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Betriebszweig

Neu orientiert: Vom Milchviehhalter zum Ackerbauern

Auf dem Zwiebelacker: Markus Kreitmeier und Freundin Larissa Zeiner zeigen Sohn Quirin (1), wie’s geht.
Helga Gebendorfer
am Freitag, 02.09.2022 - 15:00

Familie Kreitmeir geht im Spargelland neue Wege: Hofnachfolger Markus baut auf dem Acker in Schrobenhausen Zwiebeln an.

Optimale Knolle: Erwünscht ist bei Zwiebeln eine Knollengröße zwischen 40 und 70 mm.

Zwiebelanbau – das ist eigentlich im Schrobenhausener Land nicht üblich. „Wir haben es gewagt und es hat geklappt“, sagt Markus Kreitmeir (32) aus Aresing im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Heuer wachsen die Zwiebeln schon im fünften Jahr auf seinem Feld und vervollständigen die Palette der Ackerkulturen, die Familie Kreitmeir sich aufgebaut hat.

Bis vor fünf Jahren standen hier in Aresing noch Milchkühe auf dem Vollerwerbsbetrieb. Dann schlugen die Kreitmeirs einen neuen Weg ein. „Wir orientierten uns um und probierten verschiedene Richtungen aus“, erzählt Hofnachfolger. So zogen 2017 die ersten Legehennen ein. Heute tummeln sich 1050 Hühner in drei Mobilställen, deren Eier die Familie hauptsächlich direktvermarktet.

Herzstück aber ist der 70 ha große Ackerbaubetrieb, den Markus Kreitmeir als gelernter Landwirtschaftsmeister zusammen mit seinen Eltern Georg und Rita sowie mit seiner Freundin Larissa Zeiner führt. Angebaut werden hier Kartoffeln, Sojabohnen, Dinkel, Mais, Sommergerste und eben Zwiebeln.

Mit einem Hektar startete Markus Kreitmeir 2018 in den Zwiebelanbau. Und das nach reiflicher Vorüberlegung. Die Hauptkultur Kartoffel war relativ stark in der Fruchtfolge vertreten. Um die Anbaupause zu strecken, suchte er nach einer Alternativfrucht. Auf Zwiebeln fiel die Wahl, weil die beiden gut zusammen passen“ – und zwar sowohl als sich in der Fruchtfolge ergänzende Kulturen als auch wegen der ähnlichen Technik, die für den Anbau notwendig ist.

Der Bedarf war da, es hieß nur noch anpacken

Angst, dass das Projekt nicht funktionieren könnte, hatte Markus Kreitmeir nicht. Denn auch an Abnehmern für die Zwiebeln fehlt es nicht in der Kartoffel-Region. Darin bestärkte ihn ein befreundeter Nebenerwerbslandwirt, der im Landhandel beschäftigt ist und wusste: Der Bedarf ist da. Markus Kreitmeir musste nur noch anpacken.

Als Schwierigkeit erwies sich dann doch die Technik, die im ersten Jahr ohnehin geliehen werden musste. Die Sähmaschine aber leiht Kreitmeir sich bis heute von einem größeren Zwiebelbetrieb aus dem Dachauer Land. Denn Zwiebelsamen sind ungefähr so fein wie Rapskörner und sie benötigen einen relativ engen Reihenabstand, was nur eine spezialisierte Maschine schafft.

Zwiebelernte: Die Zwiebeln werden auf dem Feld in Reihen abgelegt und trocknen drei bis vier Tage. In der Halle liegen sie dann noch mal 10 bis 14 Tage, bis sie handelsreif sind

Auch mit Unkrautproblemen hatte Kreitmeir im ersten Anbaujahr zu kämpfen. Hauptsächlich mit dem Weißen Gänsefuß, erzählt er. Mit imposanten 1,50 m Höhe überwucherte der die schönen Zwiebeln. Dennoch fiel der Ertrag gut aus. Mithilfe der Tipps eines Gemüseberaters vom Landwirtschaftsamt, ließ sich das Problem in den Griff bekommen.

Genau wie auch die Technik: Von der Idee überzeugt, stieg nämlich erst der Freund aus dem Landhandel mit in den Zwiebelanbau ein und dann weitere Landwirte. Mit Kreitmeir sind es mittlerweile fünf. Zusammen bilden sie eine Anbau-Kooperation, die auch die Maschinen miteinander angeschafft hat. Alle miteinander bauen nun auf 10 ha Zwiebeln an. 2,5 ha davon gehören Markus Kreitmeir.

Mitte März wird ausgesät. Das Saatgut der gut lagerfähigen Sorte „Taresco“ bezieht Kreitmeir von einem Händler aus Bayern. Zu den Maßnahmen in der Vegetationsperiode gehören Düngung nach Bedarfsermittlung, maschinelles Hacken sowie Herbizid- und Fungizidbehandlung, zum Beispiel gegen Mehltau.

Die Ernte erfolgt dann Mitte August. Zunächst wird mit einem Krautschläger das Kraut auf 8 cm abgeschlegelt, sodass der Zwiebelhals stehen bleibt. Dann werden die Knollen mit dem ebenfalls gekauften Schwadleger aus der Erde geholt und auf dem Feld in Reihen abgelegt. Dort bleiben sie zur ersten Trocknung drei bis vier Tage liegen. Anschließend sammelt ein von Kreitmeir umgebauter Kartoffel-Roder die Zwiebeln auf. In einer Halle mit Belüftung trocknen sie dort je nach Außentemperatur weitere zehn bis 14 Tage. Dann erst sind die Zwiebeln handelsfähig. Die Sorte ist lagerbar bis den Februar hinein.

Die Zwiebeln laufen so gut, dass die Verkaufshütte an der Dorfstraße zu klein wird. Mitte September eröffnen Kreitmeirs einen Hofladen.

Zwiebeln sollen möglichst auf Boden mit guter Wasserführung stehen. „Eigentlich bräuchten wir eine Beregnungsanlage“, sagt der 32-jährige angesichts der zunehmenden Trockenheit und Hitze. Auf dem Kreitmeir-Hof pendelte die Ertragsmenge sich ohne Beregnung auf 400 dt/ha ein. Mit optimaler Wasserversorgung wären bis 700 dt/ha möglich.

Optimal für die Abnehmer ist eine Knollengröße zwischen 40 und 70 mm. Das kann Kreitmeir bieten. Bisher gingen die angebauten Zwiebeln in jedem Jahr restlos weg. Den größten Teil verkauft er an den Landhandel, der sie nach Bedarf vom Lager holt. Der Rest wandert in die Direktvermarktung, da ist die Variante der roten Zwiebel sehr beliebt.

„Wir sind noch in der Lernphase“, sagt Kreitmeir, „aber wir haben es bis jetzt nicht bereut“. Mit dem Zwiebelanbau zeigt er sich so zufrieden, dass künftig die Direktvermarktung noch weiter angekurbelt wird: Mitte September eröffnet die Familie einen neuen, großen Hofladen im ehemaligen Schreinereigebäude. Wer mal vorbeischauen und Schrobenhausener Zwiebeln kaufen möchte: Möglich ist das immer Mittwochs von 13 bis 18 Uhr sowie Freitag und Samstag von 9 bis 18 Uhr (Stemmerhof Kreitmeir, Bauernstraße 22, 86561 Aresing).