Planungen

Nordzulauf bereitet weiter Sorgen

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Philipp Seitz
Philipp Seitz
am Montag, 29.03.2021 - 11:03

Landwirte im Inntal bangen um ihre Existenz. Das Verkehrsministerium reagiert.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) lässt prüfen, ob eine unterirdische Anbindung des Brenner-Nordzulaufs möglich ist. Das bestätigte Scheuer dem Wochenblatt auf Anfrage. Auf eine entsprechende Prüfung hatten nicht nur mehrere Landtagsabgeordnete, sondern auch der Bayerische Bauernverband gedrängt. Verkehrsminister Scheuer sagte, dass er gerne den Vorschlag der Region aufgreife: „Ich habe eine neue Machbarkeitsstudie beauftragt, mit der wir herausfinden wollen, ob und gegebenenfalls wie eine Verknüpfungsstelle zwischen den neuen Gleisen und der Bestandsstrecke in der Nähe von Niederaudorf unterirdisch realisiert werden kann.“

Ministerium reagiert auf politischen Druck

Die Studie werde auch die Expertise der Regionalvertreter einbeziehen, kündigte Scheuer an. Weiter teilte der Minister mit, dass es „eine gute Lösung für und mit der Region“ benötige, welche die Menschen vor Ort bestmöglich schütze. Laut dem Bundesverkehrsministerium wird die Studie zeitnah vom Deutschen Zentrum für Schienenverkehrsforschung (DZSF) als wissenschaftlicher Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des Ministeriums durchgeführt. Die Studie wird zeigen, ob sich im Berg Wildbarren die vorhandenen und die zusätzlichen Gleise kreuzen können. Angaben darüber, bis wann das Ergebnis der Machbarkeitsstudie vorliegen soll, machte das Verkehrsministerium nicht.

Andreas Scheuer

Scheuer reagiert damit auf Forderungen der CSU und Freien Wähler im Bayerischen Landtag. Die Koalition hatte mit einem Dringlichkeitsantrag im Landtag eine Machbarkeitsstudie für eine unterirdische Anbindung gefordert, um so beim Brenner-Nordzulauf „für den bestmöglichen und umweltverträglichsten Trassenverlauf“ zu sorgen. Mit dieser Machbarkeitsstudie sollte nach Ansicht der Koalition geprüft werden, ob die Verknüpfungsstelle unterirdisch möglich ist und in das Wildbarrenmassiv nahe Niederaudorf verlegt werden kann.

Der Rosenheimer BBV-Kreisverband begrüßte die angekündigte Machbarkeitsstudie. Sollte die Verknüpfungsstelle unterirdisch möglich sein, würde dies dafür sorgen, dass „ganz viel wertvolle landwirtschaftliche Nutzfläche erhalten bleibt“, betont Kreisbäuerin Katharina Kern. „Das wäre für die gesamte Region und für die Landwirtschaft ein enormer Gewinn.“

Landtagspräsidentin und CSU-Abgeordnete Ilse Aigner forderte, dass die Bahn die Anregungen aus der Region zu den Trassenverläufen in das Planungsverfahren miteinbezieht. Die Deutsche Bahn hat, wie ein Sprecher unserer Zeitung sagte, den Vorschlag, eine Verknüpfungsstelle in einen Tunnel zu verlegen, bereits im vergangenen Jahr untersucht. Dabei sei festgestellt worden, dass „geltende Sicherheitsvorschriften nicht eingehalten werden könnten“. Personen- und Güterzüge dürfen sich demnach in einem Tunnel nicht begegnen.

Der Bund hat das letzte Wort

Kritisiert wurde von verschiedenen Initiativen unter anderem, dass eine Verknüpfungsstelle zwischen der alten und neuen Trasse wertvolle Landschaft zerstört. Manfred Eibl, der verkehrspolitische Sprecher der Freien Wähler, betonte, dass eine unterirdische Alternative im Wildbarrenmassiv deshalb intensiv geprüft werden müsse. Aufgrund der geltenden Gesetzeslage entscheide alleine der Vorhabensträger, am Ende also der Bund, welche neuen Varianten ins Spiel gebracht werden.

BBV-Kreisobmann Josef Bodmaier

Auch der Bayerische Bauernverband hatte sich intensiv mit dem Brenner-Nordzulauf auseinandergesetzt und bereits 2017 dem damaligen Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt ein Positionspapier überreicht. BBV-Kreisobmann Josef Bodmaier bezeichnet den Brenner-Nordzulauf als ein „Damoklesschwert“, das weiterhin über den Landwirten schwebe. Schließlich bedrohe das Großprojekt viele Landwirte massiv in ihrer Existenz. Auch Kreisbäuerin Katharina Kern spricht von einem Großprojekt, „dessen Dimension vielen Bürgern noch gar nicht bewusst ist“.

Der Bauernverband habe deshalb schon früh reagiert, sagt Kern, die auch als Vertreterin der Landwirtschaft in einem grenzüberschreitenden Gemeindeforum mitarbeitet. So seien Chefplaner des Großprojektes und Abgeordnete neben dem Flächenverbrauch auf weitere kritische Punkte hingewiesen worden. Ein Problem seien etwa die Ausgleichsflächen. Im Positionspapier des Rosenheimer BBV heißt es, dass gerade im Inntal keine Flächen mehr vorhanden seien, um auch noch Ausgleichsfläche zu schaffen. Zusätzlich verlaufe die Trasse durch eine beliebte Tourismusregion, was Besucher abschrecken könne. Der Bauernverband fordert deshalb „eine größtmögliche Tunnellösung und nur in absoluter Ausnahme kurze oberirdische Bauwerke“, um die wertvollen Flächen, aber auch heimische Wildtierbestände zu schützen.

Die Bahntrasse im Inntal gefährdet viele Landwirte in ihrer Existenz. Im Video erklärt Stefan Hamberger, wie ihn das umstrittene Großprojekt treffen würde:

Für die Deutsche Bahn ist der Ausbau der Eisenbahn-Brennerachse zwischen München und Verona „für die Verkehrswende im alpenquerenden Güterverkehr von zentraler Bedeutung“. Mit der Eröffnung des Brenner Basistunnels werde „ein starker Anstieg“ im Schienengüterverkehr auf der Brennerachse erwartet. Die aktuell bevorstehende Trassenauswahl bezeichnete ein Sprecher der Bahn gegenüber dem Wochenblatt als „wichtigen Meilenstein“. Sie soll noch im Frühjahr abgeschlossen werden. Dann folgt die Vorplanung. Die Bahn betont, dass in deren Verlauf  „lokale Anpassungen der Trasse weiterhin vorkommen“ können.