Umwelt

Neue Konzepte sind gefragt

Fichte und Buche
Alexander Kraus
am Donnerstag, 25.02.2021 - 11:46

Der Landkreis Garmisch-Partenkirchen will Experten für das Leader-Projekt „Lebensraum Wald, Wild, Mensch“, um unter anderem den Mischwald zu fördern.

So richtig Fahrt aufgenommen hat das Projekt „Lebensraum Wald, Wild, Mensch“ der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Zugspitz Region erst nach einem Antrag zweier Kreisräte im Landkreis Garmisch-Partenkirchen.

Tessy Lödermann (Bündnis 90/Die Grünen) und Walter Echter (CSB) mahnten an, dass sich der waldbauliche Zustand verschlechtert hat und forderten Gegenmaßnahmen. Nun hat das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen reagiert: Für die Umsetzung des Lebensraum-Projekts hat die Behörde die Fördermittel abgeklopft und plant, eine wildbiologische Fachkraft einzustellen. Dieser Mitarbeiter soll „neue Wege gehen“, betont Franz Mangold, Sachgebietsleiter am Landratsamt, das Projektträger ist.

Lokale Konflikte bei Wald und Jagd lösen

Auf die Fachkraft, die eine Schnittstelle zwischen Behörden, Jägerschaft, Grundeigentümern, Landwirten, Almbauern sowie Tourismusverbänden bilden soll, warten viele Aufgaben. „Jagdstrategien und Überwinterungskonzepte“, zählt Mangold etwa auf. Dazu gehören die Weiterentwicklung des Rotwild-Fütterungskonzeptes und die Einhaltung der Wildruhezonen.

Darüber hinaus solle diese als Mediator und Moderator bei „lokalen Konflikten zum Thema Wald und Jagd“ auftreten.Denkbar sind konkrete Vorschläge bei forstlichen und jagdlichen Problemfällen sowie die Organisation von Runden Tischen im Bereich Schalenwildmanagement.

Gefragt sind Konzepte für die Tourismuslenkung

Ein weiteres Aufgabenfeld für den wildbiologischen Experten wird die Tourismuslenkung sein. Dabei kommt es darauf an, Konfliktbereiche zwischen Schalenwild und Tourismus zu erkennen und Lösungsvorschläge in den identifizierten Gebieten in Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern zu erarbeiten.
Schließlich geht es auch darum, die vom Landratsamt erarbeiteten Leitlinien umzusetzen. Etwa das in der Praxis einsetzbare Monitoringverfahren. „Zur besseren Abschätzung der Populationsdynamik bei Rotwild und Gamswild“, sagt Mangold.
Zum Inhalt von „Lebensraum Wald, Wild, Mensch“ äußert sich Martin Kriner, der Leader-Manager der LAG Zugspitz Region. Wälder prägen nicht nur die Kulturlandschaft, sondern sind ein wichtiger Rohstofflieferant. „Darüber hinaus ist der Schutzcharakter der Wälder von größter Bedeutung“, betont Kriner. Gerade in einem Gebirgslandkreis wie Garmisch-Partenkirchen gelte dies, weil man hier auf einen standortgemäßen Mischwald zum Schutz vor Naturkatastrophen angewiesen ist. Darüber hinaus ist der heimische Wald Lebensraum für zahlreiche Wildtier- und Vogelarten. Nicht zuletzt: „Der Wald ist aber auch Erholungsort für den Menschen“.
Der Erhalt und die Wiederherstellung von gesunden und gemischten Wäldern sind für den Leader-Manager von besonderer Bedeutung. Vor allem durch den Wildverbiss hat sich die Waldverjüngung teilweise verschlechtert. Auch hier gibt es Ansatzpunkte für den neuen Fachmann.
Das Projekt „Lebensraum Wald, Wild, Mensch“ ist auf drei Jahre ausgelegt. Rund 207 000 € sind dafür vorgesehen, zu 60 % wird die Aktion durch das europäische Förderprogramm Leader bezuschusst.
Das restliche Geld stamme aus Landkreismitteln, ergänzt Kriner. Das Leader-Gremium befürwortete das Projekt. Jetzt fehlt nur noch die Zustimmung der Kreisgremien. Sollte letztlich der Kreistag im März „Lebensraum Wald, Wild, Mensch“ positiv bescheiden, wird die Stelle für einen wildbiologischen Experten ausgeschrieben.