“ der Weißblauen im Landwirtschaftsausschuss des Europäischen Parlaments ging ihr Thema „Der Einfluss Europas auf die heimische Landwirtschaft“ sehr persönlich an. „Wenn Landwirte dazu degradiert werden sollen, nur noch Landschaftspflege zu betreiben, haben wir unseren Beruf verfehlt“, erklärte die Tochter eines fränkischen Hopfenbauern. „Wir wollen weiterhin Produzenten von Lebensmitteln sein.“

Schreckliche Bürokratie zurückfahren

Ihre politische Erfahrung in Europa sei es, dass sich die Staaten umso mehr für ihre Landwirtschaft einsetzten, je schlechter es den Menschen gehe. Wo es ihnen gut gehe, spiele die Landwirtschaft plötzlich keine Rolle mehr. „Wir brauchen einen fairen Umgang mit Bauern, nicht nur in Deutschland und in Europa, sondern weltweit“, erklärte Mortler. Aus Gesprächen mit der kroatischen Landwirtschaftsministerin habe sie mitgenommen, dass die „schreckliche Bürokratie“ zurückgefahren werden müsse. Auflagen und Gesetze änderten sich auch ihrer Meinung nach viel zu schnell. Was man dagegen hier und in Brüssel tun könnte, sagte sie nicht.

Mit einer interessanten Anmerkung trat die Abgeordnete für den Freihandel und das von den Bauern wegen möglicher Importe von Billigrindfleisch kritisierte Mercosur-Abkommen ein: „Gemessen an den Vorlieben der Deutschen ist die Hälfte eines Schweins eigentlich Abfall und wir können froh sein, dass zum Beispiel die Chinesen so gerne Schweinefüße und -rüssel essen.“ Der heutige Stand sei, dass hier nichts nachverhandelt werden könne. Zur Düngeverordnung sagte Mortler nur, dass sie dafür eintrete, das Zweitverfahren der EU gegen Deutschland auszusetzen. Ob das klappe, könne sie nicht sagen.

Guten Kontakt zu lokalen Medien aufbauen

„In Gesprächen mit der Initiative Land schafft Verbindung haben wir gemeinsam festgestellt, dass die Landwirtschaft Kommunikationsdefizite hat“, berichtete die Europaabgeordnete. Im Gegensatz zum Bild in den Medien rangierten in Brüssel die Lobbyisten der Landwirtschaft nur auf dem zehnten Platz. Die stärksten Lobbyisten seien Nicht-Regierungsorganisationen (NGO) aus dem Bereich „Umwelt“. Einer von ihnen, ein ehemaliger Greenpeace-Campaigner, sei sogar Amtschef von Frans Timmermans geworden, des neuen Vizepräsidenten der EU-Kommission.

In der abschließenden Diskussion riet  Mortler eindringlich dazu, einen guten Kontakt zu den lokalen Medien aufzubauen, denn die Landwirte seien doch selbst ihre besten Botschafter vor Ort. „Nicht nur die Bienen, sondern auch die Bauern sind systemrelevant“, erklärte sie, bevor sie sich geduldig der Diskussion stellte.